Formel E

Formel E in London: Lokalmatador Jake Dennis gewinnt Samstagsrennen

Timo Pape

Timo Pape

Jake Dennis hat im Samstagsrennen des London E-Prix seinen ersten Formel-E-Sieg der Saison geholt. Der Pole-Sitter im Andretti führte von der ersten bis zur letzten Runde und wiederholte damit seinen Erfolg aus dem Vorjahr. Zweiter wurde Stoffel Vandoorne, der damit einen wichtigen Schritt Richtung WM-Titel machte. Das Podium komplettierte nach packendem Zweikampf Nyck de Vries vor Nick Cassidy. Bester Deutscher war Max Günther auf Position 8.

Pole-Sitter Jake Dennis erwischte einen guten Start und verteidigte seine Führung vor Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries. Weiter hinten kam es zum Kontakt zwischen Sam Bird, Jean-Eric Vergne und Edo Mortara: Der Titelanwärter im Venturi verlor beim Aufprall den Frontflügel und beschädigte sich offenbar auch leicht die Aufhängung. Er musste an die Box kommen und fuhr schließlich mit deutlichem Rückstand weiter - Desaster mit Blick auf die Meisterschaftshoffnungen Mortaras. Bird musste seinen Jaguar schon in Runde 1 endgültig abstellen.

Nach vier Minuten griff Jean-Eric Vergne seinen Teamkollegen Antonio Felix da Costa im Kampf um Platz 10 an. Der Portugiese hielt jedoch dagegen und blieb vorn. Wenige Runden später fuhr Vergne seinem Garagennachbarn sogar ins Heck und schob sich vorbei. Beide verloren jedoch Zeit und mussten Sebastien Buemi vorbeilassen. Einmal mehr schlechtes Teamplay bei DS Techeetah. Sergio Sette Camara griff in Kurve 1 indes Meister de Vries an und zwängte sich tatsächlich vorbei - der Dragon-Pilot jetzt Dritter!

Lucas di Grassi holte nach rund sieben Minuten seinen ersten von zwei obligatorischen Attack-Modes. Auf der Start- und Zielgeraden zwängte er sich mit Leistungsüberschuss an Oliver Rowland vorbei - ebenfalls mit ordentlich Lackaustausch. Der Brasilianer hatte vom Ende des Feldes inzwischen schon sieben Positionen gutgemacht! In den folgenden Runden holten sich zahlreiche weitere Fahrer ihren ersten Attack-Mode, so auch de Vries und Oliver Askew auf den Plätzen 4 und 5.

De Vries holt Podium mit "Undercut" zurück

Durch diesen "Undercut" rückte de Vries wieder auf Rang 3 vor, als eine Runde später auch die drei Führenden durch die Attack-Zone fuhren. Sette Camara verlor somit einen Platz gegen den Mercedes-Piloten. Der Dragon-Fahrer hatte allerdings schon deutlich mehr Energie verbraucht als seine direkten Konkurrenten - die übliche Achillesferse des Dragon. Dennis hingegen war auch in dieser Hinsicht spitze.

Weiter hinten griff Vergne Buemi an. In Kurve 1 kam es zum Kontakt, bei dem Vergne weit nach außen geriet und in der Folge einige Positionen verlor. Buemi erhielt für sein überhartes Verteidigen wenig später eine 5-Sekunden-Zeitstrafe. Diese half Vergne - mittlerweile auf Rang 16 - jedoch wenig. Die letzten Meisterschaftshoffnungen des Franzosen verblassten immer mehr, während Vandoorne einem weiteren Big-Point entgegenfuhr. Allein Rivale Mitch Evans fuhr zu dieser Zeit als Achter in den Punkterängen.

Noch vor Rennhalbzeit holten sich fast alle Fahrer ihren zweiten Attack-Mode. Nennenswerte Verschiebungen gab es dadurch zunächst nicht. Rowland stellte derweil seinen beschädigten Mahindra in der Garage ab und gab auf. Mortara fuhr mit fast einer Runde Rückstand am Ende des Feldes mit zwei verbliebenen Attack-Modes. Der Schweizer hoffte offensichtlich auf eine Safety-Car-Phase, um wieder aufschließen zu können.

Cassidy wie entfesselt

Gut eine Viertelstunde vor Ablauf der Zeit holte sich Nick Cassidy seinen zweiten Attack-Mode und griff Askew an. Vor der Schikane setzte er sich beherzt durch und übernahm Platz 5 vom US-Amerikaner. Nun hatte Cassidy Sette Camara vor sich und machte Druck. An derselben Stelle wie eine Runde zuvor schnappte er sich auch den Brasilianer und war nun bereits Vierter. Mit rund zwei Minuten verbleibendem Attack-Mode schickte er sich an, die Lücke zu de Vries zu schließen.

Zwar kam Cassidy näher heran, jedoch nicht in eine Angriffsposition. Dann lief sein Attack-Mode aus. Sette Camara musste sich bereits sehr breit machen und nach hinten orientieren - Askew setzte ihn unter Druck. Dann hagelte es Strafen: Robin Frijns erhielt eine 5-Sekunden-Zeitstrafe, weil er beim Anbremsen die Spur gewechselt hatte, vermeintlich gegen Andre Lotterer. Auch Antonio Giovinazzi erhielt die gleiche Strafe, nachdem er eine Kollision mit Oliver Turvey verursacht hatte. Auch di Grassi erhielt eine 5-Sekunden-Strafe für das Verursachen eines Unfalls mit Frijns. Zudem kündigte die Rennleitung an, nach dem Rennen einen Vorfall in der Boxengasse mit Edo Mortara zu untersuchen.

Sette Camara zollte nun Tribut für seinen Energieverbrauch. Erst ging Askew an ihm vorbei, dann Günther und schließlich auch Evans. Zwei Minuten vor Schluss attackierte Cassidy de Vries für Platz 3. Der Mercedes-Pilot verteidigte sich mit allen Mitteln und am Rande der Legalität, hatte jedoch weniger Energie. Das Duell um Platz 3 ging über drei Runden mit packenden Manövern. De Vries blieb jedoch vor dem Neuseeländer.

Dennis bleibt cool, Vandoorne Spitzenreiter

An der Spitze passierte nichts mehr: Jake Dennis holte nach 2021 souverän seinen zweiten London-Sieg - sein erster in der Saison 2022. Stoffel Vandoorne wurde Zweiter und machte einen wichtigen Schritt Richtung Meisterschaft. Cassidy beendete das Rennen als Vierter vor Evans und Felix da Costa. Max Günther rollte ohne Energie noch als Achter über den Zielstrich vor di Grassi und Pascal Wehrlein. Drama jedoch für Dragon: Sette Camara blieb in der letzten Runde liegen und ging nach tollem Kampf leer aus.

In der Gesamtwertung der Fahrer hat Vandoorne seinen Vorsprung auf 26 Zähler ausgebaut. Bei drei noch ausstehenden Saisonläufen könnte er sich demnach sogar einen Ausfall leisten und würde womöglich immer noch vorn sein. Zweiter ist nun Mitch Evans - drei Punkte vor Edo Mortara. Jean-Eric Vergne dürfte sich mit inzwischen 45 Zählern Rückstand auf die Spitze aus dem Titelkampf verabschiedet haben. Bei den Teams konnte Mercedes-EQ seine Führung ebenfalls ausbauen. Zweiter ist weiterhin DS Techeetah vor Venturi.

Bereits am Sonntag geht es beim London E-Prix weiter. Das 3. Freie Training beginnt um 9:30 Uhr deutscher Zeit, die Qualifikation um 11:40 Uhr. Rennstart am Sonntag ist erneut um 16 Uhr - zu verfolgen im TV bei ProSieben sowie im Liveticker auf e-Formel.de

Ergebnisse & Zeiten

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 4 und 2.
Advertisement