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Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken zur Formel E in Bern

Jean-Eric Vergne hat mit seinem dritten Formel-E-Saisonerfolg in Bern einen riesengroßen Schritt in Richtung Titelverteidigung gemacht. Zusätzlich nahm der DS-Pilot noch die drei Bonuspunkte für die Pole-Position mit. Der eigentlich schnellere Fahrer war jedoch Mitch Evans im Jaguar, der über 31 Runden trotz diverser Angriffe nicht an Vergne vorbeikam. Nissan-Pilot Sebastien Buemi stand zum zweiten Mal in Folge auf dem Podium.

Bern: Evans gewinnt das Performance-Rating

Doch haben in Bern tatsächlich die schnellsten Fahrer am Ende die vordersten Plätze belegt? Auf Grundlage der von der FIA zur Verfügung gestellten Daten blicken wir in unserer obligatorischen Performance-Analyse auf die Einzelleistung jedes Fahrers im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Unsere Performance-Analyse ist natürlich nicht frei von gewissen Einflüssen, die wir leider nicht vollständig herausfiltern können - beispielsweise absichtliches Langsamfahren im Freien Training oder Fahrfehler auf der einzigen Qualifying-Runde, sofern sie denn zustande kommt. Bei Robin Frijns zum Beispiel haben wir das Rennen in Ermangelung von verwertbaren Rundenzeiten diesmal nicht werten können. Eine detaillierte Erklärung unseres Berechnungssystems findest du am Ende dieses Artikels.

Gewinner in der Fahrerwertung unserer Performance-Analyse ist dieses Mal der Zweitplatzierte im Rennen: Mitch Evans. Mit 99,64 Prozent sicherte er sich die Spitzenposition in unserem Rating und erhielt dafür sogar die Anerkennung des Meisters. So bestätigte Sieger Vergne nach dem Rennen den Eindruck, dass er definitiv langsamer als Evans gewesen sei.

Den zweiten Platz in unserem Rating belegt Vergne, der es auf 99,54 Prozent brachte. Den Grundstein für seinen dritten Saisonsieg legte der amtierende Champion bereits in der Super-Pole, wo er eine phänomenale Runde hinlegte und seinen DS Techeetah auf den ersten Startplatz stellte. Drittplatzierter in unserer Analyse ist Robin Frijns. Das Rennen des Niederländers war nach einer Kollision mit Jerome d'Ambrosio jedoch bereits nach wenigen Metern beendet. Mit seinen Leistungen aus Freiem Training und Qualifying kam er dennoch auf 99,49 Prozent.

Vierter im Performance-Rating wurde mit 99,41 Prozent Sam Bird im zweiten Virgin. Der Brite, der nach gutem Saisonstart mit zwischenzeitlicher Meisterschaftsführung in den vergangenen fünf Rennen nur zwei Punkte ergattern konnte, beendete das Rennen von Bern auf dem vierten Platz.

Lopez überraschend weit vorne

Auf dem fünften Platz landete mit 99,41 Prozent Andre Lotterer. Der Deutsche zeigte auch in Bern wieder eine bärenstarke Performance, wurde durch eine Strafe wegen Überfahren der roten Ampel am Ende der Boxengasse jedoch auf Platz 14 zurückgeworfen und dürfte somit im Meisterschaftskampf keine Rolle mehr spielen.

Auf Rang 6 folgt mit 99,39 Prozent überraschenderweise Jose Maria Lopez. Der Dragon-Pilot erlebte dennoch wieder einmal ein Wochenende zum Vergessen: Sein Teamkollege Max Günther holte erneut zehn Punkte für die Dragon-Truppe, Lopez wurde nach einem höchstens durchschnittlichen Rennen disqualifiziert, weil er zu viel Leistung abgerufen hatte. Es folgt Antonio Felix da Costa (99,36 Prozent). Den Portugiesen in BMW-Diensten "rettete" dabei die schnellste Rennrunde. Im Qualifying fuhr er als zweiter Fahrer in Gruppe 1 über die Ziellinie, ließ aber als einer der wenigen Piloten vorher die Aufwärmrunde mit 200 kW aus. Kalte Vorderreifen und die noch "grüne" Strecke sorgten dafür, dass Felix da Costa von Startplatz 20 ins Rennen gehen musste.

Unmittelbar hinter ihm liegt Günther mit 99,26 Prozent. Nach schwachen Leistungen im Freien Training zeigte der junge Oberstdorfer im Qualifying wieder seine Klasse - zum dritten Mal in dieser Saison stellte er seinen Dragon-Boliden auf Startplatz 5. Diese Position belegte er letztlich auch im Rennen und erreichte somit abermals sein bislang bestes Formel-E-Resultat aus Paris.

Stoffel Vandoorne war wieder einmal der schnellere der beiden HWA-Piloten und belegte mit 99,20 Prozent Rang 11, unmittelbar vor Daniel Abt, der es auf 99,18 Prozent brachte. Lucas di Grassi erreichte nur 99,13 Prozent, gleichbedeutend mit Rang 14. Pascal Wehrlein holte 98,92 Prozent und Platz 19. Jedoch täuscht dies möglicherweise: der Mahindra-Pilot hätte ohne seine schwache Renn-Performance - seine schnellste Rennrunde war 2,3 Sekunden langsamer als die von Antonio Felix da Costa - im engen Feld der Formel E ganz vorne gelegen. So hält er nur Gary Paffett im zweiten HWA (98,53 Prozent) und die beiden NIO-Piloten Tom Dillmann (98,43) und Oliver Turvey (98,08) hinter sich.

20 Meter zwischen Platz 1 und Platz 19

Wenn man die Rückstände anhand der Rundenlänge (2,75 km) in Meter umrechnet, ergibt sich pro Runde folgendes Bild: Evans liegt virtuell nach einer Runde 2,59 Meter vor Vergne. Frijns folgt 1,40 Meter hinter dem Meisterschaftsführenden und liegt seinerseits 2,17 Meter vor seinem Teamkollegen Bird. Lotterer folgt nach 25 Zentimetern, hat aber seinerseits lediglich 56 Zentimeter Vorsprung auf Lopez.

Dann sind es wieder nur 67 Zentimeter zu Felix da Costa, bevor nach 2,85 Metern Günther kommt. Buemi folgt 72 Zentimeter hinter dem Deutschen, und mit weiteren zehn Zentimetern Rückstand beschließt Alex Lynn die Top 10. Wehrlein hat auf Platz 19 ganze 20 Meter Rückstand auf die Spitze, bevor die Abstände richtig groß werden: Paffett folgt nach 10,65 Metern, also mehr als zwei Fahrzeuglängen. Dahinter kommt nach 2,72 Metern Dillmann, Turvey liegt weitere 9,65 Meter zurück und bildet damit einsam das Schlusslicht des Feldes. Pro Runde verliert er fast 43 Meter auf Vergne.

Performance-Rating der Teams

Im Performance-Rating der Teams geht es deutlich enger zu: Jaguar gewinnt durch die gute Performance von Evans mit 99,64 Prozent vor Mahindra mit 99,60 Prozent. Halt, stopp: Mahindra? Und das, obwohl die Fahrer des indischen Teams nur die Positionen 13 und 19 belegen?

Hier kommt die schwache Performance von Wehrlein im Rennen zum Tragen. Nach dem Qualifying lag der Deutsche noch an der Spitze des Feldes, im Rennen fuhr dann sein Teamkollege d'Ambrosio eine der schnellsten Rennrunden - nur Felix da Costa und Alex Sims waren schneller als der Belgier.

Den dritten Rang belegte DS Techeetah (99,59) vor Dragon (99,55), Nissan (99,51), BMW (99,47) und Virgin (99,46). Weniger als 0,2 Prozent fehlen dem Audi-Kundenteam auf die Spitze, dennoch reicht es nur zu Rang 7 in unserer Analyse. Dies verdeutlicht, wie eng es zwischen den Teams in der Elektrorennserie erneut zuging.

Dahinter folgen Audi (99,37), HWA (99,28), Venturi (99,26) und weit abgeschlagen am Ende des Feldes NIO mit 98,43 Prozent.

Erneut die Umrechnung in Meter: Nach einer Runde auf dem 2.750 Meter langen Kurs hat Jaguar virtuell 98 Zentimeter Vorsprung auf Mahindra, bevor 50 Zentimeter dahinter DS folgt. Dragon liegt anschließend 1,04 Meter zurück, genau der gleiche Abstand, den auch Nissan von den US-Amerikanern trennt. Nach 99 Zentimetern kommt BMW, bevor nach weiteren 46 Zentimetern Virgin folgt. Audi ist 2,48 Meter zurück. Es folgen nach weiteren 2,45 Metern HWA und 41 Zentimeter dahinter Venturi.

Die ersten zehn Teams sind damit durch genau 10,34 Meter getrennt - nur etwas mehr als zwei Fahrzeuglängen. Der Rückstand von NIO ist mit 32,22 Metern im Vergleich dazu gigantisch. Die Chinesen sind in dieser Saison nicht konkurrenzfähig.

Erklärung des Berechnungssystems (Explanation of the calculation system)

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden anschließend die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da die Piloten nur jeweils eine 250-kW-Runde in jedem der beiden Freien Trainings haben, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden Freien Trainings. Somit ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert, unser "Performance-Rating". Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall, einen größeren Fahrfehler oder erzielt in einer Session keine Rundenzeit, fließt diese Session selbstverständlich nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

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In order to work out a respective driver's performance rating, each session's overall best time is divided by the driver's personal best lap time. The result is then converted into percentages, from which we can, through addition of all percentages and division by the number of sessions, calculate an average "performance percentage". We rate only the best rating of the two free practice sessions. The calculation method is similar for the teams, whereas we only pick the better of their two available times.

In case a driver doesn't set a time or makes a big mistake during qualifying, where he has just one try, his time is excluded from our assessment, expunging possible outliers.

von Tobias Wirtz 

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