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Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken zur Formel E in New York

Jean-Eric Vergne hat es wieder geschafft: Ein Ausfall und ein siebter Platz reichten dem Franzosen zur Titelverteidigung. Die Hauptprotagonisten am "Big Apple" waren jedoch andere: Sebastien Buemi hielt mit der Pole-Position und dem Sieg am Samstag seine Titelchancen am Leben, bevor er dank eines dritten Platzes am Sonntag noch Vizemeister wurde. Auch Jaguar-Pilot Mitch Evans hatte nach Rang 2 am Samstag noch rechnerische Titelchancen. Er brauchte jedoch einen Sieg am Sonntag, den stattdessen Virgin-Pilot Robin Frijns holte und damit seine Null-Punkte-Serie seit dem Paris E-Prix, den er ebenfalls gewonnen hatte, beendete. Die übrigen beiden Podestplätze gingen an die BMW-Piloten Antonio Felix da Costa und Alexander Sims.

Premiere in New York City: Erstmals 3 Attack-Mode-Aktivierungen

War es in ausnahmslos jedem vorausgegangenen Rennen dieser Saison üblich, dass der Attack-Mode zweimal für je vier Minuten aktiviert werden musste, änderten die FIA-Offiziellen kurz vor dem Start in das Sonntagsrennen von New York erstmals die Vorgaben für die Teams. Gleich dreimal mussten die Fahrer im E-Prix ihren 225-Kilowatt-Modus freischalten, der vor dieser Saison als neues strategisches Element eingeführt worden war.

Unabhängig davon zeichnete sich in New York City eine Tendenz zur frühen Attack-Mode-Freischaltung ab. Sowohl am Samstag (zwei Aktivierungen) als auch am Sonntag (drei Aktivierungen) war der Attack-Mode im ersten Renndrittel bei den Fahrern am beliebtesten.

Fuhren samstags noch höchstens elf Fahrer zeitgleich mit 225 kW um den Kurs in Brooklyn, waren in den Runden 9 und 10 am Sonntag stolze 20 Piloten gleichzeitig im Attack-Mode unterwegs. Erneut zeichnete sich dabei ein Nachahmungsmuster ab: Viele Piloten schalteten in der Runde, nachdem ihre direkten Rivalen in den Attack-Mode gingen, in den stärkeren Leistungsmodus, um den Power-Vorteil des Konkurrenten auszugleichen und einen "Undercut" zu verhindern.

Fotos: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

New York City: Sims Sieger im Performance-Rating

Doch haben beim Saisonfinale tatsächlich die schnellsten Fahrer am Ende die vordersten Plätze belegt? Auf Grundlage der von der FIA zur Verfügung gestellten Daten blicken wir in unserer obligatorischen Performance-Analyse auf die Einzelleistung jedes Fahrers im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Unsere Performance-Analyse ist natürlich nicht frei von gewissen Einflüssen, die wir leider nicht vollständig herausfiltern können - beispielsweise absichtliches Langsamfahren im Freien Training oder Fahrfehler auf der einzigen Qualifying-Runde, sofern sie denn zustande kommt. Eine detaillierte Erklärung unseres Berechnungssystems findest du am Ende dieses Artikels.

Gewinner in der Fahrerwertung unserer Performance-Analyse ist dieses Mal BMW-Pilot Alexander Sims. Mit 99,76 Prozent sicherte er sich die Spitzenposition in unserem Rating. Wenig überraschend, wenn man sich die Ergebnislisten der einzelnen Sessions ansieht: So war Sims in jedem Freien Training, Qualifying, Super-Pole und Rennen unter den ersten Fünf zu finden.

Den zweiten Platz in unserem Rating belegt Daniel Abt, der es auf 99,69 Prozent brachte. Der neue Audi-Vertrag für die kommende Saison hat ihm wohl Auftrieb gegeben, auch wenn er seine starke Performance nicht in ein Podiumsresultat umsetzen konnte. Drittplatzierter in unserer Analyse ist Sebastien Buemi. Der Schweizer ist wohl als Mann des Wochenendes zu bezeichnen und war mit 43 Punkten der erfolgreichste Fahrer des Starterfeldes. Über alle Sessions gerechnet beträgt seine Performance 99,60 Prozent.

Vierter im Performance-Rating wurde mit 99,58 Prozent der alte und neue Champion Jean-Eric Vergne. Die Ergebnisse in New York City spiegel nicht wider, was mit seinem Fahrzeug möglich gewesen wäre - sicherlich auch deshalb, weil Vergne beide Male in Qualifying-Gruppe 1 an den Start gehen und daher die Rennen von relativ weit hinten aufnehmen musste.

Max Günther weit weg von der Spitze

Auf dem fünften Platz landete mit 99,46 Prozent Sam Bird, knapp vor seinem Teamkollegen Robin Frijns. Der Niederländer brachte es auf 99,44 Prozent. Mit starken Leistungen schafften es die beiden Virgin-Piloten, allen voran Frijns mit seinem Sieg am Sonntag, dem Team noch den dritten Platz in der Teamwertung zu sichern.

Auf Rang 7 folgt mit 99,41 Prozent Lucas di Grassi. Der Ex-Champion war - genau wie Vergne - durch die Teilnahme in Qualifying-Gruppe 1 gehandicapt, zeigte im Rennen dann aber eine bessere Performance und arbeitete sich Position für Position nach vorn. Es folgt Jaguar-Pilot Mitch Evans (99,37 Prozent). Der Neuseeländer präsentierte sich besonders im Samstagsrennen unheimlich stark, was ihm erneut ein Podium bescherte. Am Sonntag war er bis zuletzt auf Punktekurs, als in der letzten Runde seine Batterie überhitzte und er mit nachlassender Leistung den heranstürmenden di Grassi in die Mauer drängte.

Die Top 10 beschließen Antonio Felix da Costa (99,36 Prozent) und Oliver Rowland (99,34 Prozent). Nach teilweise sehr guten Leistungen in den letzten Rennen waren beide ihrem jeweiligen Teamkollegen an diesem Wochenende nicht ebenbürtig.

Ein Blick auf die übrigen interessanten Piloten aus deutscher und Schweizer Sicht: Pascal Wehrlein belegt mit 99,17 Prozent Platz 13, unmittelbar vor HWA-Pilot Stoffel Vandoorne (99,16) und Andre Lotterer (99,05). Edoardo Mortara belegt mit 98,96 Prozent Platz 18 vor Gary Paffett (98,90) und Maximilian Günther (98,79). Schwächer waren lediglich die beiden NIO von Tom Dillmann (98,79) und Oliver Turvey (98,40).

1,54 Meter Vorsprung für Sims

Wenn man die Abstände anhand der Rundenlänge (2,32 km) in Meter umrechnet, ergibt sich pro Runde folgendes Bild: Sims liegt virtuell nach einer Runde 1,54 Meter vor Abt. Buemi fehlen 2,08 Meter auf den Deutschen, der seinerseits 57 Zentimeter vor Vergne liegt. 2,85 Meter zurück folgt Bird, der jedoch nur 29 Zentimeter Vorsprung auf Frijns hat.

Dann sind es wieder nur 68 Zentimeter zu di Grassi, bevor nach 1,06 Metern Evans kommt. Felix da Costa folgt 29 Zentimeter hinter dem Brasilianer, und mit weiteren 46 Zentimetern Rückstand beschließt Rowland die Top 10. Paffett hat auf Platz 19 ganze 19,99 Meter Rückstand auf die Spitze, aber 2,50 Meter Vorsprung auf Günther. Dahinter kommt nach elf Zentimetern Dillmann. Turvey liegt weitere 8,95 Meter zurück und bildet damit einsam das Schlusslicht des Feldes. Pro Runde verliert er im Schnitt fast 32 Meter auf Sims.

Performance-Rating der Teams

Im Performance-Rating der Teams geht es deutlich enger zu: BMW gewinnt durch die gute Performance beider Fahrer mit 99,78 Prozent vor Virgin mit 99,75 Prozent. Aber die Verfolger sind dem Spitzenduo eng auf den Fersen: Nissan kommt auf 99,71 Prozent und Audi auf 99,69 Prozent.

Erst dann kommt die erste Lücke zu DS Techeetah (99,58). Es folgt Jaguar mit 99,52 Prozent. Mahindra hat mit 99,43 Prozent wieder einen etwas größeren Rückstand vor HWA (99,37). Dann klafft ein deutlicher Abstand zu Venturi, die es auf lediglich 99,16 Prozent brachten. Dragon liegt mit 99,11 Prozent knapp dahinter, bevor am Ende des Feldes - einsam und verlassen - NIO mit 99,78 Prozent das Schlusslicht bildet.

Erneut die Umrechnung in Meter: Nach einer Runde auf dem 2.320 Meter langen Kurs hat BMW virtuell 77 Zentimeter Vorsprung auf Virgin, bevor 90 Zentimeter dahinter Nissan folgt. Audi liegt anschließend aber auch nur 41 Zentimeter zurück. Vier Teams liegen also innerhalb von nur 2,06 Metern.

Nach 2,66 Metern kommt DS Techeetah, hat seinerseits jedoch 1,29 Meter Vorsprung auf Jaguar. Mahindra fehlen weitere 2,27 Meter, HWA noch einmal 1,32 Meter. Venturi trennt ganze 4,82 Meter auf eine Runde von seinem eigenen Kundenteam, Dragon folgt 1,24 Meter dahinter.

Die ersten zehn Teams sind damit durch genau 15,64 Meter getrennt - nur etwas mehr als drei Fahrzeuglängen. Der Rückstand von NIO ist mit 22,79 Metern im Vergleich erneut ziemlich deutlich. Die Chinesen dürften froh sein, dass die fünfte Saison mit ihrem offensichtlich weit unterlegenen Antrieb vorbei ist.

Erklärung des Berechnungssystems (Explanation of the calculation system)

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden anschließend die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da die Piloten nur jeweils eine 250-kW-Runde in jedem der beiden Freien Trainings haben, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden Freien Trainings. Somit ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert, unser "Performance-Rating". Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall, einen größeren Fahrfehler oder erzielt in einer Session keine Rundenzeit, fließt diese Session selbstverständlich nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

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In order to work out a respective driver's performance rating, each session's overall best time is divided by the driver's personal best lap time. The result is then converted into percentages, from which we can, through addition of all percentages and division by the number of sessions, calculate an average "performance percentage". We rate only the best rating of the two free practice sessions. The calculation method is similar for the teams, whereas we only pick the better of their two available times.

In case a driver doesn't set a time or makes a big mistake during qualifying, where he has just one try, his time is excluded from our assessment, expunging possible outliers.

von Tobias Wirtz  

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Kommentar von Peter |

Was ist diese Season eigentlich aus dem "Debrief an der Bar" geworden?

Kommentar von Timo |

Hallo Peter, freut uns, dass du nachfragst. :) Leider hat die Serie "Debrief an der Bar" nicht so gut funktioniert wie erhofft. Deshalb haben wir sie nach einer Saison wieder fallen gelassen. Gruß, Timo

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