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Virgin in Mexiko trotz guter Pace ohne Punkte: "Es zerreißt mir das Herz"

Envision Virgin Racing erwischte beim Mexico City E-Prix einen gebrauchten Nachmittag. Sah es nach dem Qualifying mit den Startpositionen 5 und 6 noch sehr vielversprechend aus, stand das Team am Ende zum zweiten Mal in dieser Saison mit leeren Händen da. Sam Bird schied infolge eines selbstverschuldeten Unfalls aus, Robin Frijns wurde in aussichtsreicher Position abgeschossen und später wegen eines technischen Vergehens disqualifiziert.

Der Start in den Renntag war noch ernüchternd verlaufen: Das Virgin-Duo belegte im 1. Freien Training nur die Positionen 17 und 18. Allerdings sorgte der Trainingsabbruch nach dem schweren Unfall von Daniel Abt dafür, dass beide Fahrer keine Qualifying-Simulation mit 250 kW Maximalleistung fahren konnten. Im 2. Freien Training deutete sich dann das Potenzial der beiden Kunden-Audis an: Bird erzielte mit einer Rundenzeit von 1:07.672 Minuten den Streckenrekord, Frijns belegte mit weniger als einer halben Sekunde Rückstand den sechsten Platz.

Bird wirft Platz 2 durch Fahrfehler weg

Im Qualifying zeigte Bird erneut seine Klasse: Mit mehr als zwei Zehntelsekunden Vorsprung sicherte er sich die klare Bestzeit in der ersten Qualifying-Gruppe. Obwohl die folgenden 17 Piloten bessere Streckenbedingungen hatten, schafften es nur fünf von ihnen, den Briten hinter sich zu lassen. Bird gelang es somit als erstem Fahrer in der laufenden Saison, sich aus der ersten Qualifying-Gruppe in die Super-Pole zu katapultieren. Im Shoot-out musste Bird erneut als erster Pilot auf die Strecke gehen. Nach einer nicht ganz fehlerfreien Runde schlug auch hier der sechste Platz für ihn zu Buche. Aufgrund einer Strafe für Pascal Wehrlein rückte er noch einen Startplatz nach vorn.

Im Rennen ging Bird in der zweiten Runde bei der Zufahrt zum Foro-Sol-Stadion mit einem sehenswerten Manöver am Mercedes von Nyck de Vries vorbei. Nach der Safety-Car-Phase infolge des Ausfalls von Nico Müller schnappte sich der Brite in der engen Stadion-Sektion Andre Lotterer und kurz darauf mit seinem ersten Attack-Mode auch Sebastien Buemi.

Bird setzte sich in der Folge klar vom Schweizer ab und war lange Zeit auf Podiumskurs. Vier Minuten vor dem Rennende verteidigte er sich mit aktiviertem Attack-Mode gegen den herannahenden DS Techeetah von Antonio Felix da Costa und rutschte dabei in Kurve 3 geradeaus in die TecPro-Barriere. Er fiel auf den neunten Platz zurück, verunfallte aber wenig später erneut aufgrund eines defekten Frontflügels, der unter seine Vorderreifen rutschte, und schied aus.

"Ich bin heute mehr als enttäuscht. Wir haben heute Morgen gezeigt, wie schnell das Auto ist, und ich habe während des Rennens große Fortschritte gemacht - ein Podiumsplatz war in Reichweite", erklärt ein sichtlich zerknirschter Bird nach dem Rennen. "Es zerreißt mir das Herz, das Auto so kurz vor Ende des Rennens zu verlieren, aber es zeigt, wie schwierig diese Meisterschaft ist, es gibt einfach keinen Spielraum für Fehler. Die Mannschaft hat das ganze Wochenende so hart gearbeitet, und es ist hart, die Punkte nicht nach Hause zu bringen, aber wir werden in der nächsten Woche hart arbeiten, um uns auf Marrakesch vorzubereiten."

Frijns "zur falschen Zeit am falschen Ort"

Robin Frijns verpasste den Einzug in die Super-Pole denkbar knapp um 0,044 Sekunden. Auch er profitierte von der Wehrlein-Strafe und startete neben seinem Teamkollegen aus Startreihe 3. Er folgte Bird lange Zeit wie ein Schatten, kam dann jedoch im Gegensatz zu ihm nicht an Nissan-Pilot Buemi vorbei und fuhr lange Zeit auf Platz 4.

Kurz nach der Rennhalbzeit dann der Schock: De Vries verteidigte sich mit seinem FANBOOST gegen Antonio Felix da Costa, erlitt vor der ersten Kurve aber einen technischen Defekt. Der Mercedes schoss trotz blockierender Reifen geradeaus und rammte Frijns, der infolge der Kollision in die Auslaufzone rutschte und weit zurückfiel. Der Niederländer schleppte das beschädigte Auto auf Platz 12 ins Ziel, wurde aber nachträglich disqualifiziert, da er zu viel Leistung verwendet hatte.

"Wieder einmal war das Glück hier in Mexiko einfach nicht auf meiner Seite", sagt Frijns nach dem Rennen. "Ich habe während des Rennens große Fortschritte gemacht und glaube, ich hätte heute auf dem Podium stehen können. Aber ich war zur falschen Zeit am falschen Ort, und der Zwischenfall mit Nyck nahm mir jede Chance, heute Punkte zu holen. Es ist ein schwieriger Tag für das Team, aber da Marrakesch vor der Tür steht, müssen wir uns jetzt neu sortieren und mit den Vorbereitungen für das bevorstehende Rennen beginnen."

Sylvain Filippi, Managing Director von Envision Virgin Racing, sagt: "Das heutige Rennen war eine bittere Enttäuschung. Zu wissen, dass wir mindestens einen Podiumsplatz - möglicherweise zwei - hätten mitnehmen können, ist wirklich quälend. Wir haben während des gesamten Wochenendes gezeigt, dass wir eine gute Pace hatten. Beide Fahrer haben in der Anfangsphase starke Fortschritte gemacht. Aber wie wir wissen, kann in der Formel E alles passieren, und wir werden uns jetzt darauf konzentrieren, beim nächsten Rennen viele Punkte zu erzielen."

Foto: Jamie Sheldrick / Spacesuit Media

von Tobias Wirtz  

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