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Mercedes-Pilot Nyck de Vries: "Formel E ist für mich der Weg in die Zukunft"

Nyck de Vries gab in der vergangenen Saison 2019/20 sein Debüt in der Formel E und beendete das Jahr als bester Rookie auf Platz 11. Beim Saisonfinale in Berlin erzielte der Mercedes-Pilot als Zweiter seinen ersten Podestplatz und komplettierte den ersten Doppelsieg des Teams in der Serie. Vor seinem zweiten Formel-E-Jahr spricht de Vries im Interview über seine schwierige Anfangsphase in der Elektroserie, Druck und Verbesserungspotenziale.

Nyck, deine Debütsaison verlief durchaus erfolgreich. Fühlst du dich in der Serie und im Team schon zu Hause?

Am Anfang unserer Debütsaison musste sich das Team erst noch ein bisschen finden und einspielen. Das galt auch für mich, weil ich mich zu Beginn noch in meiner Formel-2-Saison befand, parallel aber schon die Vorbereitungen auf die Formel E liefen. Ich musste alles zur gleichen Zeit machen und bin einfach mitgeschwommen. Dabei habe ich mich wahrscheinlich noch nicht ganz so Zuhause gefühlt, wie es jetzt der Fall ist.

Dann ging es jedoch stetig bergauf...

Das braucht immer etwas Zeit. Man kann das nicht erzwingen, stattdessen hat sich im Laufe der Saison eine starke Arbeitsbeziehung entwickelt, und wir sind immer mehr zusammengewachsen. In der jeweiligen Situation bemerkt man es nicht, aber rückblickend erkenne ich, dass es einen klaren Unterschied gibt, wie ich mich am Anfang und jetzt in diesem Umfeld und im Team gefühlt habe. Ich bin mit meiner Position im Team und allen Beteiligten sehr zufrieden.

Wie schwierig war es für dich, Aspekte wie das Energie-Management und die strategischen Elemente der Formel E zu lernen?

Obwohl ich nicht so viel Zeit hatte, versucht man während der Testfahrten vor Saisonbeginn, sich auf alles vorzubereiten, was einen möglicherweise an den Rennwochenenden oder im Laufe der Saison erwarten könnte. Aber tatsächlich ist es so, dass nichts davon genauso ist wie in einem richtigen Rennen. An einem Testtag bist du allein auf der Strecke und spulst deine Runden ab. Es ist quasi ein perfektes Rennen, aber in einem echten Rennen kämpfst du ständig gegen andere Fahrer und musst andauernd Entscheidungen treffen, zum Beispiel ob du jetzt Energie verbrauchen solltest, ob du angreifen, verteidigen oder erst einmal die Position halten und abwarten solltest, wie sich das Rennen entwickelt. Es ist sehr schwierig und eine große Herausforderung, diese Balance perfekt zu treffen.

Schließlich musst du auch nicht nur auf dich allein achten, oder?

Man hat es auch mit Gegnern zu tun, deren Strategie man nicht kennt. Das ist sehr schwierig. Allgemein ist das Format in der Formel E eine riesige Herausforderung. Alles findet an einem Tag statt, man hat nur sehr wenig Trainingszeit – alles ist anders und fordernd. Aber letztlich ist es Racing. Es ist ein Rennauto, und ich würde sagen, dass ich mich gut angepasst habe. Natürlich muss ich noch viel lernen, aber wir befinden uns auf dem richtigen Weg.

Wie groß ist der Druck in der Formel E?

Es wird erwartet, dass man direkt Leistung bringt, aber gleichzeitig muss man sich erst eingewöhnen. In der Meisterschaft war am Anfang alles neu und anders. Ich bin zufrieden damit, wie schnell wir uns angepasst haben – als Team, aber auch ich persönlich. Die Formel E ist eine sehr interessante und innovative Serie, die in meinen Augen schon zu den größten gehört. Sie ist für mich der Weg in die Zukunft, und ich bin super happy, dass ich dabei sein kann.

In welchen Bereichen möchtest du dich in Saison 7 verbessern?

Es gibt nie nur einen Schlüssel zum Erfolg. Es sind immer viele verschiedene Aspekte, die zu einem Ergebnis führen. Ich denke, das Qualifying ist sehr wichtig, und ich würde mich gerne in der Super-Pole ein bisschen steigern. Wenn wir dann in den Rennen etwas weiter vorne starten, haben wir gute Chancen und ein starkes Paket, um ein gutes Ergebnis einzufahren. Aber wenn wir manchmal von etwas weiter hinten gestartet sind, fiel es uns im Rennen schwieriger. Unter diesen Bedingungen möchte ich mich ebenfalls verbessern, gerade mit Blick auf den cleveren Umgang mit der Energie und beim Überholen.

Worauf freust du dich in Saison 7 am meisten?

Ich freue mich vor allem darauf, wieder auf typischen Formel-E-Strecken zu fahren. Hoffentlich sind auch der Rennkalender und das Umfeld wieder ein bisschen normaler als zum Ende der vergangenen Saison. Die Formel E hat beim Finale in Berlin fantastische Arbeit geleistet, um eine sichere Austragung für alle Beteiligten auf die Beine zu stellen, aber wir sind dort viele Rennen am gleichen Ort gefahren. Tatsächlich bin ich erst auf einem Drittel der Strecken gefahren, die normalerweise im Kalender gestanden hätten, und ich bin neugierig darauf, die anderen Strecken und Austragungsorte zu entdecken, welche die Formel E noch zu bieten hat.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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