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Thema Impfen: So schützt sich die Formel E auf ihrer Welttournee

Die Formel E bewegt sich seit ihrer Premierensaison 2014/2015 auf unterschiedlichen Kontinenten. Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika stehen dabei fast jede Saison im Rennkalender der Elektrorennserie. In der derzeitigen "Off-Season" sind wir einmal einer Frage nachgegangen, die vermutlich noch nicht viele gestellt haben: Wie steht es eigentlich um den Impfschutz bei Fahrern und Verantwortlichen der Formel E?

Die künftig 24 Stammpiloten, Ersatz- und Entwicklungsfahrer, Teamchefs, Teammitglieder, Sponsoren, Journalisten und Organisatoren der Formel E nehmen regelmäßig tagelange Reisestrapazen auf sich. Sie sitzen häufig stundenlang im Flieger, in Hotels und verbringen viel Zeit an und abseits der Rennstrecke. Da ist ein gut funktionierendes Immunsystem gefragt, denn im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit steht die Gesundheit an erster Stelle.

Grundsätzlich sollten Spitzensportler einen Impfstatus entsprechend der aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut aufweisen. Dazu gehört insbesondere ein Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Masern. "Da in vielen asiatischen Ländern noch Tetanus und Diphterie vorherrschen, empfehle ich dazu eine Impfung. Wer viel auf Reisen ist, sollte sich auch gegen Hepatitis A schützen", erklärt der Münchner Arzt Dr. Martin Hirte gegenüber 'e-Formel.de'.

Wir haben uns in den vergangenen Wochen und Monaten darüber hinaus im Formel-E-Zirkus umgehört, wie der Paddock mit dem Thema Impfen umgeht. Im Hause Porsche zum Beispiel unterziehen sich alle Werksfahrer, darunter auch die beiden Formel-E-Piloten Neel Jani und Andre Lotterer, jedes Jahr einem Fitness- und Medizintest. "Impfen erfolgt bei allen Fahrern und Teammitgliedern auf freiwilliger Basis. Wir stellen aber eine umfassende Impfberatung sicher und zur Verfügung", erklärt uns eine Porsche-Sprecherin.

Bei den Testfahrten im spanischen Calafat hatte der schwäbische Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen eigenen medizinischen Beistand an der Strecke: "Bei den Formel-E-Tests haben wir immer einen eigenen Arzt vor Ort. Bei den Rennen werden wir auf die Infrastruktur der Serie zurückgreifen, also auf den Teamarzt und das Medical Center", so die Aussage des Formel-E-Newcomers Porsche.

Formel-E-Teams stellen Impfentscheidung frei

Franco Chiocchetti, in der abgelaufen Saison "Head of Formula E Operations" bei HWA und künftig bei Formel-E-Neuling Mercedes im Einsatz, überlässt seinen Piloten und Teammitgliedern die Impf-Entscheidung. "Bei uns gibt es für jedes Teammitglied eine Beratung, allein schon wegen der Berufsgenossenschaft. Aber jeder entscheidet letztendlich für sich selbst, ob er impft oder nicht." Seine eigene Situation bewertet er gewohnt lässig: "Ich komme aus (Süd-) Afrika, ich impfe mich nicht", so der 45-Jährige.

Sein ehemaliger Schützling Lucas di Grassi, den Chiocchetti einst bei ABT als Renningenieur betreute, steht dem Thema Impfen ganz offen gegenüber: "Ich bin mit den Impfungen auf dem neuesten Stand, beispielsweise bei Tetanus und Hepatitis. Wenn man in bestimmte Länder in Asien oder Süd- und Lateinamerika reist, impfe ich mich noch zusätzlich gegen Gelbfieber. Ansonsten habe ich keine weiteren speziellen Impfungen", sagt uns der Formel-E-Champion von 2017.

Di Grassi bestätigt, dass es auch im Audi-Lager die freiwillige Option zum Impfen gibt. "Die Entscheidung treffen wir Fahrer selbst, das ist eine persönliche Angelegenheit. Wir impfen uns vor Saisonbeginn, damit wir während der Saison die beste Performance abliefern können. Alles wird immer in Absprache mit dem Audi-Doktor koordiniert", verrät der 35-Jährige.

Di Grassi hat sich bei seinen Formel-E-Reisen zudem ein gewisses Essverhalten angewöhnt, um die Gefahr einer Erkrankung zu minimieren: "In bestimmten Ländern wie China oder Mexiko, die nicht so ernährungsbewusst sind, versuche ich, etwas risikoärmer zu essen. Mit Lebensmitteln gehe ich dort behutsam um. Ich esse beispielsweise keine Austern oder Eier. Als Mahlzeit nehme ich besser Reis mit gegrilltem Huhn zu mir. Die Chance, sich dabei etwas einzufangen, ist ziemlich gering", erklärt di Grassi.

"Wenig Verwirrung im Immunsystem" von Maximilian Günther

Manfred Günther ist seit sechs Jahren Physical Coach von Formel-E-Fahrer Maximilian Günther. Verwandt sind die beiden übrigens nicht. Der Diplom-Sportwissenschaftler betreibt als Inhaber und Leiter mehrere Diagnostikzentren in Bayern auf dem Gebiet der Sportmedizin und gab uns bereitwillig Auskunft, wie er es bei seinem Schützling Max mit dem Impfen hält. "Ich bin kein großer Freund vom Impfen, da ich weiß, was das Impfen in den nächsten zwei bis drei Wochen mit dem Körper eines Sportlers macht. Der Trainingsprozess wird dadurch ausgesetzt, um das System zu beruhigen. Der Körper des Sportlers ist damit beschäftigt, den Impfstoff zu verarbeiten, und dadurch regeneriert sich der Körper schlechter. Ein Hochleistungssportler kann folglich keine 100-prozentige Leistung mehr abrufen. Wenn es irgendwie geht, versuchen wir, das Impfen zu vermeiden", sagt Günther.

Vielmehr setzt der Sportwissenschaftler auf das Verhalten des bisherigen Dragon-Piloten während eines Rennwochenendes. "Es geht darum, unter welchen Konditionen das Rennen stattfindet", so Manfred Günther. "In Absprache mit dem Team erhalten wir Infos über die Hotels, welche Wege außerhalb des Hotels zur Rennstrecke zu absolvieren sind, und mit welchen potenziellen Erregern der Sportler womöglich in Kontakt kommt. Mit diesen Infos versuche ich, sein Immunsystem so wenig wie möglich negativ mit irgendwelchen Impfstoffen zu belasten. Wir gehen den Weg, wenig Verwirrung im Immunsystem zu stiften", erklärt Günther gegenüber 'e-Formel.de'.

Gerade am Renntag kommen die Rennfahrer mit vielen Menschen in Berührung, seien es Teammitglieder, Fans oder Medienvertreter bei bei PR-Terminen. "Beim Händeschütteln mit den Fans oder bei obligatorischen PR-Terminen achtet Max darauf, sich die Hände zu waschen. Am Besten ist es, immer ein Desinfektionsspray dabei zu haben. Ich versuche aber, das Thema mit Max relativ klein zu halten, denn wir kennen uns schon so lange und sprechen über alles unter vier Augen. Die Abstimmung auf den Sportler ist der entscheidende Punkt", erläutert Günther.

Das Hauptziel der Sportwissenschaftlers ist es, seinem Patienten aus der Formel E den Kopf freizuschaufeln: "Wir versuchen, Max von vielen Dingen, die abseits des Rennsports laufen, fernzuhalten. Das bedeutet, dass ich keine zehn Gespräche mit ihm über seine Impfsituation führe, denn ich möchte, dass er im Rennen massiv performt. Alles andere gibt er ab, und da stehe ich ständig in Kontakt mit Günthers Umfeld. Max ist einer der fittesten Motorsportler weltweit", sagt Günther.

von Erich Hirsch 

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