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Simracing-Interview mit Patrik Holzmann (1/2): "Fehler nicht für möglich gehalten"

Eigentlich ist Patrik Holzmann gelernter Straßenbauer. Er pokert, fährt gern Kart, und er spielt Videospiele. Dieses Hobby öffnete ihm Anfang des Jahres die Tür zu einem Erlebnis, das er nie vergessen wird. Eine Woche Ausnahmezustand in illustren Kreisen, der Sprung über den "großen Teich". Vom beschaulichen Singen am Bodensee in die Glamour-Metropole Las Vegas.

Das Vegas eRace der Formel E am 7. Januar war das bis dato größte Simracing-Event der Geschichte. Eine Million US-Dollar standen auf dem Spiel. 20 Formel-E-Fahrer traten im virtuellen Vegas gegen die zehn besten Simracer der Welt an. Holzmann und seine neun Kollegen hatten sich in einer monatelangen Qualifikationsphase online durchgesetzt und bekamen die Chance, am eRace teilzunehmen.

Für den Deutschen in ABT-Diensten verlief das Rennen äußerst enttäuschend. Nach einem guten Qualifying mit Startplatz sechs leistete sich der 22-Jährige bereits in der zweiten Runde einen folgenschweren Fehler, der ihn in einen Unfall verwickelte und aus dem Rennen warf. Schon nach wenigen Minuten musste Holzmann zuschauen. Zwar nahm er den Mindestgewinn von 20.000 Dollar mit zurück nach Deutschland, doch am Ende dominierte die Enttäuschung.

Knapp einen Monat nach dem Vegas eRace haben wir uns mit Holzmann unterhalten. Er konnte die Geschehnisse in Vegas inzwischen sacken lassen und blickt mit Stolz auf die Woche in Vegas zurück. Im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de' beschreibt er seine Woche mit ABT in Amerika, was im virtuellen Rennen möglich gewesen wäre und was beim nächsten eRace besser werden muss.

Patrik, wie fühlt sich die Woche in Vegas rückblickend an?

Die Woche war als Ganzes gesehen natürlich der absolute Wahnsinn. Der Renntag an sich lief natürlich bei Weitem nicht ideal, aber das ändert nichts daran, dass es eine einzigartige Erfahrung war, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Was war dein persönliches Highlight, was war der Tiefpunkt?

Die schönste Erfahrung war eigentlich, die Leute kennenzulernen - sowohl Simracer als auch Rennfahrer - und einfach Teil der Veranstaltung zu sein. Der Tiefpunkt war ganz klar das Rennen an sich. Die Enttäuschung nach dem Misserfolg war etwas, das man nicht vorher einstudieren konnte. Ich war bis dato noch nie in dieser Form mit so etwas konfrontiert. Das war nicht einfach zu verdauen.

Wie kam der Unfall zustande, und was ging dir in dem Moment durch den Kopf?

Ich wusste, dass Antonio Felix da Costa hinter mir aggressiv war, das hat er mir gleich in der ersten Runde einige Male signalisiert. Ich bin eine andere Linie gefahren, um die Gefahr zu minimieren, dass er mich trifft. Das führte zu einem Fahrfehler meinerseits. In dem Moment, als ich realisiert habe, dass mein Rennen zu Ende ist, war ich natürlich schockiert - hauptsächlich über mich selbst. Ich hatte jedes Negativszenario unzählige Male durchgespielt vor dem Rennen. Ich hatte für jede denkbare Situation eine Antwort. Aber dass ich letztendlich selbst verschuldet das Rennen beende, hätte ich nicht für möglich gehalten. Im Grunde wollte ich mit keinem mehr sprechen und wäre am liebsten in den nächsten Flieger nach Hause gestiegen (grinst).

Wo wärst du ohne den Fehler gelandet?

Ein sechster Platz wäre aus eigener Kraft mindestens drin gewesen. Das war ja die Position, in der ich mich nach der ersten halben Runde befand. Im Nachhinein sind natürlich vorne noch ein paar Fahrer in Probleme verwickelt gewesen, was mir geholfen hätte. Ich denke, an einem guten Tag meinerseits wäre Platz vier möglich gewesen. Aber das ist hätte, wäre, wenn.

Du bist unter der Flagge des deutschen ABT-Teams gefahren. Wie haben dich die Kemptener aufgenommen?

Die Zusammenarbeit mit ABT war super. Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, diesem Team zugelost worden zu sein. Der Besuch in Kempten im Vorfeld war natürlich klasse. Man konnte die Leute schon mal kennen lernen und war sich nicht mehr fremd in Vegas. Das Team hat mich super behandelt, ich war für die Dauer des Events wirklich ein Teil von ABT. Sie haben natürlich viel Hoffnung in mich gesetzt und mich unterstützt, soweit sie konnten.

Am morgigen Sonntag folgt Teil 2 unseres großen Simracing-Interviews.

von Timo Pape  

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