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Performance-Analyse Paris: Lucas di Grassi & Audi wieder an der Spitze

Beim seinem Heimrennen in Paris gelang Jean-Eric Vergne wenige Tage nach seinem 28. Geburtstag mit der Pole-Position und dem Sieg ein fast perfekter Tag: 28 von 29 möglichen Punkten nahm der Gesamtführende mit nach Hause. Lucas di Grassi beendete zum dritten Mal in Folge einen E-Prix auf dem zweiten Platz und liegt nun auf dem fünften Rang in der Fahrerwertung. Sam Bird gelang es, nach einer Kollision in der letzten Runde mit drei Reifen noch das Ziel zu erreichen und mit dem dritten Platz seine Titelchancen zu wahren. Geheimfavorit Jaguar hingegen ging in Paris nach einem desaströsen Tag komplett leer aus und liegt nun nur noch auf dem fünften Platz der Teamwertung. Aber spiegelt der Rennausgang das wahre Kräfteverhältnis der Formel E beim Paris E-Prix wider?

Seit den Testfahrten in Valencia haben wir für alle bisherigen Rennen die Zeiten der Teams und Fahrer analysiert. Auch beim Rennen in der "Stadt des Lichts" haben wir eine detaillierte Analyse aller Sessions vorgenommen. Die schnellste Rundenzeit einer jeden Session entspricht dabei 100 Prozent. Der Abstand der Rundenzeiten der einzelnen Piloten zu jener 100-Prozent-Marke bietet daraus resultierend einen Wert, der Rückschlüsse auf die Einzelleistung und die Konkurrenzfähigkeit der Fahrzeuge zulässt. Eine genaue Erklärung findest du am Ende dieses Artikels.

Fahrer-Rating: Antonio Felix da Costa die Überraschung des Tages

In Frankreich bleibt dabei an der Spitze alles wie gewohnt: Lucas di Grassi führt ein weiteres Mal unser Rating an - mit 99,83 Prozent sogar ziemlich deutlich. Bestzeit und Streckenrekord im 2. Freien Training, dazu die schnellste Rennrunde und die Super-Pole um lediglich 5 Tausendstelsekunden verpasst - das ist nah dran am Optimum. An zweiter Stelle rangiert jemand, den wir so weit vorne in der bisherigen Saison noch überhaupt nicht gesehen haben: Antonio Felix da Costa, der mit der zweitbesten Rundenzeit im Qualifying seine Konkurrenzfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, folgt mit äußerst starken 99,52 Prozent unmittelbar vor Rennsieger Jean-Eric Vergne, der auf den gleichen Prozentwert kommt. Bird, der erste Verfolger von Vergne im Gesamtklassement, liegt als Vierter mit 99,48 Prozent vor Daniel Abt, der mit 99,41 Prozent das starke Bild von Audi bestätigt, auch wenn sein schwaches Qualifying eine bessere Rennplatzierung als Rang 7 verhinderte.

Andre Lotterer (99,37) und Mitch Evans (99,30) folgen auf den nächsten Plätzen. Lotterer musste einen möglichen Podestplatz in der letzten Runde mit leerer Batterie hergeben, Evans war wegen einer Rückversetzung nach Getriebewechsel und einer Kollision in der ersten Runde des Rennens dieses Mal kein Punktekandidat. Auf dem achten Platz folgt Sebastien Buemi mit 99,27 Prozent vor Mahindra-Pilot Felix Rosenqvist (99,22) und Jose Maria Lopez (99,20).

Enges Mittelfeld, Ma Qing Hua weit abgeschlagen

Im Mittelfeld geht es eng zu: Jerome d'Ambrosio (99,19) und Oliver Turvey im ersten NIO (99,13) liegen nah beieinander. Mit ebenfalls nur geringem Rückstand folgen der Viertplatzierte des Rennens, Maro Engel (99,04), und Nelson Piquet jr. (99,02), der wohl den schwärzesten Formel-E-Tag seiner Karriere erlebte: Nach Unfällen in beiden Freien Trainings war er nicht in der Lage, am Qualifying teilzunehmen. Der in Heidelberg geborene Brasilianer hatte schlicht und ergreifend kein fahrbereites Auto zur Verfügung. Nachdem es beim Fahrzeugwechsel erneut ein Problem mit seinen Sicherheitsgurten gegeben hatte, gab er das Rennen zur Halbzeit schließlich auf.

Unmittelbar dahinter folgen Alex Lynn mit 98,96 Prozent und Nicolas Prost mit 98,92 Prozent. Erneut blieben beide Piloten deutlich hinter den Leistungen ihrer jeweiligen Teamkollegen zurück.

Gleiches gilt für die beiden Fahrer, die das Hinterfeld einläuten: Nick Heidfeld (98,87) und Edoardo Mortara (98,81). Beide verpassten knapp die Punkteränge. Auf den letzten beiden Positionen liegen weit abgeschlagen Tom Blomqvist (97,53) und Formel-E-Rückkehrer Ma Qing Hua (97,08). Von der reinen Performance her hat sich der Fahrerwechsel bei NIO nicht gelohnt - ganz im Gegenteil. So schwach hatte sein Vorgänger Luca Filippi in keinem einzigen Rennen abgeschnitten.

Zur Veranschaulichung haben wir die Abstände anhand der Streckenlänge wieder in Meter umgerechnet. So liegt di Grassi im Durchschnitt nach der mit 1.920 Meter langen Runde in Paris fast sechs Meter vor Felix da Costa, Vergne folgt nur sieben Zentimeter dahinter. Weitere 74 Zentimeter fehlen Bird, bevor Abt mit weiteren 1,24 Metern Rückstand kommt. Lotterer liegt seinerseits nur weitere 80 Zentimeter zurück, Evans folgt mit weiteren 1,33 Metern Rückstand auf Platz 7. Während Mortara auf Platz 18 "nur" 19 Meter Rückstand auf di Grassi hat, liegt Blomqvist durchschnittlich 44 Meter zurück, Ma sogar rund 53 Meter - mehr als zehn Fahrzeuglängen.

Teamwertung: Audi knapp vor Techeetah

In der Performance-Wertung der Teams bestätigt sich das Bild, das wir bei nahezu allen bisherigen Rennen dieser Saison hatten: Audi belegt mit 99,83 Prozent den ersten Platz. Erster Verfolger der Ingolstädter ist mit sehr geringem Rückstand Techeetah (99,79), die eine starke Teamleistung zeigten, bevor eine große Lücke zu DS Virgin klafft, die 99,48 Prozent erreichten. Weiter hinten geht es äußerst eng zu: Venturi (99,38) und Mahindra (99,36) folgen fast gleichauf, auch die Teams von Jaguar (99,30), Renault (99,27) und Dragon (99,23) haben eine nahezu gleichwertige Performance abgeliefert.

Dahinter folgt mit deutlichem Rückstand NIO (99,13), bevor mit noch einmal großem Abstand Andretti (98,75) das Ende des Feldes bildet. Und das, obwohl Andretti-Pilot Antonio Felix da Costa unter den Fahrern auf Platz 2 liegt. Da dieser im Rennen bereits in der zweiten Runde ausgefallen wird, fließt bei der Bewertung des Teams die schnellste Rennrunde von Blomqvist ein - dem Briten fehlten mit 1:04.156 Minuten dabei ganze 1,8 Sekunden auf die Spitze.

In Metern ausgedrückt trennen Audi und Techeetah 85 Zentimeter, DS Virgin folgt mit fast sechs Metern Rückstand. Venturi hat weitere zwei Meter Rückstand und liegt virtuell 31 Zentimeter vor Mahindra. Jaguar kommt etwas mehr als einen Meter dahinter, Renault weitere 64 Zentimeter und Dragon dann noch mal 83 Zentimeter. Bis zu NIO sind es dann noch einmal zwei Meter und weitere sieben Meter zu Andretti. Andretti verliert auf eine Runde knapp 21 Meter, also vier Fahrzeuglängen, auf die Spitze.

Erklärung des Berechnungssystems (Explanation of the calculation system)

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da viele Piloten nur in einem der beiden freien Trainings mit der vollen Leistung von 200 kW fahren, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden freien Trainings. So ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert. Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall oder einen größeren Fahrfehler, fließt diese Session nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. In Paris galt dies für Nelson Piquet jr., der gar nicht erst antreten konnte. Außerdem werten wir bei frühen Ausfällen im Rennen die schnellste Rennrunde für einen Piloten nicht. Dies betraf Antonio Felix da Costa und erneut Nelson Piquet jr.

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In order to work out a respective driver's performance rating, each session's (Free Practice, Qualifying, Race) overall best time is divided by the driver's personal best laptime. The result is then converted into percentages, from which we can, through addition of all percentages and division by the number of sessions, calculate an average "performance percentage". Most drivers don't use the maximum power output of 200 kW during both Free Practices, so we use just the best result of the two Free Practices. The calculation method is similar for the teams, whereas we only pick the better of their two available times.

In case a driver runs into trouble during the qualifying session (i.e. crashes out, makes a serious mistake), his time is excluded from our assessment, expunging possible outliers. In Paris this exceptional rule applied to Nelson Piquet jr., who was not able to participate in qualifying. Also, the fastest laps in the race of Antonio Felix da Costa and Nelson Piquet jr. were excluded, because both drivers retired early in the race.

von Tobias Wirtz 

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