Formel E

Medienberichte: Porsche folgt Mercedes in die Formel E

Timo Pape

Timo Pape

Porsche steigt in die Formel E ein. Das berichten jedenfalls verschiedene führende Medien aus der Branche, unter anderem 'Auto Bild Motorsport'. Demnach sollen die Zuffenhausener ebenso wie Mercedes - die Marke mit dem Stern hatte den Einstieg in die Elektroserie erst am Montag bekanntgegeben - zur Saison 2019/20 an Bord kommen. In Saison sechs also. Eine offizielle Bestätigung seitens Porsche zu dem Thema steht noch aus.

Gleichzeitig hat Volkswagen, Porsches Mutterkonzern, am Mittwoch den Ausstieg der Sportwagenmarke aus der Langstreckenweltmeisterschaft WEC (LMP1-Klasse) beschlossen. Bereits nach der aktuellen Saison 2017 soll Schluss sein, nachdem Porsche dreimal in Folge die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hatte.

Nachdem Anfang der Woche also bereits die DTM durch den Mercedes-Abschied zum Opfer der aufstrebenden Formel E wurde, muss nun auch die WEC einen schweren Schlag hinnehmen, der das Ende der höchsten Leistungsklasse LMP1 bedeuten könnte. Schließlich bleibt ab 2018 nur noch Toyota übrig, nachdem sich im vergangenen Jahr bereits Audi zurückgezogen hatte, um sich auf die Formel E zu konzentrieren.

VW soll laut 'ABMS' bereits ein Entwicklungsbudget von 150 Millionen Euro für das Formel-E-Projekt von Porsche freigegeben haben. Ob diese horrende Summe der Wahrheit entspricht, können wir nicht bestätigen. In der WEC hat Porsche geschätzte 250 Millionen pro Jahr investiert.

Ob die Summe nun stimmt oder nicht - ganz offensichtlich wird Porsche seinen eigenen Antriebsstrang entwickeln, um mit voller Werkspower antreten zu können. Damit wird die Marke in der Formel E abermals auf Konzernschwester Audi losgelassen, nachdem das Duell der beiden VW-Aushängeschilder in der WEC eigentlich bereits für gewissen Unmut im Konzern gesorgt hatte.

Dass Porsche aus der WEC aussteigen und in die Formel E kommen könnte - darüber haben wir bereits seit Wochen spekuliert. Allerdings war im selben Atemzug auch stets von einem möglichen Formel-1-Engagement die Rede. Wie es nun aussieht, ist die "Königsklasse" plötzlich doch keine Alternative mehr für Porsche. Zwar hätte die Motorsportabteilung für die Formel 1 gekämpft, so heißt es, die finanziellen Risiken eines derart teuren Einstiegs seien vor dem Hintergrund von Kartell- und Diesel-Vorwürfen jedoch zu groß gewesen.

Kommentar von Timo Pape: "Disruption eben"

Überall ist immer die Rede von Disruption. Das, was gerade im Motorsport - und auch generell in der gesamten Automobilbranche - passiert, ist Disruption. Ein Start-up namens Formel E, das nicht mal drei Jahre in Betrieb ist, schluckt all das, was immer gut war und bestens funktioniert hat, auf. Am Montag hat Mercedes seinen Rückzug aus der DTM bekanntgegeben. Die Tourenwagenserie verliert damit nach der Saison 2018 eine wichtige und womöglich tragende Säule. Fahren dann künftig nur noch Audi und BMW gegeneinander? Das Echo in den Medien ist eindeutig: Die DTM wird aussterben.

Nun muss auch die WEC den zweiten harten Schlag in den Nacken hinnehmen, der ihr diesmal womöglich das Genick bricht. Im Herbst 2016 kehrte ihr bereits Audi den Rücken, jetzt verlässt auch noch Porsche die LMP1. Meiner Meinung nach vollkommen nachvollziehbar. Zwar mag die Rennserie eine gewisse Relevanz für die Hybridtechnologie auf der Straße haben, doch bis auf das große Spektakel um Le Mans herum bringt sie den Herstellern für viel Geld nur sehr geringe öffentliche Aufmerksamkeit über den Rest des Jahres hinweg. Zudem sind stundenlange Rennen längst nicht mehr zeitgemäß für die jüngeren Semester. Toyota wird nicht gegen sich selbst fahren, und Peugeot kann auch nicht so schnell in die Bresche springen. Auch die WEC in ihrer jetzigen Form dürfte aussterben.

So sehr ich mich persönlich freue über die Herstellerflut in der Formel E, so leid tut es mir gleichzeitig für die übrige Motorsportwelt (die ich ja auch leidenschaftlich verfolge). Tolle Rennserien könnten für immer von der großen Bühne verschwinden, nachdem sie jahrzehntelang Millionen von Menschen begeistert haben und das auch noch heute tun. Aber die Hersteller, die die Serien stets mit ihren Millionenbudgets befeuert haben, orientieren sich aus wirtschaftlichen Gründen um, weil es plötzlich etwas Neues und in vielerlei Hinsicht Besseres gibt, das eine sehr alte Branche aufmischt und revolutioniert. Disruption eben. Im Gleichschritt mit der Industrie - wie es im klassischen Motorsport auch mal war.

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