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Zukunft von Chile-Rennen ungewiss: Rio de Janeiro soll Santiago E-Prix ab 2021 ersetzen

Der Santiago E-Prix 2020 könnte das vorerst letzte Formel-E-Rennen in Chile sein. Wie am Rande des Rennwochenendes von mehreren Medien berichtet wird, soll der Meisterschaftslauf schon in der kommenden Saison aus dem Kalender fallen. Stattdessen nimmt die Elektroserie ein neues Rennen in Brasilien ins Visier.

Zu den Gründen für den möglichen Abschied aus Santiago zählen insbesondere Wahlen auf lokalpolitischer Ebene, die im Oktober 2020 stattfinden. Erst danach könne ein neuer Vertrag mit der Formel E ausgehandelt werden - für die FIA eindeutig zu spät. Wie die Medien des 'Motorsport Network' berichten, befinde man sich stattdessen weiterhin in Gesprächen mit möglichen Austragungsorten in Brasilien. Die 6-Millionen-Einwohner-Metropole Rio de Janeiro soll derzeit die besten Chancen haben.

"Die Hersteller machen Druck und wollen ein Rennen in Brasilien", verkündet der ehemalige Formel-E-Fahrer Nelson Piquet jr., der mit der Planung des Rio E-Prix beauftragt ist. "Die Formel E hatte nie eine kompetente Person, die sich um das Rennen in Brasilien gekümmert hat. Es war zwar schon einmal ein Rennen angekündigt, aber so einfach läuft das nicht. Eine Gruppe Geschäftsleute kam auf mich zu und fragte, ob ich sie bei Planungen unterstützen könne. Und ich habe gesagt 'Okay, aber dann müssen wir es richtig machen'."

Rio schon 2014 im Rennkalender der Formel E

Rio de Janeiro befand sich bereits vor der Formel-E-Saison 2014/15 im Kalender für die erste Saison der Meisterschaft, wurde jedoch wenige Monate vor der geplanten Austragung abgesagt. Ein ähnliches Schicksal ereilte den für 2018 geplanten Sao Paulo E-Prix, als rechtliche Hürden den Organisatoren kurzfristig einen Strich durch die Rechnung machten. Das Rennen wurde stattdessen nach Punta del Este (Uruguay) verlegt.

Der Rio E-Prix soll laut 'Motorsport Network' auf dem Gelände der ehemaligen Formel-1-Strecke im Jacarepagua-Stadtteil stattfinden, die vor einigen Jahren für Anlagen der Olympischen Spiele 2016 weichen musste. Laut Piquet wurde die Location für die Strecke sogar schon von der FIA und der Formel E abgenommen: "Sie werden uns bald eine Liste mit allen Änderungsvorschlägen an unseren Plänen zusenden. Die Location im Olympia-Park ist genau der richtige Ort. Momentan hängt es vor allem am Geld. Es ist schwer, die Zustimmung von allen Seiten zu bekommen. "

Fotos: Shivraj Gohil, Lou Johnson, Peter Minnig / Spacesuit Media

Di Grassi unterstützt Pläne für Brasilien-E-Prix

Die Pläne für ein Formel-E-Rennen wurden in der Vergangenheit von hochrangigen Politikern Brasiliens unterstützt. Ende November 2019 unterschrieb Staatspräsident Jair Bolsonaro eine Absichtserklärung, um die Formel E nach Rio de Janeiro zu holen. "Wenn Santiago wirklich aus dem Kalender fällt, wäre ein Rennen in Brasilien die perfekte Lösung", freut sich auch Lucas di Grassi (Audi).

"Von dem, was man so hört, sind die Chancen für ein Rennen in Rio deutlich höher als für ein Rennen in Sao Paulo. Ganz egal wo: Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren einen E-Prix in Brasilien haben können. Seine (Nelson Piquet jrs.) Familie hat einen guten Ruf im Land, und ich bin sicher, dass sie gute Arbeit leisten werden. Ich helfe sehr gern, wenn sie Unterstützung brauchen."

Angespannte Lage in Chile: "Hilft, dass wir in einem Park sind"

Die weiterhin angespannte soziopolitische Situation in der chilenischen Hauptstadt spielt mutmaßlich ebenfalls eine Rolle beim möglichen Abschied aus Santiago. "Ich habe täglich mit der Administration gesprochen, und sie haben uns versichert, dass die Probleme gelöst werden können", erläutert Formel-E-Mitbegründer Alberto Longo bei 'The Race' (Twitter) und beruhigt vor möglichen Ausschreitungen am Rande des zweiten Rennwochenendes der Saison 2019/20.

"Es hilft, dass wir hier in einem Park sind. Das ist aus einer Sicherheitsperspektive einfacher zu kontrollieren. Wenn das Rennen an einem anderen Ort in der Innenstadt stattfinden würde, müssten wir uns viel mehr Sorgen machen." Der Santiago E-Prix findet seit 2018 im O'Higgins-Park statt, wodurch nur wenige öffentliche Straßen gesperrt werden müssen.

Santiago als Teil eines "Triple-Headers"?

Selbst wenn das diesjährige Event tatsächlich das vorerst letzte Rennen in Santiago wäre, schließt Longo eine Rückkehr in die chilenische Hauptstadt nach 2021 nicht aus. Neben dem obligatorischen Rennen in Mexiko-Stadt und einem E-Prix in Brasilien könnte Santiago eines Tages womöglich Teil eines "Triple-Headers" in Südamerika werden. Die Formel E würde so während der europäischen Wintermonate in den warmen Ländern auf der Südhalbkugel gastieren.

Wie weit fortgeschritten die Planungen für den Rennkalender der Formel-E-Weltmeisterschaft 2020/21 sind, ist derzeit jedoch noch nicht abzusehen. Der diesjährige Santiago E-Prix 2020 beginnt erst einmal wie geplant am Samstagabend um 20 Uhr deutscher Zeit, live zu verfolgen bei Eurosport, auf sportschau.de und im Live-Ticker auf e-Formel.de.

Titelfoto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Tobias Bluhm  

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