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Venturi emotional nach 1. Formel-E-Podium für Massa: "Das ist für dich, Gildo"

In seinem neunten E-Prix hat Felipe Massa die erste Formel-E-Trophäe errungen. Der Brasilianer wurde nach einem fehlerfreien Rennen Dritter und darf sich über 15 weitere Zähler in der Gesamtwertung freuen. Für das monegassische Venturi-Team bedeutet der dritte Platz das bis dato beste Ergebnis beim eigenen Heimrennen und zugleich einen äußerst emotionalen Erfolg, den Massa nach dem Rennen aus gutem Grund dem Venturi-Präsidenten Gildo Pastor widmete...

Den Grundstein für das Resultat legte Massa bereits im Qualifying: In der starken Qualifying-Gruppe 3 nutzte er die zu diesem Zeitpunkt immer schneller werdende Strecke und belegte am Ende der Gruppenphase den dritten Platz. Massa fehlten dabei nur 0,042 Sekunden auf die Bestzeit von Jean-Eric Vergne. So zog er souverän in die Super-Pole ein. Hier verbremste sich der Brasilianer in Kurve 3 und musste in der Spitzkehre einen weiteren Weg fahren. Er verlor in Summe 0,128 Sekunden auf seine vorherige Gruppen-Zeit und belegte daher "nur" Platz 5.

Massa beschreibt "großartiges Gefühl"

Durch eine Strafe für Jaguar-Pilot Mitch Evans rückte Massa einen Platz vor und durfte das Rennen als Vierter aus der zweiten Startreihe aufnehmen. Diesen Platz behielt er auch beim Start. In Runde 9 nutzte Massa einen Fahrfehler von Pascal Wehrlein, der bis dahin auf Platz 2 lag, und überholte den Deutschen bei der Anfahrt zu Kurve 3. Massa lag nun auf Podestkurs und folgte Nissan-Pilot Oliver Rowland wie ein Schatten - außer während der Full-Course-Yellow nach dem Unfall von Robin Frijns lag nie mehr als eine Sekunde zwischen dem Duo. Massa ging das Risiko eines Angriffs auf Rowland bis zum Ende nicht ein, auch weil er mit dem Energieverbrauch zu kämpfen hatte.

In der Schlussphase versuchte Wehrlein alles, um noch an Massa vorbeizugehen. Der Venturi-Pilot verteidigte sich mit allen Mitteln gegen den heranstürmenden Mahindra-Piloten. Trotz mehrerer Berührungen und einer fast leeren Batterie bei der Zieleinfahrt beendete Massa das Rennen 1,261 Sekunden hinter dem Sieger Vergne auf dem dritten Platz.

"Was für ein tolles Gefühl", schwärmte Massa kurz nach dem Rennen. "Bisher hatte ich noch nie ein völlig sauberes Rennen, das mir erlaubt hat, das Beste aus dem Auto herauszuholen. Heute hatten wir keine Fehler, und es ist uns auch nichts wie in Hongkong passiert, als mich jemand rausgedrückt hat. Es war so besonders, auf dem Podium zu stehen und meinen Sohn für mich jubeln zu sehen - das ist ein großartiges Gefühl. Wenn man so etwas sieht, fühlt man sich so stolz."

"Ich tue das, was ich gerne mache, und dann auch die Ergebnisse zu haben, ist die größte Erfüllung. Unser monegassischer Präsident Gildo Pastor war nach dem Rennen verständlicherweise sehr emotional und hat geweint. Es ist ein großer Tag für ihn, und ich bin sehr froh, dass wir ihn gemeinsam teilen konnten. Ich möchte mich auch bei den Fans bedanken, die Atmosphäre war unglaublich." Den Sieg feierte das Team mit zahlreichen Gästen in der berühmten Lokalität "La Rascasse", die Venturi für das Rennwochenende vollständig gemietet hatte."

Venturi-Präsident Gildo Pastor weint nach Podium beim Heimrennen

Teamchefin Susie Wolff feierte mit einem äußerst emotionalen Tweet den ersten Podestplatz für Massa: "Was für ein Tag... Das ist für dich, Gildo", so Wolff. Die Geschichte, die sich hinter diesem Tweet verbirgt, verschlägt einem die Sprache: Kurz nach einem Schlaganfall, den Gildo Pastor im Januar 2014 erlitt, starb zunächst sein Onkel Michel und kurz darauf seine Mutter. Helene Pastor - mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden US-Dollar die damals reichste Frau in Monaco - wurde im Mai 2014 in Nizza von Auftragskillern getötet.

Der Mord geschah unmittelbar vor dem Krankenhaus, in dem sie ihren Sohn wenige Minuten zuvor besucht hatte. Vollends aufgeklärt wurde die Tat bis zum heutigen Tag nicht. In verschiedenen Aussagen widmete auch Massa den Podestplatz immer wieder seinem Präsidenten und verwies auf dessen traurige Vergangenheit. Die (öffentlich bekannte) Geschichte von Gildo Pastor war am Wochenende im Paddock des Monaco E-Prix allgegenwärtig, weshalb wir uns entschieden haben, sie an dieser Stelle einmal zu erzählen.

Mortara crasht erneut

Edoardo Mortara erlebte im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Massa einen gebrauchten Tag. Im Qualifying gelang ihm keine gute Runde. Er verlor etwas mehr als eine halbe Sekunde auf die Bestzeit, was in Monaco nur Platz 19 im Zeitfahren um die Pole-Position für den Italo-Schweizer bedeutete. Da Mortara zudem für den von ihm verursachten Unfall mit Alex Lynn in Paris eine Rückversetzung erhalten hatte, ging er von Startplatz 21 ins Rennen.

Beim Kampf um Rang 18 kam es gegen Rennhalbzeit zu einer Kollision mit Mahindra-Pilot Jerome d'Ambrosio. Mortara musste das Rennen mit gebrochener Vorderradaufhängung aufgeben. "Ich hatte in Kurve 1 eine Berührung mit Jerome. Die vordere Radaufhängung ging dabei kaputt. Dann gab es die Full-Course-Yellow. Ich fuhr an die Box und hoffte auf eine rote Flagge", erklärte Mortara nach dem Rennen gegenüber 'e-Formel.de'. Daraus wurde jedoch nichts - das Rennen wurde schnell wieder mit normalem Tempo aufgenommen.

"Heute war kein guter Tag für mich persönlich, aber es war ein guter Tag für das Team. Das ist am Ende positiv", so Mortara weiter. "Ich hatte im Qualifying nicht das Tempo und nicht den Grip, den ich gerne gehabt hätte. Dazu hatte ich einige Probleme mit den Bremsen. Wenn man hier am Ende des Feldes startet, wird es schwierig. Ich hatte einige Überholmanöver, aber das hat nicht gereicht. Trotzdem hatte das Auto die nötige Pace, daher müssen wir sehen, dass wir uns weiter vorne qualifizieren und weitere Punkte holen."

Mit den 15 Zählern aus Monaco bleibt Venturi in der Teamwertung der Formel E auf Platz 7 und liegt nur noch vier Punkte hinter BMW i Andretti. Der nächste E-Prix findet am 24. und 25. Mai in Berlin auf dem Rollfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt.

Foto: Venturi

von Tobias Wirtz 

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Kommentar von Hannah |

Mein Herz, meine Nerven... diese 45 Minuten waren der Hammer. An dieser Stelle muss ich auch sagen, dass die 45 Minuten als Rennzeit völlig ausreichend sind. Ein fast zweistündiges Rennen wie in der F1 würde ich bei dieser Spannung nicht aushalten ;)

Kommentar von Mr. KnowItAll |

" In verschiedenen Aussagen widmete auch Massa den Sieg immer wieder seinem Präsidenten und verwies auf dessen traurige Vergangenheit."

Welchen Sieg? Da hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen.

Kommentar von Thomas Imhof |

In der Formel 1 schläft man doch ein...

Kommentar von Tobias Wirtz |

Ups, das sollte natürlich Podestplatz statt Sieg heißen. Vielen Dank für den Hinweis, ich habe den Text korrigiert!

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