Felix-da-Costa-Start-Addiriyah

Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken der Formel E in Diriyya

Nach einem mitreißenden Saisonauftakt in Saudi-Arabien darf sich Antonio Felix da Costa als erster Rennsieger der Formel-E-Saison 2018/19 feiern lassen. Der Portugiese setzte sich in einem hart umkämpften Rennen gegen Jean-Eric Vergne (DS) und Jerome d'Ambrosio (Mahindra) durch. BMW feierte zugleich den ersten Sieg beim Einstand als Formel-E-Werksteam. Die Münchener werden damit den hohen Erwartungen nach den erfolgreichen Spanien-Tests der Elektroserie gerecht.

Wie so häufig kann das Resultat allein jedoch nur in den seltensten Fällen das tatsächliche Bild eines Rennens widerspiegeln - gerade in der Formel E. So kämpfte sich beispielsweise größtenteils abseits der TV-Bilder und der Schlagzeilen Audi-Stammpilot Lucas di Grassi in einem bärenstarken Rennen von Startplatz 18 ausgehend bis in die Punkteränge der Top 10.

Ebenfalls bemerkenswert ist das FANBOOST-Jubiläum der Ingolstädter. Während Daniel Abt in Diriyya seinen 20. FANBOOST bekam, gaben die Zuschauer di Grassi seinen inzwischen 25. Energie-Schub. Der Brasilianer hat somit in 54,3% aller seiner Karriererennen einen FANBOOST bekommen. Die anderen Gewinner in Saudi-Arabien, Stoffel Vandoorne (HWA), Felipe Massa (Venturi) und Antonio Felix da Costa (BMW), bekamen den Schub hingegen zum ersten Mal - Vandoorne und Massa bei ihrem Debüt, Felix da Costa in seinem 42. Formel-E-Start.

Attack-Mode besonders nach Safety-Car-Phase beliebt

Der Portugiese ist zudem gemeinsam mit Felipe Massa der einzige Fahrer, der im Rennen die vollen 250 kW von Attack-Mode und FANBOOST abrief. Übrigens: Die statistisch häufigsten Umläufe, in denen der neue Attack-Mode genutzt wurde, waren die Runden 23 und 24 sowie 29 bis 31 - also kurz vor und nach dem Safety-Car in der zweiten Hälfte des Rennens.

Doch welcher der insgesamt 22 Starter zeigte am Rennwochenende in Diriyya tatsächlich die beste Leistung? Wie schon in der letzten Saison haben wir auch mit den uns zur Verfügung stehenden Daten aus Diriyya eine detaillierte Analyse aller Sessions in Saudi-Arabien vorgenommen. Die schnellste Rundenzeit einer jeden Session entspricht dabei 100 Prozent. Der Abstand der Rundenzeiten der einzelnen Piloten zu jener 100-Prozent-Marke bietet daraus resultierend einen Wert, der Rückschlüsse auf die Einzelleistung und die Konkurrenzfähigkeit der Fahrzeuge zulässt. Eine genaue Erklärung findest du am Ende dieses Artikels.

Eines vorweg: Die schwierigen Wetterverhältnisse und die daraus resultierenden Absagen bzw. Verkürzungen der Trainings haben natürlich auch bei unserer Performance-Analyse einen deutlichen Einfluss, den wir leider nicht vollständig herausfiltern können.

Felix da Costa: Platz 1 in Qualifying, Rennen & Performance-Analyse

Der Gewinner in der Fahrerwertung unserer Performance-Analyse ist erstmals Antonio Felix da Costa. Dies ist wenig überraschend, angesichts der hervorragenden Qualifying-Runde und des soliden Rennens, das der Portugiese in Diriyya gezeigt hat. 99,43 Prozent bedeuten auch in unserer Wertung den ersten Platz für ihn.

Dahinter folgen mit jeweils 99,33 Prozent nahezu auf gleichem Level mit Sebastien Buemi und Jean-Eric Vergne zwei Piloten, die sich bereits den Meistertitel in der Formel E sichern konnten. Mit einigem Rückstand belegt Sam Bird den vierten Platz mit 98,82 Prozent. Dies mag auf den ersten Blick ein wenig überraschen, da der Virgin-Pilot im Rennen nur Elfter wurde. Der Grund für sein schwaches Abschneiden liegt aber hauptsächlich darin begründet, dass er von Startplatz 19 starten musste, da wegen einer Fehlfunktion des Audi-Antriebstrangs für einen Sekundenbruchteil zu viel Leistung freigegeben wurde – sonst hätte er in der Startaufstellung vor Vergne gestanden.

Es folgt Vergnes Teamkollege Andre Lotterer mit 98,79 Prozent vor NIO-Pilot Tom Dillmann (98,68 Prozent) und Stoffel Vandoorne (98,67 Prozent). Dillmann profitiert natürlich davon, dass er gegen die Regeln im Qualifying verstoßen und sich mit mehreren 200-kW-Runden auf die abtrocknende Strecke eingeschossen hat, was ihm Platz 2 im Zeitentableau bescherte. Vandoorne überzeugte mit seinem Speed auf eine Runde, als er das einzige Freie Training gewann und sich mit seiner Qualifying-Runde Startplatz 4 sicherte. Die beiden Deutschen Maximilian Günther (Platz 11; 98,38 Prozent) und Daniel Abt (Platz 16; 97,64 Prozent) sind dieses Mal nur im Mittelfeld zu finden.

Nissan & DS auf Augenhöhe

Am Ende des Feldes tauchen schließlich ein paar Namen auf, die wir dort eigentlich nicht erwartet hätten: Das Venturi-Duo Edoardo Mortara (97,07 Prozent) und Felipe Massa (96,82 Prozent) belegt nur die Plätze 19 und 20. Noch schwächer waren lediglich Jaguar-Fahrer Nelson Piquet mit 96,74 Prozent sowie Mahindra-Aussteiger Felix Rosenqvist mit enttäuschenden 95,17 Prozent. Hier haben jedoch der Unfall auf seiner 250-kW-Runde im Qualifying sowie der frühe Ausfall im Rennen eine entscheidende Rolle gespielt – aber auch im Freien Training fehlten Rosenqvist ganze vier Sekunden auf die Vandoorne-Bestzeit.

Wenn man die Rückstände anhand der Rundenlänge (2,494 km) in Meter umrechnet, ergibt sich pro Runde folgendes Bild: Felix da Costa liegt 2,51 Meter vorne, Buemi und Vergne trennen dahinter jedoch nur 37 Millimeter. Es folgt eine Lücke von 12,50 Metern, also mehr als zwei Fahrzeuglängen, zu Bird, der 77 Zentimeter vor Lotterer liegt. Dillmann hat 2,68 Meter Rückstand auf den Deutschen, liegt aber 35 Zentimeter vor Vandoorne. Am Ende des Feldes verlieren Mortara 59 Meter und Massa 65 Meter auf den Schnellsten, Piquet gar 67 Meter. Dies ist aber noch gar nichts im Vergleich zu Rosenqvist: Der Schwede liegt mit seiner Performance von Diriyya nach einer Runde 106 Meter hinter der Spitze.

BMW auch in Teamwertung mit Bestwert

Auch wenn BMW in der Meisterschaft um den Teamtitel nur auf dem zweiten Platz liegt: Zum Sieg in unserer Performance-Analyse reicht es für die US-amerikanisch-bayrische Kooperation dennoch. Auch hier stehen 99,43 Prozent zu Buche. Denkbar knapp geschlagen wird DS Techeetah, die auch dank der schnellsten Rennrunde von Andre Lotterer auf 99,40 Prozent kommen. Auf Platz 3 liegt Nissan e.dams mit 99,33 Prozent auch noch in Schlagdistanz zur Spitze. Es folgt das Audi-Kundenteam Virgin mit 99,08 Prozent vor NIO mit 98,96 Prozent. Dann tut sich wieder eine größere Lücke auf, bis Dragon (98,76), HWA (98,67) und Jaguar (98,62) eng zusammen liegen. Nur am Ende des Feldes zu finden sind Mahindra (98,36), Audi (98,16) und weit abgeschlagen Venturi (96,85).

Auch hier wieder die traditionelle Umrechnung: BMW liegt 90 Zentimeter vor DS Techeetah, Nissan folgt weitere 1,78 Meter zurück. Mehr als eine Fahrzeuglänge, 6,26 Meter, trennen Virgin vom dritten Platz, bevor nach weiteren 2,81 Metern NIO folgt. Dragon fehlen dann schon 5,09 Meter, HWA weitere 2,21 Meter und Jaguar 1,31 Meter. Mahindra folgt nach 6,37 Metern, aber noch 5,15 Meter vor Audi. Venturi hat dann nochmal mehr als 32 Meter Rückstand – ungefähr soviel, wie auch Audi auf BMW hat.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

Erklärung des Berechnungssystems

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden anschließend die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da viele Piloten nur in einem der beiden freien Trainings mit der vollen Leistung von 250 kW fahren, betrachten wir im Normalfall nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden freien Trainings. Diese Regel tritt für Diriyya aufgrund der Regen-Absage allerdings außer Kraft. Somit ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert, unser "Performance-Rating". Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall, einen größeren Fahrfehler oder erzielt in einer Session keine Rundenzeit, fließt diese Session selbstverständlich nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

von Tobias Wirtz 

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Kommentar von EffEll |

"Zum Sieg in unserer Performance-Analyse reicht es für die US-amerikanisch-bayrische Kooperation dennoch"
Du meinst die US-amerikanisch-bayrische Kooperation mit britischer Lizenz...
Ich wünschte man würde verantwortliche des Teams in einem Interview mal nach dem Grund fragen.

Kommentar von TobiW |

Wir haben bei BMW nachgefragt, die Antwort kannst Du unter unseren Kurzmeldungen nachlesen...

https://e-formel.de/kurzmeldungen/formel-e-darum-faehrt-bmw-unter-britischer-lizenz.html

Kommentar von EffEll |

Danke!

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