"Ein riesiger Schritt in die richtige Richtung": Formel-E-Weltmeister Oliver Rowland nach 1. Gen4-Test beeindruckt
Tobias Wirtz
NISMO
Nachdem bereits seit einigen Monaten die ersten Testfahrten der Hersteller mit den Gen4-Boliden stattfinden, hat nun auch Oliver Rowland seine ersten Runden mit dem Fahrzeug für die kommenden Saisons gedreht. Nachdem bislang Benoit Treluyer und Sam Bird die Testarbeit für Nissan übernommen hatten, saß nun der amtierende Formel-E-Weltmeister erstmals hinter dem Lenkrad des Gen4-Autos.
"Die Leistung des Autos ist wirklich beeindruckend", so Rowland nach seinem ersten Gen4-Test. "Ein Großteil der zusätzlichen Leistung kommt von der Vorderachse. Das ist ziemlich einzigartig und etwas, an das wir Fahrer uns erst gewöhnen müssen. Die Performance des Autos ist ein großer Schritt nach vorne."
"Es ist wirklich beeindruckend", fuhr der Brite fort. "Der hohe Abtrieb bietet im Vergleich zu dem, was wir gewohnt sind, sehr viel Grip. Dazu kommen mit Differenzial, Allradantrieb und mehr Leistung an der Vorderachse zahlreiche neue technische Möglichkeiten."
"Die Beschleunigung ist unglaublich"
"Wir haben nahezu die doppelte Leistung - die Beschleunigung ist unglaublich", ergänzt er. "Auch das Chassis wurde weiterentwickelt, was für uns Fahrer ein riesiger Fortschritt ist, denn das Gen3-Auto ist ziemlich unbequem. Im Verlauf des Tests habe ich mich immer besser mit dem Auto vertraut gemacht und bin schnell auf Tempo gekommen."
Dennoch hat auch Rowland nach vier Gen3-Jahren noch einige Umstellungsschwierigkeiten auf den neuen Boliden, wie er zugibt: "Die Servolenkung ist der größte Punkt, an den man sich gewöhnen muss. Ich bin in meiner Karriere nicht sehr oft damit gefahren. Ich musste lernen, das Limit des Autos über die Lenkung zu spüren und es in Bezug auf Performance, Leistung und Fahrstil optimal auszunutzen."
Bremsverhalten wieder mehr wie Gen2: "Das kommt mir entgegen"
"Das Gen3-Auto hat in Bezug auf das Bremsverhalten persönlich nie wirklich zu mir gepasst", gesteht er außerdem. "Deshalb fühlt sich das Auto für mich wie ein positiver Schritt an. Ich glaube, dass es mir vor allem im Qualifying ermöglichen könnte, das Auto wieder ähnlich zu fahren wie früher in der Gen2-Ära. Das kommt mir entgegen."
"Die Leistung und der Abtrieb sind weitere zentrale Unterschiede", ergänzt der Weltmeister von Saison 11. "Der Topspeed ist höher, ebenso die Kurvengeschwindigkeiten. Viel wird davon abhängen, wie wir das Auto aus technischer Sicht abstimmen. Ich musste also definitiv ein wenig anders fahren. Gleichzeitig fühlte es sich ziemlich natürlich an, das Maximum aus dem Auto herauszuholen."
"Es wird stark von den Details des Reglements abhängen"
Unsicher ist sich Rowland jedoch, wie sich das Racing mit den neuen Fahrzeugen entwickeln wird. "Die Art des Rennens hängt stark vom Energiemanagement ab", beschreibt er. "Wenn die Formel E ihre traditionellen Energiespar- und Attack-Mode-Rennen beibehalten kann, wird sie weiterhin interessant und unvorhersehbar bleiben. Genau das macht einen großen Teil der Faszination dieser Serie aus. Es wird stark von den Details des Reglements abhängen."
"Es gibt noch viele Unbekannte", fährt er fort. "In den ersten Gen4-Rennen müssen möglicherweise mehrere Faktoren angepasst werden, um die richtige Formel zu finden und weiterhin den großartigen Rennsport zu liefern, den wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Es ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung für die Formel E."
"Ich denke, es wird der Formel E noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen, und Fahrer aus anderen Kategorien werden der Serie noch mehr Respekt entgegenbringen. Wenn wir die Rundenzeiten vergleichen, werden wir sicher einen großen Sprung nach vorne sehen", so Rowland abschließend.
Bevor die Gen4-Ära im November offiziell bei den Vorsaison-Testfahrten in Madrid eingeläutet wird, stehen aber zunächst noch die letzten sieben Rennen mit den Gen3-Fahrzeugen an. Der nächste Lauf findet am 20. Juni in Sanya (China) statt. Parallel entwickeln und testen die Hersteller jedoch ihre Gen4-Boliden weiter.
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