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Roborace: "Saison Beta" voraussichtlich noch 2020, neue Teams verpflichtet

Roborace, die experimentelle Meisterschaft für autonome Rennfahrzeuge, wird voraussichtlich noch in diesem Jahr in ihre "Saison Beta" starten. Neben Änderungen in der Führungsetage und Kooperationen mit anderen Rennserien ist in den kommenden Monaten zudem eine Expansion auf dem US-amerikanischen Markt geplant.

In der 2015 gegründeten Rennserie sollen eines Tages autonome Rennfahrzeuge gegeneinander antreten. Roborace möchte zu einem Technik-Labor für Hersteller werden, die mit selbstfahrenden Autos die Zukunft der Mobilität vorantreiben wollen. Kürzlich verlegte die Serie dafür ihren Hauptsitz von Silverstone nach Los Angeles, um eine engere Bindung an den US-amerikanischen Markt zu finden.

Audi-Formel-E-Pilot Lucas di Grassi, der in den vergangenen Jahren als Geschäftsführer von Roborace agierte, hat zeitgleich mit dem Umzug seinen Platz als CEO abgegeben. Im Interview mit 'e-Formel.de' erklärt er: "Ich hatte keine Zeit mehr dafür, als Vollzeit-CEO für die Firma zu arbeiten. Im Tagesgeschäft kann der Geschäftsführer nicht regelmäßig zwölf Stunden von seinem Unternehmen entfernt leben, weshalb ich meinen Posten zur Verfügung gestellt habe." Als Berater des Vorstands wird di Grassi die KI-Serie hinter den Kulissen bei strategischen Entscheidungen dennoch weiterhin unterstützen.

"Plattform für verschiedene Serien"

"Das Projekt läuft nach wie vor gut", erklärt di Grassi und kündigt an: "In diesem Jahr steht der Launch unserer Saison Beta an. Es wird mehr Rennen in den USA geben, da mehr und mehr US-Firmen interessiert sind. Wir haben bereits drei, vier Teams verpflichtet. Es läuft gut!" Nach Informationen von 'e-Formel.de' gehören zu den verpflichteten Teams mehrere Rennställe von Universitäten, einige davon aus Europa.

Roborace sei derzeit "mehr ein Experiment als eine Rennserie", sagt der Brasilianer weiter. "Die Technologie, die wir derzeit entwickeln, kann in der Zukunft für viele Rennserien eingesetzt werden. Roborace soll eine autonome Plattform für verschiedene Meisterschaften werden. Langfristig sollen natürlich auch eigene Events stattfinden. Bis dahin kann Roborace allerdings Technologien entwickeln, die in der Formel 1, Formel E, IndyCar oder in Le Mans eingesetzt werden."

Verhandlungen mit Continental, Schaeffler & IBM

Mit der entwickelten Technik und der Expansion in die USA will Roborace einen neuen Markt eröffnen, der bessere Entwicklungsbedingungen als Europa bietet. "Unsere Hauptmärkte sind China und die USA. Diese Länder sind in Sachen autonomes Fahren einfach einen Schritt voraus: Es gibt Cruise, Aurora, Waymo oder Tesla. Diese Firmen sind viel weiter in der Entwicklung als die Europäer, zumindest in Sachen Software."

Dennoch verhandle Roborace derzeit mit mehreren europäischen Firmen, darunter auch die deutschen Unternehmen Continental und Schaeffler. Auch mit dem US-Giganten IBM habe es bereits Kontakte gegeben, verrät di Grassi. Michelin stellt derzeit die Reifen für Roborace zur Verfügung. "Es geht im Moment mehr um die Kooperation als um die Organisation von Rennen. Im Dunstkreis von autonomen Fahrzeugen gibt es viele Firmen, zum Beispiel für Sensoren, Prozessor-Einheiten, Kameras und Lidars."

Im Kern der Serie stehe das Ziel, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. "Wir wollen die Welt nicht nur grüner, sondern auch sicherer machen. Autonome Fahrzeuge sind dafür der richtige Weg. Im Straßenverkehr sterben jährlich mehrere Millionen Leute durch Unfälle, die meisten davon sind junge Fahrer. Vollkommen autonome Autos oder zumindest Fahrzeuge, die autonom bremsen können, sind dafür die Lösung. Wir müssen die Systeme günstiger und effektiver machen, sodass wir eine sicherere Zukunft haben können."

Fotos: Roborace (Twitter)

von Tobias Bluhm  

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