Formel E

Kommentar: Die Formel 1 wird klimaneutral - und die Formel E?

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Bis zum Jahr 2030 will die Formel 1 vollkommen klimaneutral werden. Das gab die Geschäftsführung der "Königsklasse" am Dienstag bekannt. Der neue "grüne" Anstrich steht der Serie gut, findet unser Autor Tobias Bluhm. Und auch die Formel E kann sich von der Netto-Null-Ankündigung eine Scheibe abschneiden. Ein Kommentar.

Heureka! Die Formel 1 ist doch noch im 21. Jahrhundert angekommen. War die Serie in den letzten Jahrzehnten vor allem die Königsklasse der Verschwendung und des Kommerz, biegt die neue F1-Führung um Chase Carey mit der Ankündigung des Netto-Null-Ziels bis 2030 endlich in Richtung Nachhaltigkeit ab.

Dass der Umweltschutz das Potenzial zum wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Thema des Jahrzehnts hat, ist nach dutzenden "Fridays for Future" wohl auch der Formel 1 bewusst geworden. Die Akteure der Serie sehen sich nun mit einer großen Aufgabe konfrontiert: Laut einer eigenen Schätzung wird die Formel 1 bis zum Ende der Saison 2019 mindestens 256.500 Tonnen CO2-äquivalente Emissionen verursachen. Diesen Wert in nur zehn Jahren auf annähernd null senken zu wollen, ist sehr ambitioniert.

"Eine unsägliche Klimasünde"

Den größten Anteil der Formel-1-Emissionen macht im Moment - in Anbetracht des großen Rennkalenders mit Grands Prix in aller Welt wohl nur wenig überraschend - die Logistik und der Transport der Fahrzeuge aus (45 Prozent). Doch auch Geschäftsreisen und die Fabriken der Teams ziehen die F1-Klimabilanz nach unten. Die Fahrzeuge auf der Strecke selbst fallen mit 0,7 Prozent der Gesamt-Emissionen (rund 1.800 Tonnen) vergleichsweise wenig ins Gewicht.

Es entspricht dem Zeitgeist, den eigenen Einfluss auf die Erde verringern zu wollen. Dass sich mit der Formel 1 nun auch die größte Motorsport-Kategorie der Welt dem Klimawandel stellt, sendet ein gutes Signal. Schließlich war der Formel-1-Zirkus schon immer nur wenig mehr als eine unsägliche Sünde für das Klima. Auch die seit 2014 entwickelten, thermisch höchst effizienten Hybrid-Antriebsstränge verändern daran nichts. Allein schon deshalb, weil der Transport hunderter Mitarbeiter um die Welt alles andere als umweltfreundlich ist.

Immer neue Serien für elektrischen Motorsport

Das neu gefundene Umweltbewusstsein der Gesellschaft ist wohl der Hauptgrund für die "Vergrünung" des Motorsports in den vergangenen Jahren - selbstverständlich neben wirtschaftlichen Interessen. Seit den Anfängen der Formel E gesellen sich immer neue vollelektrische Serien dazu, die Werte wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und technologischen Fortschritt in ihren Markenkernen tragen. Von der MotoE über die ETCR, die Electric Racing Academy oder Extreme E bis zur Jaguar I-Pace eTrophy wird die Liste der elektrischen Rennserien seit 2014 immer größer. In diese Riege wird sich die Formel 1 bis 2030 übrigens keineswegs einreihen, allein schon weil die FIA der Formel E bis 2039 Exklusivität für elektrische Formelserien im FIA-Portfolio zugesichert hat.

Eine nachhaltige Rennserie zu führen, heißt aber nicht nur, den Benzinverbrauch der Autos zu senken - im Idealfall auf null, wie es genannte E-Serien vormachen. Auch die Flugmeilen der Teammitglieder, die Lebenszyklen von Fahrzeugteilen, entstehende Emissionen bei der Verpflegung der Fans, der ökologische Fußabdruck bei der Anreise von Zuschauern oder der Strom im TV-Compound erzeugen Emissionen, die vermieden werden müssen. Das gilt für die Formel 1 wie für die Formel E, die ebenfalls jährlich 32.000 Tonnen CO2-Äquivalent (Stand: Saison 2017/18, 75 Prozent davon Logistik) ausstößt.

Ideenvielfalt der F1 setzt Formel E unter Druck - zumindest ein bisschen

Die Formel 1 will sich mit der neuen Strategie den größten Aufgaben des 21. Jahrhunderts annehmen. Nachhaltigere Kraftstoffe, "Effizienz-Maximierungen" bei der Logistik, Wechsel auf erneuerbare Energien bei der Stromversorgung, Einsatz von recycle- und kompostierbaren Materialien im Catering, Partnerschaften mit sozialen Einrichtungen und der Ausgleich von "unvermeidbaren Emissionen" durch Aufforstungsprojekte sind Ideen, die im Raum stehen.

Wenn diese Theorie auch in der Praxis funktioniert, drängt sich unausweichlich auch die Frage nach gemeinsamen Berührungspunkten mit der Formel E auf. Selbstverständlich sorgt sich die Elektroserie ebenfalls um ihre Emissionen. Seit Jahren werden die Fahrzeuge mit Ökostrom aus Glycerin-Generatoren aufgeladen. Zudem werden die Umweltauswirkungen genau beobachtet und alle Events nach dem ISO20121-Standard abgehalten.

Ab 2020 soll darüber hinaus jedes Event der Formel E mit 100 Prozent erneuerbaren Energien auskommen (wenngleich wir hinsichtlich dieser Ambition seit Juli 2017 nichts mehr gehört haben). Das Netto-Null-Ziel steht für die Formel E, die mit ihrem logistisch betrachtet absurden Rennkalender 2019/20 berechtigterweise in der Kritik steht, aber weiterhin aus. Warum?

Dass die Formel E im Rennen um die erste Null-Emissionen-Serie nun Konkurrenz vom "großen Bruder" bekommt, überrascht - gerade, weil die Formel E technologisch eigentlich relevanter ist. Allein aus wirtschaftlichen Gründen wäre es für die neue Spitze um CEO Jamie Reigle jetzt an der Zeit, ebenfalls das Netto-Null-Ziel zu erklären. Denn wenn die Formel 1 vor der Formel E die Klimaneutralität erreicht, kann die Elektroserie ihr Markenversprechen, die grüne "Rennserie der Zukunft" zu sein, getrost in die Bio-Tonne treten.

Foto: Spacesuit Media / Shivraj Gohil

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1 Kommentare

Willy ·

Also Leute, das hat doch mit Autorennen nichts zu tun wenn die Fahrer von Anfang an nie alles aus dem Auto heraushlen können,weil sie permanet Stom sparen müssen um überhaupt ins Ziel zu kommen. Das ist eine Stromspar Kaffeefahrt mit so ner Art Rennauto. Für mich ist das nix.

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