Monaco-E-Prix-Start-Jean-Eric-Vergne-vor-Pascal-Wehrlein

Pascal Wehrlein: "Eindeutig das schnellste Auto, ärgere mich nur über meinen Fehler"

Kein Foto in der Fürstenloge, dafür jede Menge Frust: Pascal Wehrlein verpasste als Vierter beim prestigeträchtigen Monaco E-Prix der Formel E am Samstag nur knapp einen Podestplatz. Der Deutsche leistete sich in der neunten Runde auf Platz 2 liegend beim Anbremsen auf "Sainte Devote" einen Bremsfehler, der ihn möglicherweise sogar um den Sieg brachte.

"Heute bin ich nicht happy mit dem Ergebnis, wir hätten Zweiter werden sollen", erklärt Wehrlein nach dem Rennen. "Wir waren eindeutig das schnellste Auto auf der Strecke, aber ich beging einen kleinen Verbremser, der mich zwei Plätze und uns das Podium kostete", ärgert sich der 24-jährige Deutsche. Wehrleins Unmut bekam nach Rennende unter anderem ARD-Moderator Claus Lufen zu spüren, der gemeinsam mit Co-Kommentator Bruno Spengler - Formel-E-Ersatzpilot bei BMW - vergeblich auf ein Live-Interview in der Mahindra-Box wartete.

Wehrlein startete den Monaco E-Prix aus der ersten Startreihe, nachdem er im Qualifying eine starke Vorstellung zeigte und nur eine Hundertstelsekunde langsamer war als Pole-Sitter Jean-Eric Vergne. In der Super-Pole kam der Formel-E-Rookie dann nur noch auf Position 4. Da Nissan-Pilot Oliver Rowland und Mitch Evans (Jaguar) jeweils Grid-Strafen erhielten, rückte Wehrlein automatisch auf Startplatz 2 vor.

Gute Pace vom Start weg

Beim Start kamen alle 22 Piloten gut weg, Disziplin war oberstes Gebot. Dabei gilt gerade das Einbiegen in der ersten Kurve (Sainte Devote) als "Drahtseilakt". Vergne behielt die Führung vor Wehrlein, Rowland und Massa. Wehrlein blieb in der Anfangsphase direkt hinter Vergne in der Verfolgerposition. Dann folgte der verhängnisvolle Fehler in Runde 9: Wehrlein verbremste sich einige Meter vor der Rechtskurve und musste einen weiten Bogen fahren. Zunächst nutzte Rowland die Lücke, dann ging auf dem Weg runter zum Hafen auch noch Massa vorbei. Selbst Sebastien Buemi (Nissan) versuchte noch, Kapital aus dem Missgeschick zu schlagen – vergeblich.

"Ein akzeptables Ergebnis, ich ärgere mich halt nur über meinen Fehler", gesteht Wehrlein. "Ich habe zu stark gebremst, dadurch hat das Rad blockiert. Dann verzögert das Auto nicht mehr so gut, und du kommst von der (Ideal-) Linie runter. Sobald man hier in der Formel E zu weit rauskommt, liegt dort extrem viel Reifenabrieb. Wenn du da draufkommst, kommst du nicht mehr zurück."

Von Position 4 aus machte Wehrlein für den Rest des Rennens Jagd auf das Führungstrio. Die ersten Vier setzten sich immer weiter vom Verfolgerfeld ab und machten den Sieg beziehungsweise das Podium unter sich aus. Wehrlein konnte den Anschluss an die Spitze stets halten und hatte auch realistische Chancen aufs Siegespodest, denn sein "M5 Electro" lief wie ein Uhrwerk. "Pascals Qualifikations- und Rennpace war phänomenal, das ist sehr ermutigend", zeigt sich Mahindra-Teamchef Dilbagh Gill angetan ob der Leistung des Schwaben. "Ohne seinen kleinen Fehler hätten wir heute ein Podium gehabt."

Wehrlein versuchte alles, um doch noch Platz 3 zu erobern. Er setzte Massa gehörig unter Druck, fand aber keinen Weg vorbei am cleveren Venturi-Piloten. "Ich hatte zum Teil noch zwei Prozent mehr Energie als die Fahrer vor mir, aber du kannst hier nicht mal daneben fahren. Du kannst einfach nicht überholen. Innen hat Massa dicht gemacht, und außen herum hast du keine Chance", erklärt Wehrlein.

Die "Brechstange" packte er nicht mehr aus, um zumindest die zwölf Punkte für Platz 4 sicher nach Hause zu bringen. Dennoch war ein Aufwärtstrend bei Wehrlein in Monaco unverkennbar. Mit der schnellsten Rennrunde kassierte er zudem einen weiteren Punkt für die Meisterschaft ein.

"Positiv ist, dass unser Qualifying und unsere Renngeschwindigkeit heute fantastisch waren. Ich freue mich schon sehr darauf, nach Berlin zu kommen und dort um den Sieg zu fahren", kündigt Wehrlein an. Für den anstehenden E-Prix in der deutschen Bundeshauptstadt am 25. Mai und die übrigen drei Saisonrennen zeigt sich auch Teamchef Gill optimistisch: "Wir haben unsere Rennpace wiedergefunden. Das ist ein gutes Zeichen für den Rest der Saison."

Mahindra-Protest gegen Vergne & Rowland wegen Formfehler abgelehnt

Nicht optimal verlief dagegen der Protest Mahindras nach Rennende. Da bei Sieger Vergne und Rowland ein zu geringer Reifendruck vermutet wurde, legte der indische Rennstall offiziell Protest ein. Dieser ging jedoch ins Leere, da Mahindra direkt gegen den Franzosen und den Briten protestierte. In der Formel E sind Beschwerden allerdings gegen die zugehörigen Teams - in diesem Fall also DS Techeetah und Nissan - zu richten. Darüber hinaus ging der Protest nicht direkt an die Adresse des obersten Rennkommissars Paolo Longini. Mahindra verspielte somit auch die letzte Hoffnung durch einen Formfehler.

Für Wehrleins Teamkollegen Jerome d'Ambrosio, der als Elfter leer ausging, verlief der Monaco E-Prix unbefriedigend. Der Belgier verspielte alle Chancen auf ein Top-10-Resultat bereits im Qualifying, in dem er über Platz 17 nicht hinauskam. Hinzu kam das Handicap einer Grid-Strafe von drei Startplätzen, die er sich beim Paris E-Prix wegen eines Vergehens gegen Virgin-Pilot Sam Bird eingefangen hatte.

"Es war heute ein schwieriges Rennen für mich", erklärt d'Ambrosio. "Ich habe es zwar noch geschafft, ein paar Positionen von meinem Startplatz aus gutzumachen, aber es reichte nicht, um Punkte zu sammeln. Offensichtlich hatten wir in diesem Rennen nicht die Pace. Daher müssen wir versuchen, den Grund herauszufinden und es in Berlin besser zu machen." In der Meisterschaft liegt der Belgier mit 65 Punkten auf Position 7, immer noch mit realistischen Chancen auf die Titelkrone. Teamkollege Wehrlein belegt mit 51 Zählern Platz 12. In der Teamwertung bleibt Mahindra auf Gesamtrang 4.

Zusätzliche Berichterstattung durch Timo Pape

von Erich Hirsch  

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Kommentar von EffEll |

Gerade Wehrleins stabile Quali-Pace ist beeindruckend. Ich hoffe man sieht ihn gegen Saisonende noch in Gruppe 1. Denn da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Apropos Co-Kommentator Bruno Spengler: Chapeau! Endlich mal auch in einer deutschen Formel E-Berichterstattung ein Experte, der diesen Titel redlich verdient hat. Extrem aufmerksam, fachlich stark und zudem durchaus unterhaltsam. Selbst dass Lotterer seinen Attack-Mode zwei mal vergeblich zu aktivieren versuchte, bemerkte er prompt. Auch seine Analysen zu den Zwischenfällen ließen nichts vermissen. Schade dass dieses Team nicht dauerhaft die Übertragung übernimmt. Einziges Manko meinerseits ist die zeitlich stark begrenzte Verfügbarkeit in der Mediathek und die zu kurz bemessene Sendezeit. Ein wenig Siegerehrung sollte schon noch drin sein. Zumal ein Rennabbruch wieder für Frust hätte sorgen können.

Kommentar von H.-W.E... |

Tja, die Sendezeit war schon immer ein Thema bei der ARD, schon als sie noch DTM übertragen haben ein Ärgernis. Man versteht es einfach nicht aus einer Motorsportübertragung ein Event zu machen, kurz vorm Start rein und kaum ist der letzte im Ziel wieder raus und dann wundern die Herrschaften sich das die Zuschauerzahlen nicht stimmen.

Habe mich auch über den Co Spengler gefreut, einziger Kritikpunkt; beide Kommentatoren haben leider den eingespielten Boxenfunk ignoriert und ohne Unterbrechung weiter geredet! Da ist sicher die eine oder andere interessante Info untergegangen.

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