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Neue Fahrer, neues Glück? - GEOX Dragon

Der zwölfte und damit finale Teil unserer großen Teamvorstellungsrunde auf e-Formel.de dreht sich um den Rennstall mit Sitz in der Weltstadt Los Angeles, der mit zwei Formel-E-erfahrenen Neulingen antreten wird: GEOX Dragon.

Dragon startet bereits seit der ersten Saison in der Formel E. Konnten die US-Amerikaner das Debütjahr noch auf dem zweiten Platz der Teamwertung abschließen, ging es 2015/16 zunächst auf Platz 4 zurück. Danach erfolgten weitere Abstürze auf Platz 8, Platz 9 und schlussendlich gar auf Platz 10 in der Saison 2018/19. In der dritten Formel-E-Saison kooperierte die Truppe dabei mit dem Elektroauto-Start-up Faraday Future. Infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Faraday Future wurde diese Zusammenarbeit jedoch bereits nach einem Jahr wieder beendet. Danach war eine technische Kooperation mit Porsche im Gespräch. Die Porsche-Ingenieure und Werkspilot Neel Jani verließen das Team jedoch schnell wieder.

Teamchef ist Jay Penske. Der in New York geborene US-Amerikaner ist der jüngste Sohn der Rennsportlegende Roger Penske, der kürzlich für Schlagzeilen sorgte, weil er sowohl die IndyCar-Serie als auch den Indianapolis Motor Speedway, die berühmteste Rennstrecke der USA, gekauft hatte. Jay Penskes war bereits während seiner Schulzeit ein erfolgreicher Sportler: USA Today wählte ihn zum "Player of the Year" im Lacrosse, zudem hält er noch heute den High-School-Rekord für die meisten erzielten Punkte in einer Saison in dieser Sportart.

Penske gründete nach seinem Abschluss die Penske Media Corporation, ein Medienunternehmen, das sich zunächst auf den Online-Bereich konzentrierte und heute zahlreiche Marken besitzt. Er ist Vorsitzender und CEO des mehrere hundert Millionen US-Dollar schweren Unternehmens, das auch im Printsegment zahlreiche Marken übernommen hat, unter anderem das bekannte Rolling Stone Magazine. Penske wurde vom Magazin Vanity Fair im Jahr 2010 unter den zehn bestgekleideten Männern der Welt geführt. Seit 2007 besitzt er sein eigenes Rennteam, das bis 2013 mit wechselnden Anteilseignern und unterschiedlichen Teamnamen in der IndyCar-Serie antrat.

GEOX Dragon setzt in der sechsten Formel-E-Saison den selbstentwickelten Penske EV-4 ein. Bei den Testfahrten in Valencia war das Team noch mit einer provisorischen Testlackierung komplett in Carbon-Optik unterwegs. Die erst vor wenigen Tagen in Venedig präsentierte Lackierung (zur Galerie) kombiniert Weiß mit Schwarz, zusätzlich gibt es rote Akzente. Es werben unter anderem Titelsponsor GEOX, ein italienischer Schuhhersteller, sowie die ARGO Group, ein internationaler Anbieter von Spezial- und Rückversicherungen mit Sitz in Bermuda, mit ihren Logos auf dem Wagen.

Fotos: GEOX Dragon

Auf Fahrerseite setzen die US-Amerikaner die beiden Formel-E-Debütanten Nico Müller und Brendon Hartley ein. Beide bringen jedoch Erfahrung als Testfahrer in der Elektrorennserie mit: Müller war zuvor Test- und Ersatzfahrer bei Audi, Hartley Entwicklungsfahrer bei Porsche.

Brendon Hartley (#6, Neuseeland)

Hartley begann seine Karriere im Kartsport und gewann hier mehrere Meistertitel in Neuseeland, darunter die Gold Star Series. 2002 machte er seine ersten Schritte im Formelsport, wo er in der Saison 2003/04 Vizemeister der Neuseeländischen Formel Ford wurde. Er durchlief mehrere Nachwuchsserien und kam so 2006 nach Europa, wo er von Red Bull in den Nachwuchsförderkader aufgenommen wurde. Ein Jahr später wurde Hartley Meister im Formel Renault 2.0 Eurocup.

Es folgte der Aufstieg in die Formel 3, wo er 2008 sowohl in der britischen Meisterschaft als auch beim Macau Grand Prix Dritter wurde. Außerdem wurde Hartley Testfahrer beim Formel-1-Team von Toro Rosso. In den folgenden Jahren bestritt er mehrere Saisons in der Formel Renault 3.5 und in der GP2-Serie, feierte aber keine größeren Erfolge mehr. Red Bull beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Hartley, der sich in der Folge neben den Formel-Rennserien zunehmend auf Langstreckenrennen konzentrierte. Hier bestritt er die European Le Mans Series (ELMS) in der LMP2-Kategorie, außerdem wurde er Testfahrer für das Formel-1-Team von Mercedes.

2014 verpflichtete Porsche Hartley für sein neues LMP1-Projekt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). 2015 gewann der "Kiwi" gemeinsam mit Mark Webber und Timo Bernhard den WM-Titel. 2017 wiederholte er das Ergebnis gemeinsam mit Bernhard und Earl Bamber. Das Trio gewann in diesem Jahr außerdem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Am Ende des Jahres kehrte er in den Fahrerkader von Red Bull zurück und bestritt 25 Grands Prix für Toro Rosso.

Nach der Saison 2018 erhielt er hier jedoch keinen neuen Vertrag mehr und ging zurück zu Porsche, wo er Entwicklungsfahrer für das neue Formel-E-Projekt wurde. Außerdem verpflichtete Toyota ihn als Ersatz für Fernando Alonso bei seinem LMP1-Projekt in der WEC. Nach drei Rennen in der Saison 2019/20 belegt er hier aktuell den ersten Platz, gemeinsam mit seinen Teamkollegen Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima.

Nico Müller (#7, Schweiz)

Auch Nico Müller begann seine Karriere im Kartsport, wo er 2007 Schweizer Meister in der KF3-Klasse wurde. 2008 folgte der Wechsel in den Formelsport zu Jenzer Motorsport, wo er bereits ein Jahr später Meister der Schweizer Formel Renault 2.0 wurde. Er blieb bei Jenzer Motorsport und stieg in die GP3-Serie auf und wurde auf Anhieb Dritter der Meisterschaft. In der folgenden Saison 2011 wurde er Gesamtvierter.

Müller wechselte in die internationale Formel Renault 3.5, wo er 2013 Platz 5 in der Meisterschaft belegte. Für das folgende Jahr wurde er von Audi als Werksfahrer für die DTM unter Vertrag genommen. Außerdem bestritt er einzelne GT-Einsätze für die Ingolstädter. Nach zwei durchwachsenen Jahren gewann er 2016 auf dem Norisring sein erstes DTM-Rennen und beendete die Saison auf dem neunten Platz. Es folgten zwei weitere sieglose Jahre, bevor Müller 2019 mit Rene Rast um die DTM-Meisterschaft kämpfte. Er erzielte elf Podiumsplatzierungen und wurde am Saisonende Vizemeister.

Neben seiner DTM-Karriere arbeitete Müller in der Formel E als Test- und Ersatzfahrer für Audi Sport ABT Schaeffler und bestritt für die Ingolstädter die Rookie-Testfahrten in Marrakesch 2018 und 2019. Außerdem kam er bei den In-Season-Tests in Diriyya 2018 zum Einsatz, wo Audi als eines von nur zwei Teams kein weiteres Auto mit einer Frau am Steuer einsetzte. Bei sämtlichen Tests konnte Müller durch gute Rundenzeiten überzeugen, in Marrakesch erzielte er dabei in vier Sessions drei Bestzeiten. Vor der Saison 2019/20 nahm ihn Dragon unter Vertrag. Audi gab "grünes Licht", Priorität hat für Müller vertraglich festgehalten aber weiterhin die DTM.

von Tobias Wirtz 

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