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Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken zur Formel E in Paris

In einem äußerst ereignisreichen und von Wetterkapriolen geprägten Paris E-Prix kürte sich Robin Frijns am Samstag im achten Saisonrennen zum achten Sieger. Envision Virgin Racing wurde damit zum ersten Team, von dem beide Fahrer diese Saison ganz oben auf dem Podest stehen konnten. Das Qualifying hatte jedoch noch ganz im Zeichen von Mahindra und Nissan e.dams gestanden. Aus unterschiedlichen Gründen gingen Oliver Rowland, Sebastien Buemi und Jerome d'Ambrosio komplett leer aus. Der ursprüngliche Pole-Sitter Pascal Wehrlein rettete mit Platz 10 wenigstens einen mageren Punkt.

Attack-Mode im "Rhythmus" des Chaos-Rennens

Für Gesprächsstoff sorgte bereits vor dem Start in das Rennwochenende die Attack-Zone. Ursprünglich war sie in der Mitte der Gegengeraden platziert worden. Bei der Streckenbegehung am Freitagvormittag stellten die Teams jedoch überraschend fest, dass die Aktivierungszone einige Meter nach vorn verlegt wurde. Somit mussten die Fahrer unplanmäßig doch eine andere Linie durch die langsame Haarnadelkurve 9 finden, um den 225-kW-Modus freizuschalten. Angedacht war ursprünglich, dass sie bei Vollgas lediglich auf die rechte Seite der Fahrbahn fahren.

Bereits in der ersten Runde der Freigabe schaltete Edoardo Mortara (Venturi) in den Attack-Mode. Im weiteren Verlauf aktivierten immer neue Fahrer den Boost, sodass kurz vor dem Einsetzen des Regens in Rennrunde 13 mit elf zeitgleichen Aktivierungen die meisten Piloten im Attack-Mode fuhren. Einzig in den Runden 16, 20, 21 und 32 war kein Fahrer im Attack-Mode unterwegs.

Während der Full-Course-Yellow-Phasen war der Modus ebenfalls sehr beliebt. Durch das geltende Überholverbot mussten die Fahrer bei der Aktivierung keinen Platzverlust befürchten und konnten getrost die langsamere Linie für die Attack-Zone wählen. Weitere "Höhepunkte" bildeten die Runden 23 und 24, in denen jeweils sieben Piloten bei Regen im Attack-Mode fuhren.

Rowland gewinnt e-Formel.de Performance-Rating

Doch auch abseits der häufig kontroversen Attack-Mode-Thematik gibt es nach dem Paris E-Prix jede Menge in kleinteiliger Arbeit zu analysieren. Auf Grundlage der von der FIA zur Verfügung gestellten Daten blicken wir in unserer obligatorischen Performance-Analyse auf die Einzelleistung jedes Fahrers im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Eines vorweg: Unsere Performance-Analyse ist natürlich nicht frei von gewissen Einflüssen, die wir leider nicht vollständig herausfiltern können - beispielsweise absichtliches Langsamfahren im Freien Training oder Fahrfehler auf der einzigen Qualifying-Runde. Eine detaillierte Erklärung unseres Berechnungssystems findest du am Ende dieses Artikels.

Der Gewinner in der Fahrerwertung unserer Performance-Analyse ist zum dritten Mal in Folge ein Nissan-Fahrer. Dieses Mal steht jedoch Oliver Rowland mit 99,90 Prozent an der Spitze unserer Wertung. In allen gezeiteten Sessions war Rowland mindestens in den Top 3 des Klassements zu finden und zeigte erneut sein Potenzial und das seines Nissan IM01. Wegen eines Fahrfehlers in der Anfangsphase fiel er im Rennen jedoch ans Ende des Feldes zurück. Seine anschließende Aufholjagd war ebenso wenig von Erfolg gekrönt: Auf regennasser Piste traf er bei einem Überholversuch den Boliden von Alexander Sims (BMW), sodass ihm die Rennkommissare eine Startplatzstrafe von drei Plätzen für den Monaco E-Prix aufs Auge drückten.

Zweiter im Performance-Rating wurde mit 99,79 Prozent Rowlands Teamkollege Sebastien Buemi. Auch der Schweizer zeigte eine sehr gute Leistung, bis er infolge einer Kollision mit dem späteren Rennsieger Robin Frijns einen Reifenschaden erlitt und weit zurückfiel. Buemi bleibt somit auch im achten Saisonrennen ohne Podium - und das, obwohl er von der reinen Pace her womöglich vier der bisherigen acht Rennen hätte gewinnen können.

Auf dem dritten Platz im Performance-Rating landete mit 99,75 Prozent erneut Andre Lotterer. Mit mehreren sehr aggressiven Manövern arbeitete sich der DS-Techeetah-Pilot bis auf den zweiten Platz nach vorn und zementierte so seine Ambitionen im Kampf um den Titel. Außerdem übernahm er die Führung in der Wertung der voestalpine European Races.

Annähernd identische Pace von Platz 4 bis Platz 18

Auf Rang 4 folgt Lucas di Grassi mit 99,58 Prozent. Der Audi-Fahrer holte in Paris zwölf wichtige Punkte für sich und das Team im Kampf um den Titel. Hinter dem Brasilianer liegen mit Mitch Evans (99,53), Jerome d'Ambrosio (99,52) und Daniel Abt (99,50) drei Fahrer auf Augenhöhe. Evans und d'Ambrosio gingen nach einem Start von weit hinten im ereignisreichen Rennen leer aus. Abt gelang nach seinem ersten Ausfall der Saison in Rom mit Platz 3 der Befreiungsschlag, nachdem er nun wieder im Kampf um den Fahrertitel auftaucht. Nach einer kleinen Lücke folgt der nächste Pulk mit Antonio Felix da Costa (99,38), Jean-Eric Vergne (99,37) und Robin Frijns (99,36). Felix da Costa und Vergne konnten mit den Plätzen 7 bzw. 6 Schadensbegrenzung betreiben. Frijns übernahm dank einer fehlerfreien fahrerischen Leistung mit dem Sieg die Gesamtführung in der Meisterschaft.

Ein Blick auf die übrigen Deutschen und Schweizer: Maximilian Günther wurde mit 99,32 Prozent Elfter, Edoardo Mortara belegte mit 99,22 Prozent Platz 13. Pascal Wehrlein kam auf 99,19 Prozent, was nur zu Rang 15 reichte. Am Ende des Feldes tut sich hinter den beiden HWA-Piloten, die auf den Plätzen 17 und 18 lagen, eine Lücke auf: Alex Lynn (99,01) liegt hier knapp vor Oliver Turvey (99,00). Dahinter kommen nur noch Jose Maria Lopez (98,90) und Alexander Sims (98,45). Dem Briten werden seine schlechten Zeiten in den Freien Trainings zum Verhältnis, als ihm beide Male mehr als zwei Sekunden auf den Trainingsschnellsten fehlten.

Rowland auf eine Runde mehr als 2 Meter vorne

Wenn man die Rückstände anhand der Rundenlänge (1,92 km) in Meter umrechnet, ergibt sich pro Runde folgendes Bild: Rowland liegt virtuell 2,07 Meter vor Buemi, 77 Zentimeter später folgt Lotterer. Di Grassi liegt weitere 3,43 Meter zurück, hat jedoch nur 84 Zentimeter Vorsprung auf Evans, den seinerseits nur 31 Zentimeter von d'Ambrosio trennen. Abt liegt weitere 36 Zentimeter zurück. Felix da Costa hat 2,18 Meter Rückstand auf den Deutschen, nach 26 Zentimetern folgt Vergne, der wiederum acht Zentimeter Vorsprung auf Frijns hat.

Der kurzen Rundenlänge geschuldet ist der relativ geringe Rückstand des hinteren Feldes: Bis auf Sims liegen alle Fahrer innerhalb von 20 Metern. Der BMW-Pilot hat jedoch mehr als fünf Fahrzeuglängen pro Runde Rückstand auf die Spitze.

Performance-Rating der Teams

Das Performance-Rating bei den Teams wirkt nach den Fahrer-Ratings kaum überraschend: Nissan gewinnt auch hier mit 99,90 Prozent vor DS Techeetah (99,75). Den dritten Platz belegt Jaguar mit 99,66 Prozent.

Es folgt Audi mit 99,59 Prozent knapp vor dem eigenen Kundenteam Virgin (99,57) und Mahindra, die es auf 99,52 Prozent brachten. Hinter den Indern tut sich eine größere Lücke auf, bevor die letzten fünf Teams eng beieinander liegen: BMW macht mit 99,38 Prozent den Anfang vor NIO (99,33 Prozent) - nach mehreren Rennen mit der "roten Laterne" ein Hoffnungsschimmer für das Team des chinesischen Elektroauto-Herstellers, auch wenn NIO kaum etwas von den Verfolgern trennt: Venturi (99,33), Dragon (99,32) und HWA (99,31).

Erneut die traditionelle Umrechnung in Meter: Nach einer Runde auf dem 1.920 Meter langen Kurs um den Invalidendom distanziert Nissan den ersten Verfolger DS Techeetah um 2,91 Meter. Jaguar liegt weitere 1,88 Meter zurück. Nach 1,32 Metern folgt Audi, die 40 Zentimeter Vorsprung auf Virgin haben. 98 Zentimeter dahinter folgt Mahindra, nach weiteren 2,55 Metern dann BMW. Der Vorsprung auf NIO beträgt 95 Zentimeter.

Der Rückstand von Venturi lässt sich weder mit dem Auge, noch mit einer Lupe feststellen - es bedarf hier schon fast eines Mikroskopes: 0,26 Millimeter - das ist ungefähr viermal so dick wie ein menschliches Haar. Das ist die mit Abstand engste Differenz, die wir jemals in unserer Performance-Analyse ermittelt haben. Im Vergleich dazu ist der Vorsprung von Venturi auf Dragon ganze 678 Mal so groß - er beträgt rund 17 Zentimeter. HWA hat am Ende des Feldes noch einmal 22 Zentimeter Rückstand auf die US-Amerikaner.

Erklärung des Berechnungssystems

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden anschließend die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da die Piloten nur jeweils eine 250-kW-Runde in jedem der beiden Freien Trainings haben, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden Freien Trainings. Somit ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert, unser "Performance-Rating". Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall, einen größeren Fahrfehler oder erzielt in einer Session keine Rundenzeit, fließt diese Session selbstverständlich nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Foto: Nissan

von Tobias Wirtz 

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