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Nick Cassidy mit "echtem Interesse" an Formel E - und Außenseiterchancen bei Audi oder Virgin

Nick Cassidy ist nicht nur in Japan schnell. Nach seinem Meistertitelgewinn in der Super Formula 2019 setzte der Neuseeländer beim Rookie-Test in Marrakesch einen neuen Streckenrekord und empfahl sich im Umfeld der Formel E für höhere Aufgaben. Die Elektroserie ist für Cassidy ein erklärtes Zukunftsziel - vielleicht kommt die Chance ja sogar früher als erhofft.

Wie schnell Cassidy am 1. März in Marrakesch war, belegt ein Blick auf die Zeitentabellen: Der 25-Jährige aus Auckland distanzierte den zweiplatzierten Sergio Sette Camara - und damit auch alle anderen Formel-E-Neulinge - während der sechs Teststunden um gut eine halbe Sekunde! Seine Rundenzeit (1:16.467) war zudem sieben Zehntelsekunden schneller als der offizielle Rundenrekord vom Vortag (1:17.158, Antonio Felix da Costa) und sogar fast eine Sekunde schneller als die Bestzeit eines anderen Piloten im Audi e-tron FE06 (1:17.360, Kelvin van der Linde).

Auch in der virtuellen Race at Home Challenge hinterließ Cassidy einen hervorragenden Eindruck. Weil Stammfahrer Sam Bird anfangs technische Probleme hatte, sprang der "Kiwi" beim Testlauf in Monaco und auch beim Saisonstart in Hongkong für Virgin ein. Nach Rang 4 im ersten Anlauf sammelte er beim Auftaktrennen 18 Punkte für Platz 2 hinter Maximilian Günther. Cassidy ist nicht nur im realen Leben schnell, sondern auch im Simulator. Beide Chancen, auf sich aufmerksam zu machen, hat er eindrucksvoll genutzt.

Sowohl sein Feedback im Simulator als auch seine Leistung beim Rookie-Test in Marrakesch seien "außergewöhnlich gut" gewesen, fand Anfang März auch Virgin-Technik-Chef Chris Gorne gegenüber den Kollegen von 'The Race'. "Er hat das Zeug dazu, in der Formel E zu fahren." Gorne brachte gemeinsam mit Team Manager Leon Price einst Robin Frijns bei Virgin unter und verschaffte auch Cassidy die Gelegenheit, beim Rookie-Test teilzunehmen. Geht womöglich noch mehr?

Audi-Entscheidung könnte Cassidy zu Virgin befördern

Nach der Entlassung von Daniel Abt sucht Audi derzeit nach einem Nachfolger für die übrigen Rennen der laufenden Meisterschaft sowie für die kommende siebte Formel-E-Saison. Die besten Chancen dürfen sich einige Werksfahrer des auslaufenden DTM-Programms errechnen. Hoch im Kurs stehen vor allem Rene Rast, Nico Müller und Robin Frijns. Dennoch bestünde theoretisch auch die Möglichkeit, dass Audi außerhalb des eigenen Teichs fischen geht. In diesem Fall wäre Cassidy durchaus eine interessante Option an der Seite des erfahrenen Lucas di Grassi.

Wahrscheinlicher wäre allerdings, dass Cassidy in Zukunft bei einem anderen Team unterkäme - etwa bei Virgin. Sollte Audi seinen Fahrer Frijns tatsächlich ins Werksteam befördern - die sportlichen Erfolge sowie seine Erfahrung in der Formel E sprächen klar für ihn -, wäre das Cockpit im Kundenteam frei. Dann hätte womöglich keiner bessere Karten als Cassidy, sofern Audi nicht einen seiner Werksfahrer beim Kundenteam platziert. Hier hätte Virgin jedoch auch ein Wörtchen mitzureden, schließlich beziehen die Briten lediglich Antriebe von Audi.

Gegen einen kurzfristigen Wechsel in die Formel E spräche, dass Cassidy im Jahr 2020 definitiv noch in Japan aktiv sein wird. Die Saison der Super Formula endet nach aktuellem Stand Mitte November. Darüber hinaus geht Cassidy in der Super GT an den Start. "Natürlich sind es mit der Super Formula und der Super GT schon 16 Rennwochenenden plus Tests. Es ist also nicht viel Zeit übrig für andere Dinge", erklärte der amtierende Super-Formula-Champion vor gut drei Monaten bei 'The Race'. "Es geht für mich eher darum, die Zukunft im Auge zu haben", schielt er in Richtung Formel E.

"Mit den Erfolgen in der letzten Zeit kommen auch neue Ambitionen hinzu"

"Ich war schon immer sehr realistisch und konnte mich ganz gut selbst reflektieren und einschätzen, wo ich stehe", sagt Cassidy. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entwicklung in den vergangenen Jahren. Ich denke, ich habe mich jedes Jahr weiter verbessert und immer einen Schritt nach vorn gemacht." Er könne sich gut vorstellen, seine Karriere in Japan fortzuführen. "Aber jetzt, mit den Erfolgen in der letzten Zeit, kommen auch neue Ambitionen hinzu. Sie eröffnen mir mehr Möglichkeiten."

Damit spricht Cassidy die gestiegene Aufmerksamkeit an, die ihm seit dem Titelgewinn im vergangenen Jahr weltweit zuteilwird. Insgeheim träumt er offensichtlich vom Karrieresprung in eine globale Rennserie. "Ich laufe mit offenen Augen durchs Leben und möchte mir alle Möglichkeiten offen halten. Deshalb habe ich ein echtes Interesse daran, eines Tages in der Formel E zu fahren", so Cassidy.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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