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Nach Wechsel zum Formel-E-Schlusslicht Nio: Abt will "einen guten Saisonabschluss haben"

Nur wenige Wochen nach seiner Entlassung bei Audi ist Daniel Abt zurück in der Formel E - und das zur Freude seiner Fans pünktlich zum Saisonfinale in Berlin. Für den chinesischen Rennstall Nio 333 wird der Kemptener die letzten Rennen der Saison bestreiten und dabei den in der Elektroserie bislang erfolglosen Ma Qing Hua ersetzen.

Nach der Bekanntgabe seines Comebacks zeigt sich Abt optimistisch und voller Tatendrang. Von der Niedergeschlagenheit nach seiner vorübergehenden Karriere-Pause gibt es inzwischen keine Spur mehr: "Ich bin davon überzeugt, dass meine Social-Media-Präsenz mir in dieser Situation sehr geholfen hat", so Abt in einem Interview mit dem 'Alt-Drive Magazine'. "Vor allem, dass ich die Reichweite und den YouTube-Kanal hatte, um ein Statement zu veröffentlichen, das von den Menschen tatsächlich gesehen wird."

Er fährt fort: "Ich war in der Lage, meine Geschichte zu erzählen. Mich zu entschuldigen, einfach eine Botschaft an die Leute zu senden, die mir folgen. Fast eine Million Menschen haben das Video gesehen. Ich konnte spüren, dass das eine enorme Wirkung hatte und die Wahrnehmung verändert hat. Und es hat auch eine Menge Unterstützung geschaffen."

Tatsächlich - das konnten auch wir an den Kommentaren zu unseren Artikeln in den sozialen Medien ausmachen - waren die Reaktionen nach der Trennung überwiegend pro Abt. Auch seiner Follower-Zahl hat der Skandal nicht geschadet. Im Gegenteil: Die Anzahl der Abonnenten seines YouTube-Channels stieg seitdem von 350.000 auf mittlerweile 385.000.

Unterstützung der Fans "einfach toll"

"Ich habe wirklich viel Unterstützung durch meine Fans erhalten, was einfach toll ist. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man einen Fehler gemacht hat. Aber ich glaube, es zeigt einfach, dass ich mit den Leuten, die mir folgen, eine fantastische Community habe. Das ist großartig, und ich bin sehr dankbar dafür. Mir hat das sehr geholfen, um mit der Situation klarzukommen", gibt Abt viel Lob an seine Fans zurück.

"Um ehrlich zu sein, habe ich persönlich eine Menge gelernt", sieht er auch für sich selbst Positives in den vergangenen Wochen. Vor allem, weil es ihm gezeigt habe, wie er sein persönliches Umfeld einschätzen kann. "Ich glaube, in solchen Zeiten merkt man, wer wirklich hinter einem steht, wer einen unterstützt, wem man vertrauen kann und wem nicht. Wenn alles gut ist, unterstützt einen jeder, und alle sind nett. Aber gerade in den schweren Zeiten lernt man seine Freunde und die wichtigen Menschen um einen herum wirklich kennen. Ich denke, wann immer man etwas tut, man einen Fehler macht oder sich etwas in seinem Leben ändert, wächst man daran. Man lernt und wird es besser machen."

Heimrennen ohne Zuschauer

Auch wenn Abt für ein anderes Team starten wird, freut er sich auf die Rückkehr nach Berlin, wo er seinen bislang größten Triumph in der Elektrorennserie feiern konnte. "Tempelhof ist für mich ein ganz besonderer Ort. Ich hatte dort den tollsten Tag in meiner Motorsportkarriere", schwärmt Abt vom ehemaligen Flughafen, auf dem die Formel-E-Saison mit drei "Double-Headern" zu Ende gehen wird. "Ich habe mein Heimrennen gewonnen, hatte die Pole-Position, die schnellste Runde und führte jede Runde des Rennens an. Es war einfach unglaublich. Ich liebe es, dort zu sein."

Mit der Tatsache, dass er sein Heimrennen ohne Zuschauer vor Ort bestreiten wird, kann Abt sich nicht wirklich anfreunden: "Natürlich werden wir in diesem Jahr die Fans sehr vermissen", spielt er auf den sicherlich auch im Cockpit seh- und hörbaren Verzicht auf Zuschauertribünen an.

Formel-E-Zukunft nicht länger abhängig von Audi

Mit welcher Zielsetzung er nach Berlin reist? "Mein Ziel ist es, einen guten Saisonabschluss zu haben. Es ist eine Herausforderung und eine große Aufgabe für alle Beteiligten, aber ich denke, es ist auch eine große Chance. Wir haben nichts zu verlieren. Wir werden uns einfach zusammenraufen und versuchen, endlich ein paar Punkte für das Team zu holen und unser Bestes zu geben."

In seinem Twitch-Stream bestätigte Abt zwar, nur einen Vertrag für die restlichen Rennen der aktuellen Saison unterschrieben zu haben. Das "Sixpack von Berlin" soll aber nicht das Ende seiner Formel-E-Karriere sein - anders als im vergangenen Jahr angedeutet, sollte er keinen neuen Audi-Vertrag erhalten.

"Natürlich strebe ich einen Platz in Saison 7 an. Ich war von Anfang an in der Formel E dabei. Ich liebe die Serie. Ich sehe keine andere Serie, die ich der Formel E vorziehen würde. Natürlich wäre ich gerne wieder dabei, aber im Moment konzentriere ich mich nur darauf, Saison 6 zu beenden und den bestmöglichen Job zu machen. Dann werden wir sehen, was die Zukunft bringt."

Wirkt sich der Wechsel vom Audi-Werksteam zu Schlusslicht Nio auch finanziell nachteilig für Abt aus? Immerhin haben auch Abts Sponsoren die Aufregung um den Skandal bei der Race-at-Home-Challenge mitbekommen und teilweise Konsequenzen gezogen. "Die meisten Sponsoren bleiben, ein, zwei bleiben nicht", bestätigte Abt in seinem Twitch-Stream.

Race-at-Home-Kontroverse bei Nio kein Thema, neues Helmdesign für Berlin

Für sein neues Team spiele der Skandal jedoch überhaupt keine Rolle: "Da ging es keine Sekunde um dieses Thema. Die wollten nur wissen: Hast du Bock, bist du frei, willst du fahren?" Seinen Fans, die hoffen, er könne an seine Leistung vom Berlin E-Prix 2018 anknüpfen, nimmt Abt jedoch schnell den Wind aus den Segeln: "Eines muss uns allen klar sein: Nio hat noch keine Punkte in der Formel E. Es wird nicht so sein, dass ich da jetzt ankomme, und das Auto fliegt", so Abt.

Die Unvorhersehbarkeit, die die Formel E seit Jahren prägt, will er an dieser Stelle jedoch auch nicht ignorieren: "Es kann alles passieren. Es sind sechs Rennen, es kann auch mal regnen - keiner weiß es. Wenn es dann so sein sollte, dass wir vielleicht nicht konkurrenzfähig sind, dann ist es halt so. Aber wir haben es probiert."

Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu seinen sechs Jahren bei ABT und Audi wird Abts Helmdesign sein, das nun ohne die vier Ringe auskommen muss. "Ja, ich habe einen neuen Helm bestellt. Der Helm wird komplett anders sein als alle, die ich bisher hatte. Hinten drauf steht fett 'Danke, Fans'. Das ist einfach ein Dankeschön an jeden, der mich unterstützt hat."

"Für 13 Tage im Hotel und an der Rennstrecke gefangen"

Auch gibt Abt einen Ausblick auf seinen Zeitplan in den kommenden Wochen. "Ich werde Mitte Juli nach England fliegen, einige Tage mit dem Team verbringen und in den Simulator gehen", erläutert er. Nio hat als eines von wenigen Teams der Formel E seinen Sitz immer noch im britischen Donington, wo in der Anfangszeit der Serie alle Teams ihre Basis hatten. Die meisten räumten das Gelände jedoch 2017, was es Nio ermöglichte, weitere Räumlichkeiten anzumieten. Dazu gibt es ein weiteres Firmengebäude in Oxford, wo die Entwicklung stattfindet.

Geplant ist, dass Abt bei einem Test auf dem Rollfeld eines britischen Flughafens erstmals in den Boliden steigen wird. Viel Zeit bleibt ihm jedoch nicht, bevor er nach Deutschland zurückkehren muss. "Man muss ab dem 1. August in Berlin sein", erläutert Abt das Prozedere vor der Fortsetzung der Saison. "Man wird dann auf Corona getestet und darf sich immer nur vom Hotel zur Rennstrecke bewegen. Ich bin quasi für 13 Tage im Hotel und an der Rennstrecke gefangen", beschreibt Abt die strengen Richtlinien zum Schutz vor Corona-Infektionen der Rennserie aus Fahrersicht.

Titelfoto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

VIDEO: Daniel Abt kommentiert sein Formel-E-Comeback mit Nio

von Tobias Wirtz  

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