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Wehrlein, Abt & Co.: Die Formel-E-Fahrerwechsel in der Corona-Pause im Überblick

Während die Formel E kurz nach dem Marrakesch E-Prix ihre Saison pausierte, war auf dem Fahrermarkt der Elektroserie bis zuletzt jede Menge los. Während die ersten Teams bereits ihre Fahrerpaarungen für das kommende Jahr bekanntgaben, wechselten zahlreiche Rennställe ihre Piloten für das Berlin-Finale aus. Was sich für welche Fahrer ändert, fassen wir dir in unserem Überblick zusammen.

Nur wenige Tage nach dem Marrakesch E-Prix drückte die Formel E für ihre Saison 2019/20 auf die "Pause"-Taste. Zuvor hatte die Serie einen Großteil der geplanten Rennen auf unbestimmte Zeit verlegen müssen. Nach monatelanger Ungewissheit steht inzwischen fest: Die Formel E beendet ihr Meisterschaftsjahr mit sechs Rennen in Berlin-Tempelhof. Doch längst nicht alle Fahrer, die noch in Marokko an den Start gingen, werden auch in Berlin antreten.

Audi wechselt Fahrer nach Skandal in der Race at Home Challenge

Raus: Daniel Abt | Rein: Rene Rast

Für den aufsehenerregendsten Fahrertausch der vergangenen Monate sorgte ohne Frage Audi. Daniel Abt, der bislang an jedem Formel-E-Rennen für Audi oder dessen Vorgänger-Rennstall ABT Sportsline teilnahm, wurde im Mai von den Ingolstädtern vor die Tür gesetzt. Der Auslöser für die vieldiskutierte Entscheidung war ein misslungener Streich in der "Race at Home Challenge" der Formel E, bei dem Abt einem professionellen E-Sportler sein virtuelles Cockpit überlassen hatte.

Audi verwies bei der Entlassung von Abt auf die eigene Geschichte: "Integrität, Transparenz und die konsequente Einhaltung geltender Regeln haben für uns bei Audi gerade im Hinblick auf die Vergangenheit oberste Priorität", erklärte das Unternehmen die Entscheidung. "Wir stehen zu einer offenen Fehlerkultur. Doch bei den Vorfällen während der 'Race at Home Challenge' handelte es sich nicht um einen Fehler, sondern um die bewusste Entscheidung, gegen die Regeln zu handeln. Das macht für uns den großen Unterschied. Deshalb ist die Suspendierung von Daniel Abt für uns an dieser Stelle leider alternativlos."

Bei der Suche nach einem Abt-Nachfolger ließ sich Audi nicht viel Zeit. Schließlich standen dem Konstrukteur nach dem angekündigten DTM-Ausstieg zahlreiche Top-Rennfahrer aus den eigenen Reihen zur Verfügung. Wenig überraschend fiel die Entscheidung nach wenigen Wochen zugunsten des amtierenden DTM-Meisters Rene Rast. Der 33-Jährige absolvierte Anfang Juli einen ersten Testtag für Audi auf dem Lausitzring und wird das Cockpit an der Seite von Lucas di Grassi übernehmen - zunächst einmal für die sechs Berlin-Rennen.

Fotos: Michael Kunkel / Audi Communications Motorsport

Mahindra-Abschied über Instagram

Raus: Pascal Wehrlein | Rein: Alex Lynn

Pascal Wehrlein wird nicht am Formel-E-Saisonfinale in Berlin teilnehmen. Der Deutsche verkündete seinen Abschied von Mahindra über seinen Instagram-Account: "Von heute an werde ich nicht länger Teil von Mahindra Racing sein", schrieb er im kommunikativen Alleingang. "Mein Ziel war es, die Saison noch zu beenden, aber die aktuelle Situation erlaubt das nicht. Ich kann über meine Zukunft noch nicht viel sagen, werde euch aber auf dem Laufenden halten. Danke für all euren Support und bis bald mal wieder auf der Strecke."

Voraussichtlich wird Wehrlein schon bald in die Formel E zurückkehren, denn in Saison 7 soll er Neel Jani bei Porsche ersetzen. Zumindest in Berlin wird Jani aber noch für die Zuffenhausener ins Auto steigen. Rückfragen bezüglich seiner Zukunft wies Porsche zuletzt ab. Bei Mahindra tritt der ehemalige Virgin- und Jaguar-Pilot Alex Lynn das Erbe von Wehrlein an. Der Brite gehört auch bei Mahindras Fahrersuche für 2021 zur engeren Auswahl, wurde vorerst aber ebenfalls nur für das Berlin-Finale unter Vertrag genommen.

Daniel Abt sichert sich Deal mit Nio 333

Raus: Ma Qing Hua | Rein: Daniel Abt

Nur wenige Wochen nach dem Audi-Rauswurf konnte Daniel Abt ein neues Cockpit in der Formel E ergattern. Überraschend tritt er in Berlin für das chinesische Team Nio 333 an. Dort ersetzt er den bislang erfolglosen Ma Qing Hua, der (so zumindest die offizielle Begründung) aufgrund von Reisebeschränkungen nicht für den Berlin E-Prix nach Deutschland reisen wird.

Abt setzte sich bei der Auswahl für die Ma-Nachfolge gegen den ehemaligen Formel-E-Meister Nelson Piquet jr. durch. Der Brasilianer hatte laut 'The Race' ebenfalls Chancen auf ein Comeback bei seinem alten Team. Auf dem Abingdon Airfield nahe Oxford absolvierte Abt erst kürzlich einen ersten Shakedown mit Nio und lernte sein neues Team kennen. Fans des Deutschen dürfen allerdings keine zu hohen Erwartungen für Berlin haben: Nio gilt in der Formel E als Hinterbänkler-Team und konnte in dieser Saison als einziger Rennstall bislang noch keine Punkte sammeln.

Red-Bull-Junior ersetzt Hartley bei Dragon

Raus: Brendon Hartley | Rein: Sergio Sette Camara

Der US-Rennstall Dragon musste für Berlin ebenfalls nach einem neuen Fahrer Ausschau halten. Nur wenige Wochen vor dem Deutschland-Event wurde bekannt, dass der ehemalige Formel-1-Pilot und Le-Mans-Gewinner Brendon Hartley das Team verlassen hat. Beide Seiten bedankten sich öffentlich für die gemeinsamen Erfahrungen, nannten aber keinerlei Gründe für den plötzlichen Abgang.

In der deutschen Hauptstadt wird der bisherige Test- und Reservefahrer Sergio Sette Camara das Cockpit von Hartley übernehmen. Der Brasilianer griff bereits im Rahmen des Rookie-Tests in Marrakesch ins Lenkrad und setzte sich teamintern gegen den zweiten Ersatzfahrer, Joel Eriksson, durch. Ob Sette Camara auch über das Berlin-Rennen hinaus für Dragon starten kann, ist ungewiss: Der Red-Bull-Nachwuchsfahrer fährt in diesem Jahr eigentlich in der japanischen Super Formula.

Erster bestätigter Wechsel für Saison 7: Bird sucht Neuanfang mit Jaguar

Nach sechs Jahren im selben Team wagt Sam Bird einen Sprung ins Ungewisse: In der nächsten Saison wird er an der Seite von Mitch Evans für Panasonic Jaguar Racing starten. Der britische Traditionsrennstall warb in der Vergangenheit bereits mehrfach um die Gunst von Bird, blieb dabei bis zuletzt allerdings ohne Erfolg. Bei Jaguar wird der 30-Jährige ausgerechnet seinen WEC-Markenkollegen James Calado ersetzen, der das Team nach nur einer Saison verlassen muss.

Auch der Nachfolger von Bird bei Virgin steht bereits fest. Für das Audi-Kundenteam wird in der nächsten Saison der Neuseeländer Nick Cassidy antreten, der schon beim Rookie-Test im März für Virgin fuhr. Cassidy war zuletzt insbesondere in asiatischen Rennserien erfolgreich. Dort gewann er Meisterschaften in der japanischen Super Formula und in der Super GT. Ob er diese Leistungen auch in die Formel E abrufen kann, erfahren wir ab Januar 2021.

Titelfoto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Tobias Bluhm  

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