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Rene Rast resümiert 1. Formel-E-Test: "Habe das volle Potenzial noch nicht ausgeschöpft"

Rene Rast wird ab dem 5. August insgesamt sechs Formel-E-Rennen in Berlin für Audi bestreiten. Am 1. Juli am Lausitzring saß der Deutsche erstmals am Steuer des e-tron FE06 und sammelte seine ersten Erfahrungen im vollelektrischen Gen2-Auto. In einer virtuellen Medienrunde am Freitag, der auch e-Formel.de beiwohnte, ließ Rast seine ersten beiden Testtage Revue passieren.

"Wir hatten eine Menge zu tun jeden Tag", erklärt Rast, der am Mittwochnachmittag und am Freitagvormittag ans Steuer durfte. "Wir haben morgens gegen 7 Uhr begonnen und sind bis circa 12 Uhr gefahren. Aber es waren natürlich nicht die ganzen fünf Stunden, weil wir zwischendurch nach 20-30 Minuten immer mal wieder laden mussten." Nichtsdestotrotz beschreibt Rast die Testtage als "ziemlich intensiv".

"Am Mittwoch habe ich die ersten Runden absolviert und versucht, ein Gefühl für das Auto zu bekommen und meinen Fahrstil anzupassen. Ich saß ja vorher noch nie im Gen2-Auto der Formel E", beschreibt Rast seine Jungfernfahrt. "Ich arbeite sehr viel mit Daten, also bin ich immer sofort zu meinem Laptop gerannt, nachdem ich aus dem Auto gestiegen war. Ich habe jedes kleine Detail meiner Fahrt analysiert und versucht, meinen Fahrstil so weit es geht an Lucas' anzupassen. Ich denke, das habe ich so gut es geht erreicht. Es ging am Mittwoch also nur darum."

Generell sei Rast sehr froh darüber, mit Lucas di Grassi einen der erfahrensten und erfolgreichsten Fahrer der Formel-E-Geschichte an seiner Seite zu haben. "Ich habe großes Glück, einen Teamkollegen wie Lucas zu haben. Er ist er sehr offen, ein toller Teampartner. Ein guter Teamkollege teilt jedes kleine Detail mit dir. Immer wenn ich eine Frage hatte, hat mir Lucas erzählt, was er weiß. Das ist ziemlich selten im Motorsport. Im Moment kann ich viel von ihm lernen, aber ich hoffe, dass wir in Zukunft auch gegenseitig voneinander lernen können, um noch mehr Potenzial umzusetzen."

Rast: "Am Ende ziemlich nah an Lucas' Rundenzeiten herangekommen"

Sein zweiter Testtag am Freitag sei hingegen völlig anders gewesen als der Mittwoch: "Es ging für mich mehr darum, die Reifen und das Energiemanagement für die Rennsimulationen kennenzulernen. Ein paar Quali-Läufe waren ebenfalls dabei - wir haben eigentlich fast alles ein bisschen abgedeckt. Heute habe ich mich im Auto schon besser gefühlt, aber es gibt immer noch viel zu lernen. Es ist immer noch eine sehr steile Lernkurve für mich. Ich habe das volle Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Es ist noch ein weiter Weg", prophezeit der 33-Jährige.

Auf unsere Frage, ob er bereits in der Lage gewesen sei, die Rundenzeiten von Teamkollege di Grassi zu erreichen, entgegnet Rast: "In Sachen Pace habe ich natürlich versucht, so dicht es geht an Lucas heranzukommen. Am Anfang hat mir da selbstverständlich ein bisschen Zeit gefehlt, aber am Ende bin ich ziemlich nah an seine Rundenzeiten herangekommen, würde ich sagen. Ich war sehr zufrieden mit diesem Fortschritt."

Rast gibt allerdings zu bedenken, dass sich die Strecke am Lausitzring über den Tag hinweg verändert habe, was eine Auswertung der Zeiten schwieriger macht: "Sie wird mit jedem Lauf schneller, weil mehr Gummi auf der Strecke liegt. Es ist also schwer zu sagen, wer von uns beiden schneller war. Die Rundenzeiten sind für mich aber gerade auch noch nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass ich meinen Fahrstil anpasse", so der gebürtige Mindener.

Rast: "Generell ist das Auto schon etwas ganz anderes"

In der zweiten Formel-E-Saison bestritt Rast bereits einen E-Prix in Diensten von Team Aguri - ausgerechnet auch beim Berlin E-Prix. Somit startete er in der Lausitz nicht mehr ganz bei null. "2016 in Berlin war ich ein bisschen schockiert, als ich das Auto zum ersten Mal gefahren bin. Dieses Gefühl, keinen (Verbrennungs-) Motor und nur die Windgeräusche zu haben - du hörst ja wirklich jedes Knacken im Auto und so viele Details, die du in einem normalen Rennwagen nicht wahrnimmst", erinnert sich Rast. "Diesmal war ich darauf natürlich vorbereitet. Aber generell ist das (Gen2-) Auto schon etwas ganz anderes."

Ob Audi beim Test am Lausitzring seinen aktuellen Saison-6-Boliden oder möglicherweise ein neues Fahrzeug für Saison 7 einsetzte, ließ Teamchef Allan McNish auf unsere Nachfrage hin offen: "Wir sprechen nicht über die technischen Details unseres Testprogramms für Saison 6 und Saison 7, sorry." Nach wie vor ist nicht bekannt - und womöglich auch noch nicht entschieden -, ob Audi bereits für das kommende Jahr einen neuen Antriebsstrang homologieren lässt oder erst für Saison 8. Aus Kostengründen dürften die Hersteller in den nächsten beiden Jahren nur ein neues Auto einsetzen, dürfen den Zeitpunkt aber selbst wählen.

Im Vergleich mit der DTM, wo Rast in den vergangenen drei Jahren zweimal Meister wurde, stellt die Formel E eine ganz neue Herausforderung für ihn dar: "In der DTM-fährst du eigentlich immer ähnlich, egal ob im Qualifying oder im Rennen. In der Formel E ist das anders, denn du hast viel mehr Leistung im Qualifying. Im Rennen musst du deutlich mehr Energie sparen. Du brauchst also zwei komplett unterschiedliche Fahrstile. Das ist ziemlich einzigartig im Motorsport."

Punkte in Berlin als erklärtes Ziel

Bisher habe Rast vor allem am Qualifying-Modus gefeilt. "Am Rennmodus muss ich noch ein bisschen arbeiten. Bis jetzt habe ich noch keine Simulation gemacht", verrät Rast. Das soll sich auch noch durch die anstehende Simulatorarbeit in den kommenden Wochen ändern: "Ich denke, ich werde mindestens zwei, drei Tage im Simulator verbringen. Wenn ich mehr brauchen sollte, könnten wir aber noch weiter aufstocken - da sind wir sehr flexibel bei Audi Sport."

Als Ziel für den Berliner Sixpack Anfang August gibt Rast "ordentliche Punkte" aus: "Meine Erwartungshaltung ist, dass ich hoffentlich die Pace haben werde, um im Qualifying nicht zwei Sekunden langsamer zu sein. Ich möchte irgendwo im Mittelfeld sein und vielleicht hier und da einen Punkt erzielen. Aber es wird eine ziemliche Herausforderung, die ganzen Routinen zu erlernen - Training, Qualifying und Rennen innerhalb von so kurzer Zeit." Generell habe Rast noch nie so viele Rennen binnen so kurzer Zeit absolviert, denn neben den sechs Formel-E-Rennen erwarten ihn im August und September auch noch diverse weitere Läufe in der DTM und VLN.

In jedem Fall hat Rast die Chance, sich mit guten Ergebnissen in Berlin auch für Saison 7 bei Audi zu empfehlen. Konkrete Vorgaben oder Zielsetzungen hat er von seinem Arbeitgeber jedoch nicht bekommen. "In der DTM habe ich mal sechs Rennen in Folge gewonnen. Wenn ich das in Berlin auch schaffe, könnte ich womöglich auch eine Chance auf Saison 7 haben (lacht). Nein, Spaß beiseite: Es gibt keine konkreten Vorgaben oder Ziele von Audi. Sie haben mir nicht gesagt, ich müsse gewinnen."

Foto: Audi Communications

von Timo Pape  

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