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Nach E-Sports-Eklat: Audi suspendiert Formel-E-Fahrer Daniel Abt

Das deutsche Formel-E-Team Audi Sport ABT Schaeffler hat seinen Stammfahrer Daniel Abt mit sofortiger Wirkung suspendiert. Das gab der Hersteller aus Ingolstadt am Dienstagmittag in einer Erklärung bekannt. Abt, der seit Saison 1 (2014) jedes einzelne Rennen der Elektroserie bestritten hat, wird damit aller Voraussicht nach nie wieder für Audi fahren.

"Daniel Abt hat beim fünften Rennen der Race at Home Challenge am 23. Mai sein Fahrzeug in Qualifikation und Rennen nicht selbst gesteuert, sondern dies einem professionellen Simracer überlassen. Hierfür hat er sich direkt am folgenden Tag entschuldigt und die Disqualifikation akzeptiert. Integrität, Transparenz und die konsequente Einhaltung geltender Regeln haben für Audi oberste Priorität – dies gilt ausnahmslos für alle Aktivitäten, an denen die Marke beteiligt ist", stellt Audi zunächst klar.

"Aus diesem Grund hat Audi Sport entschieden, Daniel Abt mit sofortiger Wirkung zu suspendieren", führt Audi das Statement zu Ende. Abt soll am Dienstagmorgen von der Entscheidung seines Arbeitgebers erfahren haben. Sofern die aktuelle Formel-E-Saison im August noch fortgesetzt werden kann, wird er demnach höchstwahrscheinlich nicht mehr ins Auto zurückkehren.

Schwindel beim virtuellen Heimrennen vorab geplant

Abt hatte das virtuelle Rennen in Berlin-Tempelhof am vergangenen Wochenende nicht selbst bestritten, sondern den Simracer Lorenz Hörzing sein Fahrzeug steuern lassen. Zur Vertuschung deaktivierte der 27-Jährige bei einem Interview beispielsweise seine Videokamera und verbarg "sein" Gesicht während des Rennens hinter einem extra aufgestellten Mikrofon-Arm. Schon kurz nach dem Rennen vermuteten einige Formel-E-Rivalen, dass Abt nicht selbst gefahren sei - zumal er erstmals mit der Spitze mithalten konnte.

Am Sonntag bestätigte die Formel E den Betrug in einer Presseerklärung und schloss Abt nachträglich von der Wertung aus. Abt verlor dadurch "seinen" dritten Platz und die damit verbundenen 15 Punkte. Zudem verpflichtete ihn die Rennserie zu einer "freiwilligen" Spende in Höhe von 10.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl.

Nach Bekanntwerden des Sachverhalts äußerte sich auch Abt öffentlich: "Ich möchte mich bei der Formel E, allen Fans, meinem Team und Fahrerkollegen dafür entschuldigen, dass ich während des Rennens am Samstag externe Hilfe in Anspruch genommen habe. Ich habe es nicht so ernst genommen, wie ich es hätte tun sollen", erklärte er noch am Sonntag.

"Das tut mir besonders leid, weil ich weiß, wie viel Arbeit die Formel-E-Organisation in dieses Projekt gesteckt hat", so der Kemptener weiter. "Ich bin mir bewusst, dass der Vorfall einen bitteren Nachgeschmack hat, aber es war nie mit einer schlechten Absicht gemeint. Natürlich akzeptiere ich die Disqualifikation vom Rennen. Außerdem werde ich 10.000 Euro für ein gemeinnütziges Projekt spenden."

Schwere des Vergehens kontrovers diskutiert

In der Community gehen die Meinungen über die Schwere des Vergehens auseinander. Viele Fans und Medienkollegen argumentieren mit der Irreführung von Fans und Sponsoren. Andere hingegen finden, es sei ja nur ein Scherz in einer virtuellen Rennliga gewesen, "die ohnehin niemand ernst nimmt". Auch einige Fahrerkollegen wie etwa Antonio Felix da Costa, Meister Jean-Eric Vergne (beide DS Techeetah) oder Jaguar-Pilot James Calado teilten diese Meinung öffentlich via Twitter. Dass Audi den von vielen betitelten Skandal nicht würde hinnehmen können, war allerdings abzusehen.

Daniel Abts Formel-E-Karriere - zumindest in Diensten von Audi - dürfte damit ein jähes Ende genommen haben. Ohnehin war fraglich, ob Abt auch im siebten Formel-E-Jahr für das Team ABT/Audi antreten würde, denn mit sportlichen Erfolgen konnte Abt seit einiger Zeit nicht mehr glänzen - sein letztes Podium holte er vor mehr als einem Jahr beim Regenrennen von Paris. Abts 1-Jahres-Vertrag läuft zudem nur noch bis zum Saisonende, wie er uns gegenüber kürzlich bestätigte.

Hinzu kam der DTM-Ausstieg Audis, durch den zahlreiche hochtalentierte Audi-Werksfahrer Ende 2020 ohne Job dastehen werden. "Da gibt es viele Fahrer, die meinen Platz haben wollen", räumte Abt vor zwei Wochen in der 150. Episode des e-Formel.de Podcasts "ePod" ein.

Abt unter den Top-5-Punktesammlern der Formel-E-Geschichte

Auch wenn es zuletzt nicht rund lief, zählt Abt zu den erfolgreichsten Fahrern der bisherigen Formel-E-Geschichte. Als einer von nur vier Piloten nahm er an allen 63 Rennen seit dem Seriendebüt im September 2014 teil. Dabei holte Abt 390 Punkte - nur vier andere Fahrer ergatterten mehr Zähler. Der Deutsche sicherte sich zwei Rennsiege im Jahr 2018, zehn Podien, zwei Pole-Positions und zehn schnellste Runden - in dieser Disziplin hält Abt bis heute den Rekord. Nichtsdestotrotz konnte er seinem Teamkollegen Lucas di Grassi nur selten "das Wasser reichen".

Sollte die laufende sechste Saison noch einmal fortgesetzt werden (frühstens ab Ende Juli), wird Audi aller Voraussicht nach einen anderen Fahrer an die Seite von di Grassi setzen. Wer das sein könnte, ist noch nicht abzusehen - gleiches gilt für das nächste Rennen der Race at Home Challenge am Samstag. Beim Rookie-Test in Marrakesch am 1. März setzten die Bayern auf Kelvin van der Linde und Mattia Drudi. Womöglich bekommt einer der beiden seine Chance, bevor es an die Vertragsverhandlungen für Saison 7 geht. Das erste offizielle WM-Jahr der Formel E soll im Dezember dieses Jahres starten.

Wie Daniel Abt am Nachmittag ankündigte, will er selbst im Laufe des Nachmittags in einem Video-Statement Stellung nehmen.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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Kommentar von TeaD3mon |

Erst tritt Audi den deutschen Motorsport mit Füßen und verlässt ohne Vorwarnung die DTM, anstatt einen geregelten Austritt anzukündigen wie es unter anderem Mercedes zuvor getan hatte.
Nun trennt Audi sich wegen einem virtuellen Spiel von einem deutschen Fahrer, der seit Anbeginn der Formel E dabei ist? Zu recht fragen sich hier viele, ob Audi diesen Vorwand nur nutzt, um zukünftig die freien DTM Piloten unterzubringen. Denn mit Transparanz kann dies wohl wirklich nichts zu tun haben, zumindest nicht bei einem Hersteller, der im Diesel Skandal die Kunden derart über das Ohr gehauen hat.
Was Audi derzeit unternimmt ist meiner Meinung nach einfach nur traurig und trübt das einst so tolle Image, das Audi sich durch viele tolle Jahre in der Rallye oder in der WEC aufgebaut hat. Leider will sich das neue Management wohl so schnell wie möglich von diesem Image befreien.

Kommentar von Derbe_klopp_te |

Es wird Zeit das Lucas DiGrassi einen starken Piloten an seine Seite bekommt.
Der Fahrer war 6 Jahre Teil der FE, nur weil er zur Familie des Konstrukteurs gehörte.
Fahrerisch war seine Leistung mit ein paar ausnahmen mit dem über weite strecken besten oder zumindest zweitbestem Auto einfach nur Mau.
Tatsächlich hätte ich gedacht, dass er in diesem Renn-Simulationen besser abschneidet, wo doch Youtuber und Influencer praktisch sein Hauptberuf ist.
Er hätte nur beide Haupttätigkeiten mit ein bisschen Übung vereinen müssen und hätte daraus am meisten Kapital schlagen können. Stattdessen begeht er einen so dummen Betrug und fliegt raus.

Eines will ich nochmal klarstellen, ich finde es auch nicht ok, wenn man jemanden wegen eines fehlverhaltens in einem Rennspiel im realen Leben so krasse Konsequenzen zieht, aber seine Leistungen im realen Leben haben auch schon zu Bedenken gegeben.

Kommentar von Gerbra |

„Integrität, Transparenz und die konsequente Einhaltung geltender Regeln haben für Audi oberste Priorität“ - hört, hört, die Einhaltung dieser Grundsätze hätte ich mir auch i

Kommentar von Gerbra |

„Integrität, Transparenz und die konsequente Einhaltung geltender Regeln haben für Audi oberste Priorität“. Hört, hört - die Einhaltung dieser Grundsätze hätte ich mir im Umgang mit Betroffenen des Dieselskandals gewünscht.

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