Mercedes-Test-Valencia-Vandoorne

Mercedes beim Formel-E-Test in Valencia mit "unerwarteten Herausforderungen" konfrontiert

Gut einen Monat vor dem Saisonauftakt der Formel E in Saudi-Arabien ist für das neue Mercedes-Team die heiße Phase der Vorbereitung auf die eigene Debütsaison angebrochen. Vom 15. bis zum 18. Oktober nahm das Team an den offiziellen Testfahrten der Elektrorennserie in Valencia teil und sammelte im Verlauf der drei Testtage wertvolle Erfahrung und weitere Testkilometer mit dem neuen Mercedes-Benz EQ Silver Arrow 01. Aus diversen Kinderkrankheiten will Mercedes nun seine Lehren ziehen.

"Die ersten beiden Testtage in dieser Woche waren für uns schwierig", gibt Teamchef Ian James zu. "Es gab einige unerwartete Herausforderungen, die wir zu meistern hatten. Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, aber wir haben die richtigen Lösungen dafür gefunden. Das zeigt, wie wichtig solche Testfahrten im Vorfeld der Saison sind. Bei den privaten Tests waren wir konstant und konnten eine gewisse Stabilität erreichen. Jetzt müssen wir sicherstellen, dass wir diese in das erste Rennwochenende mitnehmen. Nach dem schwierigen Start in die Woche konnten wir den Test am Freitag aber positiv abschließen."

Entsprechend kam es bei den Testfahrten in Valencia vor allem darauf an, weiter mehr über das Auto sowie die Abläufe zu lernen und so viele Runden wie möglich zurückzulegen. Die Rundenzeiten spielten eine untergeordnete Rolle, erklärt Mercedes. Demnach dürfte das Team die mäßigen Bestzeiten von Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries verkraften dürfen, die im Gesamtranking der Woche nur auf die Positionen 20 und 21 kamen. Mit Blick auf die reine Pace war Mercedes somit das zweitlangsamste Team in Valencia (vor Nio).

"Uns geht es im Moment darum, Konstanz aufzubauen", erklärt James. "Aber natürlich wollen wir konkurrenzfähig sein, wenn wir einsteigen. Valencia ist eine permanente Rennstrecke, die sich signifikant von den Stadtkursen unterscheidet, auf denen wir normalerweise während der Saison fahren. Außerdem absolviert jedes Team bei den Testfahrten unterschiedliche Programme, sodass es nicht einfach ist, Vergleiche zu ziehen. Deshalb haben wir noch kein endgültiges Bild vom Kräfteverhältnis. Trotzdem glaube ich, dass wir eine gute Basis geschaffen haben, auf der wir aufbauen können, um uns während der Saison weiterzuentwickeln."

Vandoorne: "Natürlich nicht ganz zufrieden"

In den beiden Cockpits nahmen an allen drei Testtagen die beiden Stammfahrer Vandoorne und de Vries Platz. Alles in allem legten die beiden Fahrer 259 Runden respektive 801 km auf dem 3,094 Kilometer langen Circuit Ricardo Tormo vor den Toren Valencias zurück. "Natürlich sind wir nach dieser Testwoche nicht ganz zufrieden, aber genau dafür sind Testfahrten da", sagt Vandoorne.

"Wir konnten viele Punkte auf unserer To-do-Liste abhaken, bis zum Saisonauftakt in Saudi-Arabien gibt es jedoch noch viel zu tun. Gleichzeitig bin ich aber froh, dass wir nun endlich wieder Rennen fahren. Wir haben jetzt für eine lange Zeit getestet, und das Gefühl ist gut. Die Voraussetzungen sind vorhanden, um stark zu sein, aber dafür müssen wir alles zusammenbekommen. Das ist in der Formel E keine einfache Aufgabe. Warten wir ab, wie es weitergeht. Nach der langen Pause freue ich mich sehr darauf, wieder ins Auto zu steigen und Rennen zu fahren", so der Belgier.

De Vries: "Fehler hat praktisch einen kompletten Tag gekostet"

Teamkollege de Vries hatte es in Valencia noch deutlich schwerer als Vandoorne. Immer wieder ereilten ihn technische Probleme. Hinzu kamen folgenschwere Fahrfehler. "Hinter uns liegen einige herausfordernde Tage mit unerwarteten Problemen, die wir jedoch rasch beheben konnten", erklärt er. "Leider habe ich dann einen Fehler in der Schikane gemacht und dadurch viel Zeit auf der Strecke verloren. Zusammen mit einigen anderen Schwierigkeiten hat mich das praktisch einen kompletten Tag gekostet."

"Deshalb war es sehr wichtig, hier einen sauberen Tag zu haben, an dem ich viele Runden zurücklegen und Erfahrung sammeln konnte", blickt de Vries auf den Freitag zurück. "Der Vormittag war in dieser Hinsicht sehr positiv, und auch der Nachmittag war mit Blick auf die Rennsimulation sehr interessant. Es war schade, dass es am Ende so viele Unterbrechungen gegeben hat, aber das gehört im Rennsport dazu."

Für Teamchef James ist es wichtig, dass die beiden Fahrer einen wichtigen Teil des Entwicklungsteams darstellen. "Das Gute an Stoffel und Nyck ist, dass sie ein sehr direktes Feedback geben. Wir können die nötige Performance nur aufbauen, wenn wir von ihnen die Anstöße dazu erhalten. Sie sind sehr offen darin, uns zu sagen, was gut und was nicht so gut läuft. Trotz der großen Herausforderung und der vielen Aufgaben, die es bis zum Saisonstart noch zu bewältigen gilt, ist die Stimmung innerhalb unserer Mannschaft phänomenal. Ich bin stolz darauf, wie sich das Team verhält."

Nach dem offiziellen Test in Valencia ging es für das Mercedes-Team zurück in die Fabrik, um sich auf das Renndebüt der Silberpfeile am 22. und 23. November in Diriyya vorzubereiten.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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Kommentar von Beobachter |

Was hat dann HWA das letzte Jahr gemacht ? Da sollte eigentlich nichts unerwartetes passieren in den Abläufen.

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