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Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken zur Formel E in Rom

Nach einem erneut von einer Rennunterbrechung geprägten Rom E-Prix holte Mitch Evans am Samstag den allerersten Formel-E-Sieg in der Geschichte des Jaguar-Teams. Damit setzte sich in der überaus abwechslungsreichen Formel-E-Saison 2018/19 eine beeindruckende Serie weiter fort: Nach sieben Saisonrennen haben wir sieben Sieger von sieben verschiedenen Teams gesehen. Auch im Qualifying ist die Bilanz ähnlich: Andre Lotterer war bereits der siebte unterschiedliche Pole-Sitter der Saison.

Attack-Mode trennt Rennen in 2 Teile

Der Attack-Mode, der den Formel-E-Piloten in dieser Saison als strategisches Element 25 zusätzliche Kilowatt Leistung zur Verfügung stellt, teilte das Rennen in Rom in zwei klar erkennbare Phasen ein. Wie schon in den letzten E-Prix schalteten die meisten Fahrer ihren Modus beim Neustart des Rennens nach der roten Flagge scharf, da sie durch die Aktivierung keinen Platzverlust fürchten mussten.

Zwischen den Runden 3 und 13 fuhr stets mindestens ein Fahrer im Attack-Mode, ehe die Aktivierungen für zwei Runden abflachten. Zwischen Rennrunde 16 und dem Zieleinlauf in Runde 29 waren dann erneut zu jedem Zeitpunkt Fahrer im 225-kW-Modus unterwegs. Erstmals überquerten zudem Fahrer die Ziellinie im Attack-Mode. Kurios dabei: Maximilian Günther (Dragon), der in der letzten Runde ohne Energie ausrollte, hätte das Rennen nach einem Datenblatt der FIA ohne die eigentlich verpflichtende zweite Aktivierung beendet. Da auch die beiden Mahindra-Fahrer d'Ambrosio (8.) und Wehrlein (10.) scheinbar nur einen Attack-Mode aktivierten und Untersuchungen der Rennleitung ausblieben, liegt jedoch der Verdacht eines Transponder-Fehlers an den drei Autos nahe.

Buemi siegt erneut im Performance-Rating

Doch was sagen die harten Fakten? Wie haben sich die einzelnen Fahrer durch alle Sessions hindurch geschlagen? In unserer obligatorischen Performance-Analyse blicken wir auf die Einzelleistung jedes Fahrers im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Eines vorweg: Unsere Performance-Analyse ist natürlich nicht frei von gewissen Einflüssen - beispielsweise absichtliches Langsamfahren im Freien Training oder Fahrfehler auf der einzigen Qualifying-Runde -, die wir leider nicht vollständig herausfiltern können. Eine detaillierte Erklärung unseres Berechnungssystems findest du am Ende dieses Artikels.

Der Gewinner in der Fahrerwertung unserer Performance-Analyse ist - wie bereits in Sanya - Sebastien Buemi mit 99,55 Prozent. Der Nissan-Fahrer war dabei in keiner Session ganz oben auf dem Tableau zu finden, zeigte aber eine überragende Konstanz. Nach den Plätzen 5 und 3 in den Freien Trainings war er im Qualifying Sechster, bevor er im Rennen die zweitschnellste Runde fuhr. Da Jean-Eric Vergne infolge einer Strafe aus den Top 10 fiel, erhielt Buemi dennoch den hierfür ausgeschriebenen Zusatzpunkt und nahm nach Platz 5 im Rennen elf Zähler mit nach Hause.

Zweiter im Performance-Rating wurde mit minimalem Rückstand und 99,54 Prozent eben jener Jean-Eric Vergne. Seine einzige Schwäche leistete sich der Titelverteidiger dabei im Qualifying, als es für ihn in der benachteiligten Quali-Gruppe 1 und mit einem kleinen technischen Problem nur zu Startplatz 16 reichte. Im Rennen arbeitete er sich bis in die Punkteränge vor, erhielt aber wegen eines nicht legalen Überholmanövers während der Full-Course-Yellow-Phase eine Strafe, die ihn wieder nach hinten warf.

Auf dem dritten Platz landete mit 99,44 Prozent der Pole-Sitter und Rennzweite, Vergnes Teamkollege Andre Lotterer. Obwohl er erneut einen möglichen Sieg verpasste, ist er mit den 21 Punkten, die er in Rom erzielte, jetzt mittendrin im Titelkampf.

Marginale Unterschiede im gesamten Mittelfeld

Es folgte der Sieger von Rom, Mitch Evans (99,33). Der Jaguar-Fahrer zeigte ein sehr gutes Qualifying und ein äußerst abgeklärtes Rennen. Es gelang ihm so zum ersten Mal seit dem Saisonauftakt von Saison 4, die sehr gute Performance seines Jaguars im Rennen in einen Podestplatz umzumünzen. Hinter dem Neuseeländer lagen zwei Fahrer auf Augenhöhe: Oliver Rowland und Antonio Felix da Costa, die es auf 99,20 bzw. 99,19 Prozent brachten. Von den Plätzen 10 und 11 gestartet, schafften es beide in die Punkte, auch wenn ihre Performance nicht so gut war wie zuletzt noch in Sanya.

Dahinter folgte der schnellste Fahrer des "Audi-Zugs", Robin Frijns. Der Niederländer mischt aktuell als einziger noch siegloser Fahrer neben Lotterer im Meisterschaftskampf mit und erzielte in Rom 99,05 Prozent. Mit seinem vierten Platz überholte er in der Gesamtwertung sogar seinen schnellen, aber zuletzt glücklosen Teamkollegen Sam Bird. Hinter ihm folgten mit Lucas di Grassi (99,01) und Sam Bird (98,99) zwei weitere Fahrer mit Audi-Antrieb.

Beide mussten in der ersten Qualifying-Gruppe starten, was ihnen jede Chance auf eine guten Startplatz raubte. Di Grassi schaffte es immerhin noch in die Punkte, Bird wurde nach einem Unfall in der ersten Runde, der ihn auf den letzten Platz zurückwarf, am Ende noch Elfter. Der Brite musste sich aber bei der Rennleitung und seinen Mechanikern bedanken, dass er beim Re-Start überhaupt noch dabei war: In der fast 50 Minuten langen Rennunterbrechung wechselte seine Boxencrew die beim Unfall gebrochene Hinterradaufhängung.

Die Top 10 beschloss Mahindra-Pilot Pascal Wehrlein mit 98,96 Prozent. Für den Beinahe-Sieger von Mexiko-Stadt reichte es auch im Rennen nur zu Platz 10, siegfähig scheinen weder Wehrlein noch sein Mahindra-Team derzeit zu sein. Dazu kam wieder mal ein Fehler des jungen Deutschen: Als nach dem Unfall von Lopez im 2. Freien Training die roten Flaggen geschwenkt wurden, verlangsamte er nicht, wie vorgeschrieben, auf 50 km/h. Die Folge war eine Rückversetzung in der Startaufstellung um fünf Plätze. Von Startplatz 14 aus war ein Kampf um die vorderen Plätze dann im Rennen nahezu unmöglich.

Gute Performance von Stoffel Vandoorne

Der Renndritte, HWA-Pilot Stoffel Vandoorne, lag mit 98,88 Prozent hinter Jose Maria Lopez auf Platz 12. Nachdem er bereits mehrfach im Qualifying seinen Speed zeigen konnte, folgte im Rennen nun sein erstes Top-10-Ergebnis und gleichzeitig das erste Podium für den jungen Belgier und für HWA Racelab. Ein Blick auf die beiden übrigen Deutschen: Daniel Abt lag mit 98,85 Prozent auf Platz 13, Max Günther mit 98,46 Prozent nur auf Platz 18.

Abt erwischte einen gebrauchten Tag, da er im Qualifying ein nicht näher beschriebenes technisches Problem als Folge eines Sprungs über die "Sprungschanze" in Kurve 8 erlitt. Im Gegensatz dazu war das Qualifying die einzige Session, in der Günther das Potenzial seines Dragon-Renners zeigen konnte. Nach einem spektakulären Beinahe-Abflug auf nasser Strecke in der ersten Runde ging der Ersatz für den verhinderten Felipe Nasr am Ende genauso ohne Punkte nach Hause wie Abt - Letzerer übrigens zum ersten Mal seit dem Zürich E-Prix im Juni vergangenen Jahres.

Am Ende des Feldes waren, wie bereits mehrfach in dieser Saison, die beiden NIO-Piloten zu finden. Gelang es Oliver Turvey mit 98,30 Prozent immerhin noch, wenigstens Felipe Massa (identisches gerundetes Ergebnis) hinter sich zu halten, wurde Tom Dillmann mit 98,16 Prozent Letzter.

Abstände: Auf eine Runde nur 33 Zentimeter Vorsprung

Wenn man die Rückstände anhand der Rundenlänge (2,870 km) in Meter umrechnet, ergibt sich pro Runde folgendes Bild: Buemi liegt virtuell 33 Zentimeter vor Vergne, 2,90 Meter später folgt Lotterer. Evans liegt weitere 3,27 Meter zurück, hat seinerseits jedoch 3,63 Meter Vorsprung auf Rowland, den nur 30 Zentimeter von Felix da Costa trennen. Frijns liegt 4,08 Meter hinter dem BMW-Piloten und hat 1,15 Meter Vorsprung auf di Grassi. Dieser liegt 50 Zentimeter vor Bird, der wiederum 0,71 Meter vor Wehrlein liegt.

Turvey und Massa verlieren am Ende des Feldes fast 36 Meter auf Buemi, Dillmann sogar mehr als 40 Meter.

Performance-Rating der Teams

Bei den Teams gibt es zum ersten Mal in der Geschichte unserer Performance-Analyse das rechnerische Maximalergebnis von 100 Prozent bei einem E-Prix: DS Techeetah ist dank Bestzeiten im 2. Freien Training, Qualifying und Rennen nicht zu schlagen gewesen. Die chinesisch-französische Kombination verwies damit Nissan e.dams (99,61 Prozent) und Jaguar (99,33 Prozent) auf die Plätze. Es folgen BMW (99,19) und Virgin (99,17).

Mit einem etwas größeren Abstand kommen anschließend Audi (99,01), Mahindra (98,96), Dragon (98,91) und HWA (98,88), bevor eine weitere Lücke zu Venturi klafft, die es auf 98,59 Prozent brachten. Am Ende des Feldes liegt NIO. Die Chinesen liegen mit 98,31 Prozent schon deutlich hinter der Konkurrenz zurück.

Erneut die traditionelle Umrechnung in Meter: Nach einer Runde auf dem 2.870 Meter langen Circuito Cittadino dell’EUR: Nissan verliert mit 11,19 Meter bereits mehr als zwei Fahrzeuglängen auf DS Techeetah, Jaguar folgt weitere 8,17 Meter dahinter. Weitere 3,94 Meter sind es zu BMW, die dann 56 Zentimeter Vorsprung auf Virgin haben. Nach 4,68 Metern folgt das Audi-Werksteam, bevor weitere 1,20 Meter später Mahindra liegt. 1,58 Meter sind es zu Dragon, die 0,73 Meter vor HWA liegen. 8,51 Meter weiter hinten folgt das Venturi-Werksteam, bevor nach weiteren 7,98 Metern das Schlusslicht NIO kommt. Auf die Spitzenreiter verlieren die Chinesen dabei mehr als 48 Meter pro Umlauf - fast 10 Fahrzeuglängen.

Erklärung des Berechnungssystems

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden anschließend die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da die Piloten nur jeweils eine 250-kW-Runde in jedem der beiden Freien Trainings haben, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden Freien Trainings. Somit ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert, unser "Performance-Rating". Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall, einen größeren Fahrfehler oder erzielt in einer Session keine Rundenzeit, fließt diese Session selbstverständlich nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

von Tobias Wirtz 

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Kommentar von Derbe_klopp_te |

Leider hat das Performance-Ranking, das ich durchaus sehr interessant finde immer weniger aussagekraft, weil zum einen die Q1 Gruppe einen zu großen nachteil gegenüber den anderen Gruppen hat und zum anderen der Attack-mode vieles verdreht.
Vielleicht sollte man sich überlegen ob man nicht mehr die eine schnellste Runde, sondern 3-5 schnellste Runden in den Sessions als relation nimmt, oder zwischen Attack-Mode-Runden und normalen Rennrunden unterscheidet oder nur die normalen Rennrunden nimmt.

Kommentar von Tobias Wirtz |

Hallo, danke für die Anmerkung. Der Hinweis auf den Nachteil, den die Qualifying-Gruppe 1 hat, ist zwar korrekt, allerdings auch nicht neu. Da das Qualifying rechnerisch auch nur 33% der Perfomance aus dem Rating ausmacht, sollte sich der Einfluss in Grenzen halten - das Freie Training und das Rennen haben jeweils die gleiche Gewichtung. Leider unterscheidet die Formel E nicht zwischen Attack-Mode-Runden und normalen Runden, weshalb es relativ aufwändig wäre, die Rundenzeiten zu filtern. Zumal ja auch die Möglichkeit besteht, dass der Attack-Mode nach wenigen Sekunden einer Runde abläuft...

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