Formel E

Pascal Wehrlein tobt nach Formel-E-Unfall mit Nyck de Vries: "Hoffe, dieser Idiot kommt nicht in die F1!"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Beim Formel-E-Finalrennen in Seoul kam es zum wiederholten Male zu einem Unfall mit Beteiligung von Nyck de Vries. Dieses Mal geriet der Mercedes-Pilot mit Pascal Wehrlein aneinander, indem er sich mit einem ruckartigen Manöver in Kurve 1 verteidigte. Wehrlein hatte keine Chance mehr auszuweichen, beide fielen wenig später aus. Noch im Unfallwagen tobte Wehrlein vor Wut und fand wenig schmeichelhafte Worte für de Vries.

Den E-Prix hatte der Formel-E-Champion der Saison 2021, Nyck de Vries, von Position 12 begonnen. Pascal Wehrlein startete auf Rang 15. Im ersten Drittel des Rennens arbeiteten sich beide mehrere Plätze nach vorn und fuhren schließlich direkt hintereinander. Als de Vries zu einem Überholmanöver in Kurve 1 ansetzte, verpasste der Niederländer seinen Bremspunkt deutlich und rauschte innen am Wagen seines Rivalen vorbei. Es kam zu einem heftigen Kontakt mit der rechten Vorderradaufhängung des Porsche.

Wenige Meter später stellte Wehrlein seinen Boliden mit einer beschädigten Front ab. De Vries musste mit einem Reifenschaden die Boxengasse ansteuern und stieg letztlich in der Box aus. Am Teamfunk schimpfte Wehrlein, noch während er im Auto saß: "Ich hoffe, mit seiner beschissenen Fahrweise schafft er es nicht in die Formel 1! So ein verdammter Idiot!"

Im Formel-E-Paddock ist de Vries, der seit rund einem Jahr immer wieder für ein Cockpit in der "Königsklasse" gehandelt wird, für seinen aggressiven Fahrstil berüchtigt. Illustriert wurde dies zuletzt beim London E-Prix von Antonio Felix da Costa (DS Techeetah), der den Niederländer nach dem Rennen als "Chihuahua" bezeichnete und davon sprach, wie häufig de Vries andere Fahrer in die Wand drücke.

Wehrlein: "Nicht der Fahrstandard dieser Meisterschaft"

"Bei einem ersten Zwischenfall wechselte er die Linie beim Anbremsen vor Kurve 20", präzisiert Wehrlein seine Kritik an de Vries bei den Kollegen von 'The Race'. "Ich war gezwungen, alle Räder zu blockieren und wäre beinahe gecrasht. Dadurch habe ich ein oder zwei Positionen verloren. Eine Runde später hat er sich, glaube ich, den Attack-Mode geholt, und bei der erstbesten Gelegenheit ein überoptimistisches Manöver in Kurve 1 versucht."

"Er ist komplett Richtung Kurvenausgang gerutscht, in mein Auto gecrasht und hat mit diesem viel zu späten Bremsen mein Rennen zerstört", wettert Wehrlein weiter. "Er hätte die Kurve also ohnehin nicht mehr bekommen, was es für mich vollkommen unverständlich macht. Das ist nicht der Fahrstandard dieser Meisterschaft, also solche Manöver. Es sind leider immer wieder dieselben Fahrer, die solche übermotivierten Angriffe starten, und heute war leider ich sein Opfer."

De Vries sieht die Sache naturgemäß ein bisschen anders. Beim ersten von Wehrlein beschriebenen Zwischenfall habe er den Deutschen "vorbeigelassen", um sich zu diesem Zeitpunkt nicht in einen Zweikampf verwickeln zu lassen. "Als ich dann den Attack-Mode hatte und wieder hinter ihm war, hätte ich von ihm dieselbe Herangehensweise erwartet, aber er wollte kämpfen. Ich hatte mich schon für die Kurve positioniert, und seine rechte Front hat klar mein linkes Heck berührt. Das hat letztendlich auch zu meinem Platten geführt."

Auch Kommissare verurteilen Nyck de Vries

Für das Verursachen des Unfalls mit Wehrlein sprachen die Regelhüter der FIA eine Zeitstrafe von fünf Sekunden gegen den Niederländer aus. Da de Vries infolge der Kollision ohnehin ausschied, blieb diese Strafe allerdings ohne Konsequenz. Ihm wurden zudem zwei Strafpunkte auf seine Rennlizenz erteilt. Damit sammelte er derer sieben in den vergangenen zwölf Monaten.

Übrigens wurde auch Wehrlein nach dem Unfall bestraft, allerdings aus einem ganz anderen Grund: Da der Deutsche das Auto ohne Erlaubnis des Rennleiters Scot Elkins verlassen hatte und zudem das Lenkrad nicht ordnungsgemäß an der Lenksäule anbrachte - mutmaßlich aus Wut über den Zwischenfall -, muss der Deutsche beziehungsweise sein Team eine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 3.500 Euro an die FIA zahlen.

Ob sich Wehrlein und de Vries auch 2023 noch in der Formel E begegnen werden, ist derzeit noch nicht klar. Porsche wird voraussichtlich - wenngleich eine offizielle Bestätigung noch aussteht - mit Wehrlein und Antonio Felix da Costa antreten. De Vries wird seinerseits als Nachfolger von Lucas di Grassi bei Maserati (derzeit: Venturi) gehandelt, sollte er nicht doch noch ein Cockpit in der Formel 1 ergattern - was Wehrlein offensichtlich miesfiele.

zusätzliche Berichterstattung durch Timo Pape

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1 Kommentare

Simon ·

Ich bin der selben Meinung wie Wehrlein. Was sich De Vries auch in New York zusammengefahren hat, ist nie im Leben Formel 1 tauglich. De Vries hatte den Titel letztes Jahr fahrerisch sowieso nicht verdient. Er hat nur durch Glück in Valencia und im Saisonfinale die Meisterschaft gewonnen.

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