Formel E

Formel E belebt Techniktransfer im Motorsport wieder

Timo Pape

Timo Pape

Die Autoindustrie befindet sich im Umbruch. Während das autonome Fahren noch Zukunftsmusik ist, kennt der Umstieg auf Elektrobetriebe kein Halten mehr. Es überrascht deshalb wenig, dass sich der Motorsport in die Umstände gefügt und 2014 die Formel E aus der Taufe gehoben hat.

Erst im Juli haben Porsche und Mercedes ihren Einstieg in die Formel E zur Saison 2019/20 angekündigt. Für Porsche ist dafür zum Saisonende 2017 Schluss in der WEC, während Mercedes der DTM Ende 2018 den Rücken kehrt. Audi mischt bereits im kommenden Dezember die Szene mit einem eigenen Werksteam auf, BMW folgt ein Jahr später. Damit erfährt die Formel E schon nach drei Jahren mehr Zuspruch von renommierten Autoherstellern als jede andere Motorsportserie.

Trotz alledem würde Serienboss Alejandro Agag zusätzlich gern namhafte japanische und amerikanische Hersteller in der Formel E sehen, wie er kürzlich zugab. Während Nissan nach wie vor ein Thema ist - etwa durch eine Übernahme des Renault-Teams - fällt der Glaube mit Blick nach Amerika schwerer.

Zwar brodelt immer mal wieder der Name Tesla in der Gerüchteküche der Formel E, ein Einstieg in die Rennserie scheint derzeit aber kein Thema zu sein. Zuletzt hatte die Verpflichtung von Kenny Handkammer, dem Ex-Chefmechaniker vom Formel-1-Team Red Bull Racing, Spekulationen über einen Formel-E-Beitritt von Tesla ausgelöst. Doch Elon Musk scheint derzeit andere Ziele zu haben.

Noch ist der Einstieg von Tesla in die Formel E eher unwahrscheinlich. Doch das muss in der Elektroserie nichts heißen. Dass Lucas di Grassi am Ende der dritten Saison Meister werden würde, hätten schließlich auch die wenigsten erwartet. Anfang des Jahres hätte man noch das Achtfache seines Einsatzes zurückbekommen, hätte man auf den ABT-Fahrer gesetzt. Sein ewiger Rivale Sebastien Buemi vom Team Renault e.dams hingegen wurde mit einer Quote von 1.33 gehandelt - am Ende reichte es trotzdem nur zur Vizemeisterschaft.

Techniktransfer macht sexy

Ein Grund für das große Interesse der Hersteller ist der Techniktransfer von der Rennstrecke auf die Straße, der seit der Gründung der Formel E endlich wieder tadellos funktioniert. Natürlich hatten Formel 1 und Co. an der Weiterentwicklung von Scheibenbremsen, Keramik-Bremsscheiben, Allradantrieb und Aerodynamik maßgeblich Anteil. Immerhin mussten die Millionenbeträge, die in den Motorsport gesteckt wurden, begründet werden. Doch von den Innovationsschüben alter Tage ist schon seit geraumer Zeit wenig übrig geblieben.

Die Formel E bringt hingegen wieder Schwung in die Bude. Flossen erst die Erkenntnisse der Serienfertigung in den Rennsport ein, läuft der Wissenstransfer nun nach und nach wieder nach berühmtem Muster. Und sind erst einmal alle namhaften Autobauer an Bord, könnte die Formel E der Formel 1 vielleicht sogar den Rang ablaufen. Immerhin sind auch Autobauer wie Tesla daran interessiert, Batteriekühlung, Antriebsstrang und elektronische Steuerelemente für die Serienmodelle nach besten Kräften zu optimieren. Und wo ginge das besser als im Motorsport?

Entscheidend sind nicht nur ein paar Gramm weniger Gewicht, sondern tatsächlich Fragen der Grundlagenforschung in einem neuen Technologiefeld. Die Wahl des Getriebes will ebenso wohl überlegt sein wie die Anzahl der Gänge. Zur Stunde arbeiten die Hersteller in der Formel E hauptsächlich am Antriebsstrang, doch in Zukunft könnte auch die Batterieentwicklung freigegeben werden. Eine ungefähre Vorstellung, womit künftig zu rechnen ist, vermittelt Renaults Sportwagenstudie Trezor. Ihr Elektromotor ist ein direkter Ableger der Formel-E-Forschung, wie Renault versichert.

Mit der technischen Weiterentwicklung der Formel E dürfte auch die Automobilbranche immer weitere Fortschritte machen. Wie im klassischen Motorsport eigentlich, nur eben mit Strom.

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