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Mitch Evans: Nicht in die F1 zu kommen, "wird mich für den Rest meines Lebens verfolgen"

Mitch Evans zählt nach dreieinhalb Saisons zu den Topfahrern der Formel E. Mit Jaguar Racing ist er inzwischen in der Position, um Siege und womöglich sogar die Meisterschaft zu kämpfen. Der Neuseeländer durchlebte jedoch auch tiefe Täler. Vor allem die Tatsache, die Formel 1 nicht erreicht zu haben, knabbert noch heute an ihm.

"Ich war so sehr auf die Formel 1 konzentriert", erinnert sich Evans gegenüber 'BBC Sport'. "Ich habe viele, viele Jahre lang darauf hingearbeitet und einen weiten Weg aus Neuseeland hinter mir. Es letztlich nicht zu schaffen, war für mich extrem schwierig zu akzeptieren. Wahrscheinlich wird mich das für den Rest meines Lebens verfolgen."

Evans ist sich sicher, dass er das Zeug für die weltweit führende Rennserie gehabt hätte - und auch immer noch hätte. "Die Formel 1 ist schon brutal", erklärt er, "aber ich habe viele der Fahrer dort geschlagen. Ich weiß, dass ich mehr als in der Lage wäre, dort mitzuhalten, aber es ist so politisch, dass es nur auf das richtige Timing ankommt."

Über einige Jahre hinweg war Evans durchaus auf einem guten Weg. In den Jahren 2010 und 2011 sicherte er sich jeweils die Meisterschaft in der neuseeländischen Toyota Racing Series. Manager Mark Webber verhalf seinem Schützling zum Sprung nach Europa und ließ ihn in der GP3 antreten. Nach Rang 9 in seinem Debütjahr gewann Evans 2012 mit zwei Punkten Vorsprung vor Daniel Abt den GP3-Titel und machte auch international auf sich aufmerksam.

Es folgten vier Jahre in der GP2 (heute: Formel 2), in denen er um den Aufstieg in die "Königsklasse" kämpfte. Es sollte jedoch nicht für den ganz großen Sprung reichen - sein bestes Gesamtergebnis blieb Platz 4 in der Saison 2014. "Es war echt hart. Ich habe so hart dafür gearbeitet und war so nah dran", blickt Evans wehmütig zurück. "Aber die Formel E hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Fahrt aufgenommen, und Jaguar hat mir eine Rettungsleine zugeworfen."

"Stehe nun an einem sehr guten Punkt in meinem Leben"

So stieg Evans 2016 schließlich gemeinsam mit dem neuen Jaguar-Team zur dritten Saison in die Formel E ein, wo er bis heute überzeugend fährt. Zwei Siege hat der "Kiwi" bislang auf seinem Konto: 2019 in Rom und vor anderthalb Monaten in Mexiko. Inzwischen schmerze das verpasste Ziel Formel 1 deshalb nicht mehr so wie noch vor ein paar Jahren: "Ich stehe nun an einem sehr guten Punkt in meinem Leben", sagt der 25-Jährige.

Beim Mexico City E-Prix 2020 gewann Mitch Evans sein zweites Formel-E-Rennen.

Das Gefühl, in der Formel E zu gewinnen, sei schwer zu beschreiben, meint Evans. "Denn es ist so ein unglaublich überwältigendes, erfüllendes Gefühl. Es macht dich noch hungriger, und du willst dieses Gefühl aufrechterhalten und den Sieg wiederholen." Gerade weil die Formel E so stressig, kompetitiv und unvorhersehbar sei.

Evans' Ziele in der Formel E - seiner neuen Motorsport-Heimat - sind deshalb klar: "Ich bin extrem wettbewerbsfähig und möchte für das Team gewinnen, das mir diese Gelegenheit gegeben hat - das ist das schönste Gefühl. Der nächste Schritt wäre nun der Gewinn der Meisterschaft."

Derzeit rangiert Evans auf Gesamtrang 2 in der Fahrermeisterschaft und hat erstmals auch ein Auto, mit dem er regelmäßig um den Sieg kämpfen kann. Die nächste Chance, seinen 11-Punkte-Rückstand auf den Gesamtführenden Antonio Felix da Costa zu reduzieren, bekommt er nach aktuellem Stand am 21. Juni in Berlin. Sollte er am Saisonende tatsächlich den Titel holen - womöglich würde ihn die Krone des elektrischen Rennsports sein Formel-1-Trauma vergessen lassen.

Fotos: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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