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Trotz BMW-Ausstieg: Andretti Autosport bleibt in Formel E & wägt Optionen ab

Nach der Formel-E-Saison 2021 werden weder Audi noch BMW noch mit eigenen Werksteams in der Formel E vertreten sein. Die bayerischen Automobil-Riesen gaben ihren Ausstieg unmittelbar nach den diesjährigen Vorsaison-Testfahrten in Spanien bekannt. Trotz der überraschenden Meldung will das aktuelle Einsatzteam von BMW, der US-Traditionsrennstall Andretti Autosport, weiterhin in der Elektroserie starten - entweder als BMW-Kundenteam oder mit eigener Herstellerlizenz.

Andretti setzt bereits seit 2014 ein eigenes Team in der Formel E ein und gehört zu den "Gründungsmitgliedern" der Meisterschaft. Zunächst produzierte der Traditionsrennstall aus Indianapolis seine eigenen Antriebsstränge für die Serie, gab die Herstellerlizenz allerdings zur Saison 2018/19 an BMW ab. Andretti übernahm in den vergangenen zwei Jahren nichtsdestotrotz die Verantwortung für BMWs Renneinsätze an der Strecke.

"Der Zeitpunkt der Ausstiegsmeldung war ein wenig unerwartet", gibt Roger Griffiths bei 'The Race' zu. Der Brite leitete in den vergangenen Jahren Andrettis Formel-E-Einsätze vor Ort und ist nach wie vor de facto Teamchef von BMW i Andretti Motorsport. "Wir wussten zwar, dass BMW über eine Verlängerung der Teilnahme in der Formel E berät. Dass sie möglicherweise aussteigen, war uns also nicht neu. Aber das Timing hat uns überrascht."

Audi-Kundenmotoren als Vorbild für BMW?

Trotz des Ausstiegs von BMW wolle Andretti Autosport weiterhin in der Formel E antreten, betont Griffiths. Für das Team kommen aktuell drei Optionen infrage: der Abschluss eines Kundenteam-Vertrags mit BMW, ein neuer Motorendeal mit einem anderen Hersteller - entweder einer aus der Formel E oder ein ganz neuer - oder die Registrierung einer eigenen Herstellerlizenz.

"Wir schauen uns alle Optionen an. Eine Möglichkeit ist, so wie es Audi mit Virgin macht, Kundenmotoren von BMW zu beziehen", erläutert der Brite. In diesem Szenario würde Andretti den Formel-E-Antriebsstrang für die Saison 2021 auch im darauffolgenden Jahr einsetzen. Mit dem Start in die Gen3-Ära könnte das Team ab 2023 dann einen neuen Motoren-Deal mit einem anderen Konstrukteur abschließen. "Wir würden von einem Werks- zu einem Kundenteam werden. Das ist wohl die am wenigsten disruptive Option."

Andretti will wieder Werksteam werden

Gleichermaßen könnte Andretti aber auch die Herstellerlizenz von BMW zurückerwerben. Damit verbunden wäre allerdings der kurzfristige Aufbau eines eigenen Ingenieursstabs, der binnen weniger Monate einen konkurrenzfähigen Motor planen, bauen und testen müsste. "Man muss realistisch bleiben: Das kostet viel Geld und Ressourcen", weiß Griffiths. "Ich denke, da ergibt es mehr Sinn, sich direkt einen neuen Hersteller zu suchen. Idealerweise als Werksteam, denn ein unabhängiger Einsatz ist momentan deutlich weniger interessant."

Einen solchen Motoren-Deal könnte Andretti theoretisch bereits zur Saison 2021/22 abschließen, dem ersten Jahr ohne BMW-Beteiligung in der Formel E. "Einen neuen Antrieb (von einem fremden Hersteller) zu verstehen, ist aber viel Arbeit. Gerade im letzten Jahr des aktuellen Regelwerks müssen wir uns da fragen, ob es das wert ist. Wahrscheinlich eher nicht." Hinzu kommen Einschränkungen durch einen engen Zeitrahmen: Bereits am 15. Januar 2021 läuft die Bewerbungsfrist für den Erwerb von Kundenmotoren für die Saison 2021/22 ab.

Bentley erwägt offenbar Formel-E-Einstieg

Am wahrscheinlichsten ist aktuell also die Ausstellung eines BMW-Kundenvertrags nach dem Audi/Virgin-Vorbild für die Saison 2021/22. Anschließend könnte sich Andretti nach einem neuen Motorenpartner umsehen. Mit DS, Nissan, Jaguar, Mercedes und Porsche gibt es schon jetzt zahlreiche potenzielle Kandidaten mit den nötigen Ressourcen, um auch zukünftig konkurrenzfähige Formel-E-Antriebe zu konzipieren. Doch auch außerhalb der Elektroserie stehen mögliche Kandidaten bereit.

So evaluiert Bentley laut 'Autosport' neuerdings ebenfalls einen Beitritt zur Formel E. Die britische Automarke sucht derzeit ein mögliches Ersatzprojekt für das Continental-GT3-Programm, welches am Ende dieses Jahres eingestellt werden soll. Zu den Alternativoptionen zählen laut Bentley-Boss Paul Williams unter anderem eigene Teams in der WEC, einer neuen elektrischen GT-Serie, der Extreme E oder der Formel E.

Bis der Wechsel in den E-Motorsport für Bentley zur Realität wird, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Schließlich ist der Einstieg in Serien wie die Formel E mit einer großen technologischen Neuausrichtung verbunden - möglicherweise freie Teamslots hin oder her. Abgesehen davon gehört Bentley zur Volkswagen AG, die auch aus Kostengründen zukünftig eigentlich nur noch mit einem Team (Porsche) in der Formel E vertreten sein will...

von Tobias Bluhm  

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