Formel E

Bericht: Nelson Piquet jr. wechselt zur 4. Formel-E-Saison zu Jaguar

Timo Pape

Timo Pape

Spekulationen über den Deal gibt es schon lange, doch nun scheint der Hammer gefallen zu sein: Nelson Piquet jr. wechselt offenbar zu Panasonic Jaguar Racing. Der Champion der ersten Formel-E-Saison soll Adam Carroll beim britischen Rennstall ersetzen und künftig an der Seite von Mitch Evans die vierte Saison bestreiten, die am 2. Dezember in Hongkong startet. Das berichtet 'e-racing365'. Die offizielle Vorstellung des neuen Jaguar-Teams ist für kommende Woche, Donnerstag, den 21. September, angesetzt.

Piquet stand bereits lange Zeit auf dem Wunschzettel von Jaguar. Erste Gespräche fanden schon vor dem Werkseinstieg der "Raubkatze" vor gut einem Jahr statt. Vor einigen Wochen, im August, soll der Deal nun endgültig zustande gekommen sein. Eigentlich stand Piquet auch weiterhin unter Vertrag beim chinesischen Team NextEV NIO, für das er die vergangenen drei Saisons bestritten hat. NextEV soll um Piquet gekämpft haben, letztlich scheinen der Brasilianer und Jaguar jedoch einen Weg gefunden zu haben, das in den letzten zwei Jahren schwächelnde NIO-Team verlassen zu können.

Wer den Platz von Piquet bei NIO - so ja der künftige Name - einnehmen wird, ist noch unklar. Einige Piloten der dritten Formel-E-Saison befinden sich derzeit in der Schwebe und könnten bei den Chinesen andocken. Mögliche Kandidaten wären Robin Frijns, Loic Duval, Jose Maria Lopez, Adam Carroll oder Stephane Sarrazin. Vielleicht holt NIO aber auch einen Serienneuling an Bord. Aktuell ist nicht abzusehen, wer die besten Chancen hat - reine Spekulation.

Jaguar soll neben Piquet auch Interesse an den beiden Virgin-Fahrern Sam Bird und Alex Lynn gehabt haben, die erst vor kurzem für Saison vier bestätigt worden sind. Letzterer absolvierte im August sogar noch einen Test für Jaguar, blieb aber am Ende bei Virgin, weil Lopez das Team verlassen hat.

Neben Piquet soll auch dessen ehemaliger Renningenieur Phil Charles im August bei Jaguar angeheuert haben. Charles arbeitete zuletzt in den Jahren 2008 und 2009 an der Seite Piquets, als dieser für Renault in der Formel 1 antrat. Zwischen 2013 und 2017 war Charles Chefrenningenieur bei Toro Rosso in der "Königsklasse". Patrick Coorey, bisher Renningenieur von Adam Carroll, soll allerdings ebenfalls bei Jaguar bleiben. Welche Rolle Charles einnehmen wird, ist somit noch nicht ganz klar.

Kommentar von Timo Pape: Jaguar auf dem Weg nach oben

Noch ist nichts bestätigt, doch der Wechsel von Piquet zu Jaguar hat sich angedeutet und scheint realistisch. Sinn ergibt der Deal für beide Seiten gleichermaßen, denn nicht nur Piquet will endlich wieder um Siege kämpfen können. Jaguar hat eine erwartet schwierige erste Formel-E-Saison hinter sich. Zwar reichte es am Ende nur zum letzten Platz, doch die Briten waren durchaus auf Augenhöhe mit Andretti, Dragon und Venturi. Alles Teams, die seit dem ersten Formel-E-Rennen 2014 dabei sind und bereits Erfolge verbuchen konnten - allen voran Dragon mit der Vizemeisterschaft 2014/15. 27 Punkte holte Jaguar in Saison drei, allein zwölf davon durch den starken vierten Platz von Mitch Evans in Mexiko. Wenn man nun bedenkt, dass Jaguar schon früh im Jahr 2016 auf eine sehr konservative Antriebslösung setzte, verlief die Debütsaison eigentlich recht positiv.

Mittlerweile hat Jaguar viel Erfahrung gesammelt. Der neue Antrieb dürfte deutlich konkurrenzfähiger sein als bisher. Konsequenterweise muss die "Raubkatze" nun auch beim Fahrer-Line-up groß denken. Evans hat sich in Saison drei verdient gemacht, doch Adam Carroll war in meinen Augen eine herbe Enttäuschung. Piquet hat seit der ersten Saison gezeigt, dass er zu den besten Fahrern der Formel E gehört, gerade was das Energiemanagement angeht. Er wird Jaguar ein ganz neues Selbstverständnis geben und gleichzeitig mit seiner Erfahrung ein guter Maßstab für den jungen Evans sein. Piquet ist die perfekte Wahl. Ich denke, er wird Jaguar in den nächsten zwei Jahren zu einem Topteam der Formel E entwickeln - sofern er denn tatsächlich kommt.

Die Briten bringen - auch dank dem Williams-Team, das das operative Geschäft an der Strecke übernimmt - reichlich Motorsporterfahrung mit. Und jede Menge Geld. Schon in Saison drei wurde deutlich, dass sich Jaguar im Rahmen der ePrix mächtig in Schale wirft. Erst kürzlich verkündete die Marke zudem, ab Saison fünf die Jaguar I-PACE eTrophy als Markenpokal im Rahmen der Formel E zu veranstalten. Und auch beim vermeintlichen Wechsel von Piquet dürfte Jaguar tief in die Tasche gegriffen haben, um den ehemaligen Meister aus seinem Vertrag herauszukaufen. Jaguar geht in Sachen Formel E in die Vollen, und das wird sich mittelfristig auszahlen.

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