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Offiziell: Mercedes steigt in die Formel E ein - und verlässt die DTM

Es ist offiziell: Nach Audi und BMW steigt auch der dritte Hersteller-Gigant, Mercedes-Benz, mit eigenem Werksteam in die Formel E ein. Der Autobauer aus Stuttgart verlängert seine ursprüngliche Option auf einen zusätzlichen Teamslot in Saison fünf und kommt demnach zum Start des sechsten Meisterschaftsjahres (2019/20) in die Elektroserie. Stattdessen lässt Mercedes die DTM am Ende der Saison 2018 hinter sich - ein großer Schritt in Richtung elektrischer Zukunft, der viele freuen, aber auch viele traurig machen wird.

Wie wir bereits mehrfach berichteten, dürfte voraussichtlich die Mercedes-Rennsportschmiede HWA das Elektro-Engagement für die Schwaben übernehmen. Aktuell betreut HWA alle sechs DTM-Fahrzeuge von Mercedes - es wäre ein fließender Übergang in den elektrischen Rennsport. Hans-Werner Aufrecht, Gründer des Unternehmens HWA, sowie Geschäftsführer Ulrich Fritz hatten zuletzt den New York ePrix Mitte Juli besucht, um sich ein Bild von der Formel E zu machen. Darauf beruhte nun womöglich die Entscheidung, die zugegebenermaßen früher als erwartet kam.

Wenngleich noch nicht offiziell verkündet, wird Mercedes Ende 2019 aller Voraussicht nach mit eigenem Antriebsstrang antreten. Zwar erfolgt der Werkseinstieg ein Jahr nach BMW und sogar zwei Jahre nach Audi, doch nach wie vor wird spekuliert, ob HWA nicht möglicherweise doch schon in der fünften Saison als Kundenteam an Bord kommen könnte. Wenn dem so wäre, könnte der Rennstall womöglich Elektromotoren vom Team Venturi beziehungsweise dem gemeinsamen Technologiepartner ZF beziehen.

Realistischer scheint aber derzeit, dass sich Mercedes noch ein Jahr länger auf die Beobachtung der Formel E sowie die Entwicklung eines eigenen Antriebs konzentriert. Sollte dem so sein, wäre in Saison fünf theoretisch der Weg für zwei weitere Teams frei. Ein heißer Kandidat ist nach wie vor Nissan. Auch Porsche steht hoch im Kurs und könnte schon in Kürze eine Entscheidung verkünden. Sollten tatsächlich nicht nur einer, sondern gleich zwei neue Hersteller im Jahr 2018 kommen, wäre Mercedes ein Jahr später bereits das 13. Team in der Formel E. Eigentlich hatte Serienchef Alejandro Agag stets betont, zwölf Teams seien das Maximum. Warten wir mal ab, wie sich die Situation entwickelt.

Gleichzeitig zur Entscheidung pro Formel E hat sich Mercedes zum Engagement in der Formel 1 bekannt. Mit dieser neuen Aufstellung wird die Marke mit dem Stern in hochklassigen Rennserien an beiden Enden des Spektrums antreten. Auf der einen Seite die Formel 1 als "Königsklasse" des Motorsports, auf der anderen Seite die Formel E, die den Wandel der Automobilindustrie verkörpert.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sieht die Formel E als eine vollkommen neue Rennserie, die die schnellen Veränderungen in der Automobilindustrie widerspiegelt: "Wie in jedem anderen Bereich wollen wir im Motorsport Benchmark im Premiumsektor sein und auch neue innovative Wege bestreiten. Das decken wir perfekt mit Formel 1 und Formel E ab. Die Formel E ist mit einem spannenden Start‑up-Unternehmen vergleichbar: Sie bietet ein brandneues Format, das Rennen mit einem starken Eventcharakter kombiniert, um aktuelle und zukünftige Technologien zu bewerben."

"Zeit, um uns adäquat vorzubereiten"

"Für einen Hersteller ist die Formel E eine interessante Plattform, um die Elektrifizierung einem neuen Publikum vorzustellen. Und das in einem ganz anderen Format, als es jede andere Motorsportserie bietet. Ich freue mich, dass wir die bestehende Einstiegsoption um ein Jahr bis zur Saison 2019/20 erweitern konnten. So haben wir die Zeit, die Serie kennenzulernen und uns adäquat auf den Einstieg vorzubereiten."

Alejandro Agag, Gründer und CEO der Formel E, stimmt zu: "Heute ist ein großartiger Tag, weil wir Mercedes in der Formel-E-Familie begrüßen dürfen. Damit wächst die steigende Zahl der Hersteller, die sich an der elektrischen Revolution beteiligen. Der heutige Schritt zeigt, wie sehr sich die Welt verändert – nicht nur im Motorsport, sondern in der gesamten Automobilindustrie. Wir sind Zeugen eines Wandels, der zuerst unsere Städte und dann unsere Straßen transformiert. Die Formel E ist die Meisterschaft, die diese Veränderung verkörpert. Gemeinsam mit allen unseren Teams und Herstellern werden wir weiter nach Technologien streben, um bessere und günstigere Elektroautos zu bekommen."

Elektromobilität hat für Mercedes schon heute einen großen Stellenwert, der in Zukunft noch weiter zunehmen wird. Die Formel E bietet dabei die perfekte Plattform, die Wettbewerbsfähigkeit batterieelektrischer Antriebe der neuen Technologiemarke EQ im Renneinsatz unter Beweis zu stellen.

Goodbye, Deutsche Tourenwagen Masters

Des Einen Freund ist des Anderen Leid - so verlässt Mercedes die DTM für die Formel E. "Die Jahre in der DTM werden immer ein großer Teil unserer Motorsport-Geschichte bleiben", sagt Motorsportchef Wolff. "Mein Dank geht an alle Mitarbeiter, die über Jahre hinweg in der DTM tolle Arbeit geleistet und Mercedes-Benz zum erfolgreichsten Hersteller der Serie gemacht haben. Auch wenn so ein Abschied natürlich schwer fällt, werden wir in dieser und nächster Saison alles dafür tun, uns mit so vielen Titeln wie möglich aus der DTM zu verabschieden. Das sind wir unseren Fans und uns selber schuldig."

Seit der Gründung der "neuen" DTM im Jahr 2000 ist Mercedes ohne Unterbrechung dabei, doch auch zuvor waren die Stuttgarter bereits erfolgreich. In bisher 26 Saisons konnte Mercedes zehnmal die Fahrermeisterschaft, 13-mal die Teamwertung und sechs Markenmeisterschaften gewinnen (jeweils DTM+ITC). "Gemeinsam mit unseren Fans haben wir 183 Rennsiege, 128 Pole-Positions sowie 540 Podestplätze gefeiert", erinnert sich Wolff.

"Mit dem Ausstieg aus der DTM geht für uns eine langjährige Motorsport-Ära zu Ende. Wir blicken mit Stolz auf das Engagement unserer Teams, Fahrer, Partner und den zahlreichen Helfern hinter den Kulissen zurück, die die DTM oft genug zu einer faszinierenden Plattform für unsere Kunden und Markenfans gemacht haben", fügt Jens Thiemer hinzu, stellvertretender Marketing-Chef bei Mercedes-Benz Cars. "Nun ist es an der Zeit, neue Wege zu gehen."

von Timo Pape 

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Kommentar von Thomas Böller |

Es bleibt nur zu hoffen, das die nun einsteigenden Markenhersteller nicht das bisherige Teamfeld der Formel-e mit ihren Millionenetas ebenso kaputt machen und dann dominieren wie in der Formel One.
Dort wurden von den Marken Werksteams die Ausgabenschraube so hoch gedreht, dass kleine Team`s wie Sauber, Force India seit Jahren ums Überleben kämpfen.

Hier sollte von der FIA rechtzeitig ein massiver Riegel vorgesschoben werden, denn ansonsten werden die kleinen Team wie ABT ectr. schnell in das Abseitz gedrückt werden und da wäre sehr schade für diesen interessanten aufstrebenden E-Formelsport.

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