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Piquet siegt in Moskau – Kurioser Fehler von e.dams

Nelson Piquet jun. hat beim Moskau ePrix seinen zweiten Saisonsieg eingefahren und damit seine Führung in der Gesamtwertung ausgebaut. Platz zwei in Russland ging an seinen brasilianischen Landsmann und Rivalen Lucas di Grassi, der einen Rückstand von mehreren Sekunden nicht mehr aufholen konnte. Sebastien Buemi holte sich durch einen packenden und harten Zweikampf mit Pole-Sitter Jean-Eric Vergne in der letzten Runde Platz drei.

Durch jenes Duell profitierte auch Venturi-Pilot Nick Heidfeld, der die Gunst der Stunde nutzte und sich durch einen Geschwindigkeitsüberschuss ebenfalls in der letzten Runde den vierten Platz schnappte. Daniel Abt landete nach gutem Start aber unauffälligem Rennen letztlich auf dem sechsten Platz hinter Vergne. Der holte sich neben der Pole-Position zunächst auch noch die schnellste Rennrunde. Später wurde ihm die Zeit jedoch aberkannt, weil er die Schikane abgekürzt hatte. Somit ging die schnellste Runde an Buemi.

Für eine der kuriosesten Szenen der Saison sorgte das Team e.dams-Renault. Buemi kam später als seine Konkurrenten an die Box, hatte zuvor viel Energie gespart. Nachdem er sein Auto getauscht hatte, saß er in der Garage und wartete geduldig auf das Zeichen seines Zeitnehmers, um wieder loszufahren. Der dachte jedoch, dass die Minimalzeit für einen Boxenstopp bei 68 Sekunden lag – in Wahrheit waren es 58.

So verlor Buemi satte zehn Sekunden in der Box – und damit auch die Chance auf ein besseres Ergebnis. “Ich bin wirklich sehr enttäuscht darüber. Wir müssen uns das intern anschauen, denn wir haben wirklich eine Menge Zeit dadurch verloren”, hadert der Schweizer. Am Ende kam Buemi elf Sekunden hinter Piquet ins Ziel. Es wäre also vermutlich knapp geworden ohne die verschenkten zehn Sekunden.

Dominanz von Anfang an

Gleich am Start kam Piquet hervorragend vom Fleck und überholte Vergne bereits in Kurve 1. Anschließend baute der China-Pilot seine Führung kontinuierlich aus, wobei er deutlich mehr Energie verbrauchte als seine Gegner, die ihrerseits sparsam fuhren und gleichzeitig von Vergne aufgehalten wurden. Folgerichtig kam Piquet als Erster an die Box und auch wieder heraus. Seinen Vorsprung konnte er bis zum Ende verteidigen, auch weil di Grassi Probleme mit der Batterietemperatur bekam und so seinen Energieüberschuss gegen Rennende nicht abrufen konnte.

Während des Rennens gab es viele packende Zweikämpfe. Antonio Felix da Costa lieferte sich ein hartes Duell mit dem vor ihm fahrenden Jarno Trulli und schickte den Italiener zweimal geradeaus durch die Schikane. Am Ende ging der Routinier leer aus, während Felix da Costa direkt hinter seinem Teamkollegen Salvador Duran als Achter ins Ziel kam – ein starkes Teamergebnis für Amlin Aguri.

Das packendste Duell spielte sich wohl aber in der letzten Runde ab. Buemi attackierte Vergne schon in Kurve zwei hinein, musste aber zunächst nachgeben. Anschließend fuhren beide fast die gesamte Runde Seite an Seite durch die engen Straßen von Moskau – inklusive Berührung. In der Schikane gerieten sie erneut aneinander: Buemi fuhr geradeaus, Vergne nahm die Kurve. Daraufhin zögerten beide kurzzeitig, Gas zu geben, um keine Strafe zu bekommen. Buemi behielt schließlich die Nase vorn: “Ich wollte ihn vorbeilassen, aber er kam nicht.” Durch das Zögern vor ihm ergriff Heidfeld die Chance und fuhr ebenfalls noch an Vergne vorbei.

Auch Unfälle gab es einige, wenngleich das Safety-Car nicht auf die Strecke kommen musste. So drehte sich etwa Bruno Senna in Kurve 1 und schlug mit dem Heck in die Mauer ein. Sein Heckflügel musste anschließend von der Strecke entfernt werden. Auch Trulli verlor seinen Heckflügel, als ihm Loic Duval in der Haarnadel hinten drauf krachte. Der lachende Dritte: Justin Wilson, der bei seiner Formel-E-Premiere einen Punkt für Andretti mitnahm.

[UPDATE] In der Fahrerwertung gibt es nach derStrafversetzung von Buemi kleinere Verschiebungen. Piquet fährt mit 17 Punkten Vorsprung auf di Grassi zum Saisonfinale nach London. Buemi folgt sechs weitere Zähler dahinter. Rein theoretisch haben noch sechs Fahrer Chancen auf den Titel. Der Sechstplatzierte Sam Bird müsste aber schon die maximalen 60 Punkte holen (je zweimal Sieg, Pole-Position und schnellste Runde), während Piquet nicht punkten dürfte. Auch Nicolas Prost und Jerome d’Ambrosio sind realistisch betrachtet aus dem Rennen. Zwischen Piquet, di Grassi und Buemi ist bei einer Differenz von 23 Punkten allerdings noch alles offen.

In der Teamwertung hat Audi Sport Abt den zweiten Platz zurückerobert, weil Dragon Racing in Russland gänzlich leer ausgegangen ist. China Racing ist nun Dritter, während Virgin weiter abrutscht und nur noch auf Rang sechs liegt. Einen Schritt nach vorn hat Heidfelds Team Venturi gemacht, das nun an siebter Stelle vor Mahindra rangiert. Spitzenreiter e.dams reist mit einem Vorsprung von 44 Punkten zum Doppelrennen nach London, wo ein Team maximal noch 96 Zähler holen könnte.

von Timo Pape  

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