Vergne-DS-Techeetah-Morocco

Vergne & Rosberg einig: Zukünftige Fusion von Formel 1 & Formel E möglich

Bis vor Kurzem galt die Vorstellung einer Fusion von Formel 1 und Formel E noch als wilde Utopie. Schließlich versucht die Elektroserie seit ihrer Gründung mit aller Kraft, sich auf Seiten der Technologie, Fan-Base und des Marketings von der "Königsklasse" abzugrenzen. Und auch mehrere Funktionäre in der Formel 1 setzten in der Vergangenheit aus gutem Grund alles daran, die klare Trennung zwischen beiden Meisterschaften zu wahren. Doch spätestens seit den Elektro-Überlegungen von F1-Technikdirektor Ross Brawn im vergangenen Sommer kocht das Thema einer möglichen Verschmelzung immer wieder hoch.

Könnte die Formel E eines Tages tatsächlich mit der Formel 1 fusionieren? Wenn es nach dem amtierenden Formel-E-Meister Jean-Eric Vergne geht, ja. "In der Zukunft, vielleicht gegen 2030, wird es nur noch elektrische Fahrzeuge oder zumindest Fahrzeuge mit neuen Technologien geben. Eines Tages brauchen wir keine Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge mehr", erklärt der DS-Pilot bei 'F1i'.

"Selbstverständlich wird die Formel 1 also ihre ganze Mentalität ändern müssen und sich an die Elektromobilität anpassen. Es ist natürlich nicht meine Entscheidung - die Formel 1 wird immer die Formel 1 bleiben. Sie ist die wichtigste Serie der Motorsport-Geschichte, und ich denke, das wird auch so bleiben. Die Formel E ist anders. Meiner Meinung nach steht sie auch in keinem Wettbewerb mit der Formel 1. Manchmal höre ich, dass die Serien eines Tages fusionieren könnten. Das wäre schön, mir würde das gefallen: Man hätte ganz einfach das Beste aus der Formel 1 und Formel E in einer gemeinsamen Meisterschaft."

Auch Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg steht einer Fusion der beiden Serien offen gegenüber. "Die Formel 1 wird es in dieser Form nicht mehr lange geben", ist er sich sicher. Im Schweizer 'Blick' erklärt er: "Es kann doch nicht sein, dass in ein paar Jahren die ganze Welt mit E-Autos unterwegs ist, eine Rennserie aber noch Verbrennungsmotoren braucht. Sie werden sich irgendwann mit der Formel E zusammenschließen."

Di Grassi: "Audi gewinnt in Formel E mehr als in Formel 1"

Die Spekulationen über eine künftige Elektrifizierung der "Königsklasse" brachte ausgerechnet der Formel-1-Technikchef und langjährige Wegbegleiter von Michael Schumacher, Ross Brawn, ins Gespräch. "Wer weiß, was die Zukunft bereithält", sagte der Brite im vergangenen Sommer bei 'F1 Fan Voice'. "Wenn wir in fünf oder zehn Jahren eine neue Antriebsgeneration benötigen, werden wir das Regelwerk eben anpassen. Ich sehe auch keinen Grund dafür, warum wir für immer bei Verbrennungsmotoren bleiben sollten."

Audi-Fahrer Lucas di Grassi teilt diese Meinung, denkt jedoch noch einen Schritt weiter als Brawn. "Audi gewinnt in der Formel E mehr als in der Formel 1", erläutert der Brasilianer bei 'Motorsport.com' mit Bezug auf die Entwicklung neuer Technologien. "In der Zukunft wird jeder Audi-Wagen elektrisch sein, und wir müssen verstehen, welche Faktoren dabei ein Hindernis werden können. Bei einem Verbrennungsmotor wissen wir schon, wie alles funktioniert. Das Interessante ist, dass wir in der Formel E derzeit herausfinden, was Elektroautos schnell, effizient und billig macht."

"Das ist der Grund, warum wir hier sind. Nicht nur Audi, sondern jeder Hersteller. Die Formel E macht aus der Perspektive der kommerziellen Entwicklung einfach mehr Sinn als die Formel 1", so di Grassi.

Exklusiv-Lizenz für 25 Jahre: Formel 1 frühestens ab 2039 elektrisch

Dass die "Königsklasse" in zehn Jahren elektrisch wird, ist nicht zuletzt auch aus lizenzrechtlicher Sicht nur schwer denkbar. "Ross sagt, dass die F1 in einem Jahrzehnt elektrisch sein könnte. Einfach ausgedrückt: Kann sie aber nicht", erklärt Formel-E-Gründer Alejandro Agag bei 'Motorsport.com'. "Wir haben als Formel E eine Exklusiv-Lizenz mit der FIA für 25 Saisons, von denen wir gerade einmal vier absolviert haben."

Im Klartext bedeutet das: Frühestens ab 2039 wäre der Weg für eine elektrische Formel 1 frei - gesetzt den Fall, die Formel E verlängert ihre Exklusiv-Lizenz mit der FIA nicht. In Anbetracht der steigenden Beliebtheit der Elektroserie steht jedoch wohl ebenfalls fest, dass uns der Themenkomplex einer Fusion beider Serien auch in Zukunft begleiten wird…

von Tobias Bluhm 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Nico Krause |

Hich glaube ja das sich die Formel 1 nicht so lange halten wird. Nach und nach werden immer mehr Hersteller die Formel 1 verlassen. Und die Formel E wird ihren Platz einnehmen

NEUESTE NACHRICHTEN

Bern_E-Prix_Mitch_Evans_Panasonic_Jaguar_Racing_dark

Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken zur Formel E in Bern

Jean-Eric Vergne hat mit seinem dritten Formel-E-Saisonerfolg in Bern einen riesengroßen Schritt in Richtung Titelverteidigung gemacht. Zusätzlich nahm der DS-Pilot noch die drei Bonuspunkte für die Pole-Position mit. Der eigentlich ...
von Tobias Wirtz
Formel-E-Start-Unfall-in-Bern

Hitzige Fahrer-Meinungen über Neustart in Bern: "Einfach nur super unfair!"

Es war das Streitthema des Formel-E-Wochenendes in Bern: Nach einer Massen-Kollision in der ersten Schikane direkt nach dem Start unterbrach die Rennleitung den Swiss E-Prix für fast eine Dreiviertelstunde, um ...
von Timo Pape
Evans-Vergne-Buemi-Podium-Bern

Vergne nach epischem Duell mit Evans: "Ich war definitiv langsamer als Mitch"

Was für ein Duell um den Sieg: Beim Formel-E-Rennen in Bern am Samstag verteidigte sich DS-Techeetah-Fahrer Jean-Eric Vergne bis zum Ende gegen den heranstürmenden Mitch Evans. Der Jaguar-Pilot biss sich ...
von Timo Pape
Lotterer-Engineer-Techeetah-Trackwalk

Formel E in Bern: Lotterer verliert Platz 4 durch nachträgliche Zeitstrafe

Wenige Stunden nach dem Ende des Swiss E-Prix 2019 in Bern wurde DS-Techeetah-Fahrer Andre Lotterer nachträglich bestraft. Hintergrund ist eine unerlaubte Ausfahrt aus der Boxengasse bei roter Ampel. Gegen den ...
von Tobias Bluhm