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Performance-Analyse Rom: Lucas di Grassi & Audi erneut vorn

Mit dem Rom E-Prix begann am Samstag die zweite Hälfte der vierten Formel-E-Saison. Sam Bird konnte mit seinem zweiten Saisonsieg den Rückstand auf Jean-Eric Vergne verkürzen und Rang 2 in der Fahrerwertung erobern. Lucas di Grassi holte nach einem verkorksten Saisonauftakt wie bereits in Punta del Este den zweiten Platz. Auch Andre Lotterer durfte zum zweiten Mal in dieser Saison Champagner verspritzen, während Felix Rosenqvist und Mitch Evans glücklos blieben, nachdem sie lange Zeit als Siegkandidaten galten. Aber spiegelt der Rennausgang das wahre Kräfteverhältnis der Formel E in Rom wider?

Seit den Testfahrten in Valencia haben wir für alle bisherigen Rennen die Zeiten der Teams und Fahrer analysiert. Auch beim Auftakt der Europa-Rennen haben nahmen wir eine detaillierte Analyse aller Sessions vor. Die schnellste Rundenzeit einer jeden Session entspricht dabei 100 Prozent. Der Abstand der Rundenzeiten der einzelnen Piloten zu jener 100-Prozent-Marke bildet daraus resultierend einen Wert, der Rückschlüsse auf die Einzelleistung und die Konkurrenzfähigkeit der Fahrzeuge zulässt. Eine genaue Erklärung findest du am Ende dieses Artikels.

Fahrer-Rating: Keine Überraschungen in den Top 5

In Italien bleibt die große Sensation beim Blick auf unser Rating aus: Der amtierende Champion und Gesamtführende unserer Performance-Analyse zur Saisonhalbzeit, Lucas di Grassi, führt das Rating auch in der "ewigen Stadt" mit 99,54 Prozent an. Unmittelbar hinter ihm mit 99,51 Prozent folgen Rennsieger Sam Bird und mit 99,44 Prozent Mitch Evans, der den starken Eindruck von Jaguar in dieser Saison erneut bestätigte. Nachdem es der "Kiwi" dieses Mal schaffte, sein Potenzial auch im Qualifying umzusetzen, wurde ihm gegen Rennende sein schlechtes Energiemanagement zum Verhängnis, sodass er in den letzten Kurven noch auf Platz 9 zurückfiel.

Dahinter folgt in unserem Ranking mit 99,33 Prozent der Drittplatzierte des Rennens, Andre Lotterer. Wie bereits in Santiago bewies der Deutsche auf einer für alle neuen Strecke seine Qualität. Mit geringem Abstand folgt Pechvogel Felix Rosenqvist, der souverän in Führung liegend mit einer gebrochenen Radaufhängung ausschied und so nur die Bonuspunkte für die Pole-Position aus Rom mitnahm. Damit belegen erneut Fahrer von fünf verschiedenen Teams die ersten fünf Plätze.

Auf dem sechsten Platz folgt Daniel Abt mit 99,28 Prozent und bestätigt damit die Performance des Audi-Teams. Hinter dem Kemptener gibt es dann die ersten Überraschungen: Jerome d'Ambrosio (99,20 Prozent) und Jose Maria Lopez (99,17 Prozent). Die beiden Dragon-Piloten wurden durch ungewöhnliche Umstände im Qualifying unter Wert geschlagen: D'Ambrosio fuhr zu spät aus der Boxengasse und schaffte keine Runde mit 200 kW, Lopez nahm nach einer Kollision mit Antonio Felix da Costa in der Boxengasse gar nicht erst an der Qualifikation teil. Die Top 10 beschließen Sebastien Buemi (99,17 Prozent) und der Gesamtführende Jean-Eric Vergne im Techeetah (98,97).

Di Grassi umgerechnet 72 Zentimeter vor Bird

Zur Veranschaulichung haben wir die Abstände anhand der Streckenlänge auch wieder in Meter umgerechnet. So liegt di Grassi nach einer 2.860 Meter langen Runde in Rom im Durchschnitt nur 72 Zentimeter vor Bird. Evans folgt 1,98 Meter dahinter. Dann kommt eine Lücke von 3,14 Metern (also weniger als einer Fahrzeuglänge) zu Lotterer, bevor nach 63 Zentimetern Rosenqvist folgt, der seinerseits 98 Zentimeter vor Abt liegt.

Nur im Mittelfeld liegen die einstigen NIO-Teamkollegen Oliver Turvey (NIO, 98,86) und Nelson Piquet jr. (98,76 Prozent), der erneut deutlich hinter der Performance seines jungen Teamkollegen Evans zurückblieb. Es folgt Nico Prost im zweiten Renault e.dams, der auch weiterhin deutlich hinter den Möglichkeiten seines Autos zurückblieb. Mit 98,69 Prozent ist er erneut der schwächste der vier Fahrer mit Renault-Antrieb im Feld. Damit liegt er nur knapp vor Lokalmatador Luca Filippi, der mit 98,55 Prozent erstmals in dieser Saison in unserem Performance-Rating im Mittelfeld landete. Es folgt mit 98,43 Prozent Tom Blomqvist, der in Rom der stärkere der beiden Andretti-Piloten war.

Überraschenderweise am Ende des Feldes zu finden ist Alex Lynn, der in Italien einen Tag zum Vergessen erlebte: Unfälle in beiden Freien Trainings, dazu der Ausfall zur Rennhalbzeit. Mit 98,36 Prozent blieb er deutlich hinter den Möglichkeiten des Fahrzeugs zurück, die sein Teamkollege Bird aufzeigen konnte. Ähnlich erging es Nick Heidfeld, der mit 98,27 Prozent erneut kein Land gegen seinen Teamkollegen Rosenqvist sah. Trotzdem war er im Rennen auf Punktekurs, bis er kurz vor dem Fahrzeugwechsel unschuldig in eine Massenkollision verwickelt wurde und ans Ende des Feldes zurückfiel. Noch schwächer waren lediglich Antonio Felix da Costa (98,15) sowie die beiden Venturi-Piloten Maro Engel (98,00) und Edo Mortara (97,90). Beiden gelang es nichtsdestotrotz, in die Punkte zu fahren. Auch Felix da Costa hätte ohne seine 10-Sekunden-Zeitstrafe nach dem Qualifying-Unfall mit Lopez Punkte erzielen können.

Venturi fast 10 Fahrzeuglängen hinter Audi

In der Performance-Wertung der Teams bestätigt sich das Bild, das wir bei den bisherigen Rennen dieser Saison hatten: Audi belegt hier mit 99,74 Prozent zum wiederholten Male den ersten Platz. Erster Verfolger der Ingolstädter ist erneut Jaguar mit 99,63 Prozent. Es folgt eine Lücke, bevor mit DS Virgin (99,51), Techeetah (99,47) und Dragon (99,44) drei Teams sehr dicht beieinander liegen.

Mit einigem Abstand kommen Mahindra (99,31 Prozent) und Renault (99,25). Bereits deutlichen Rückstand auf die Topteams hat NIO (98,88), bevor mit großem Abstand Andretti (98,48) und Venturi (98,10) das Ende des Feldes bilden.

In Metern ausgedrückt trennen Audi, Jaguar und DS Virgin jeweils rund drei Meter. Techeetah folgt mit gut einem Meter Rückstand, Dragon mit knapp einem weiteren Meter. Mahindra fehlen weitere 3,58 Meter, Renault zusätzlich noch mal 1,65 Meter. Danach liegen jeweils mehr als zehn Meter zwischen den Teams, sodass Venturi auf eine Runde rund 47 Meter, also fast zehn Fahrzeuglängen, auf Audi verliert.

Erklärung des Berechnungssystems (Explanation of the calculation system)

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da viele Piloten nur in einem der beiden freien Trainings mit der vollen Leistung von 200 kW fahren, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden freien Trainings. So ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert. Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird. 

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall oder einen größeren Fahrfehler, fließt diese Session nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. In Rom galt dies für Jerome d'Ambrosio, Antonio Felix da Costa, Luca Filippi, Jose Maria Lopez und Edo Mortara.

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In order to work out a respective driver's performance rating, each session's (Free Practice, Qualifying, Race) overall best time is divided by the driver's personal best laptime. The result is then converted into percentages, from which we can, through addition of all percentages and division by the number of sessions, calculate an average "performance percentage". Most drivers don't use the maximum power output of 200 kW during both Free Practices, so we use just the best result of the two Free Practices. The calculation method is similar for the teams, whereas we only pick the better of their two available times.

In case a driver runs into trouble during the qualifying session (i.e. crashes out, makes a serious mistake), his time is excluded from our assessment, expunging possible outliers. In Rome this exceptional rule applied to Jerome d'Ambrosio, Antonio Felix da Costa, Luca Filippi, Jose Maria Lopez and Edo Mortara.

von Tobias Wirtz 

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