Formel E

Formel E in Chile: Die große Rennvorschau zum Santiago E-Prix

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Auf dem Weg zum ersten Formel-E-Fahrertitel von Jean-Eric Vergne bildete der Santiago E-Prix im Februar 2018 ohne Frage den ersten großen Wendepunkt der vergangenen Saison. In einem chaotischen Rennen in der chilenischen Hauptstadt stürzten die Computer aller Teams kurz nach den damals noch obligatorischen Boxenstopps ab, wodurch Vergne den E-Prix nicht nur ohne Boxenfunk durchstehen, sondern das Rennen auch mit einem fehlerhaften Energiemanagement-Plan beenden musste.

Infolge eines packenden Duells und einigen Kollisionen mit seinem Teamkollegen Andre Lotterer überquerte der Franzose den Zielstrich nach 37 Runden dennoch auf Position 1. Es sollte der erste Doppelsieg eines Teams in der Formel-E-Historie werden - und der erste für Vergne in der Saison 2017/18. Kann "JEV" seinen Erfolg auf einer neuen Strecke in Santiago wiederholen? Oder sind es wieder BMW und Mahindra, die den Sieg untereinander ausfechten? Unsere Vorschau auf den Santiago E-Prix 2019.

Stadt, Land, Fluss…

Als Hauptstadt und unumstrittenes politisches Zentrum von Chile ist Santiago die bedeutendste Stadt des Landes. Mit etwa acht Millionen Einwohnern lebt fast jeder zweite Chilene in Santiago oder im Ballungsraum der Metropole am Westhang der Anden. Santiago blickt auf eine ereignisreiche und kriegerische Geschichte zurück, die unter anderem die bewaffneten Konflikte zwischen spanischen Konquistadoren und Inka-Stämmen im 16. Jahrhundert einschließt.

Heute zieht Santiago als Kulturzentrum in Südamerika die begnadetsten Künstler aus Musik, Theater und Malerei an. Neben zahllosen Museen finden sich auch Parks, Kathedralen, Universitäten und belebte Märkte in der Innenstadt wieder. Santiago ist zudem eine der wenigen Metropolen, von denen aus das Meer ebenso schnell erreichbar ist wie die Skigebiete des Landes.

Was seit dem letzten Saisonlauf passierte

Eine Pause von gerade einmal zwei Wochen ist in der Formel E eine Seltenheit. Dafür ist in der kurzen Zeitspanne umso mehr passiert. Die aus deutscher Sicht wohl größte Meldung: Der Kartenverkauf für den Berlin E-Prix 2019 wurde endlich eröffnet. Die Formel E verteilt das Rennen in der Hauptstadt erstmals auf zwei Tage - Trainings am Freitag, Qualifying und Rennen am Samstag -, um der Terminkollision mit dem DFB-Pokalfinale aus dem Weg zu gehen. Wie du an Tickets für den Berlin-Lauf kommst, liest du in unserem Artikel.

Für Kontroverse sorgte indes Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko, der in einem Interview über die Formel E herzog und sie als "Ablenkung der Automobilindustrie vom Diesel-Skandal" abtat. Besonders interessant: Max Verstappen, einer von Markos Fahrern in der Formel 1, unterstütze die Formel-E-Stewards in Marrakesch in einer beratenden Rolle und sprach sich nach dem Rennwochenende vor zwei Wochen positiv über die Elektroserie aus.

Zeitplan 2019 (alle Angaben in MEZ)

12:00 - 12:45 Uhr - 1. Freies Training
14:15 - 14:45 Uhr - 2. Freies Training
16:00 - 17:05 Uhr - Qualifying
20:05 - 21:00 Uhr - Rennen (45 min + 1 Runde)

Strecke

Alles neu in Santiago: Eine Kontroverse um den Streckenabbau, bei dem im Vorjahr unter anderem eine bedeutsame Skulptur vor einem Museum beschädigt wurde, zwingt die Formel E für 2019 zu einem Umzug in den O'Higgins-Park, die zweitgrößte Parkanlage Chiles. Dadurch wartet eine neue High-Speed-Strecke auf die Elektroserie, die sich durch lange Geraden und voraussichtlich viele Überholmöglichkeiten auszeichnet.

Die Attack-Zone wurde von den Veranstaltern dieses Mal in Kurve 3 positioniert - auf der Außenbahn einer mittelschnellen Linkskurve im gewundenen ersten Streckenabschnitt. Anschließend werden die Fahrer durch eine Schikane auf einen langen Linksbogen geführt, der mit einer weiteren Schikane (Kurve 8/9/10) entschärft wird. Neben dieser Kurvenkombination bieten besonders die Kurven 12, 13 und 14 gute Überholmöglichkeiten. Auf die Piloten wartet in Santiago, nach den Worten von Mahindra-Testfahrer Sam Dejonghe, "ein Ritt auf einem Bullen". Wir können uns auf jede Menge Action gefasst machen.

Formel E im TV bei Eurosport & Online-Stream im ZDF

Wer die ersten beiden Formel-E-Rennen der Saison verfolgt hat, wird sich in Santiago auf wenige Neuerungen einstellen müssen. Erneut ist der E-Prix live und in voller Länge sowohl bei Eurosport 1 im Free-TV als auch im Online-Live-Stream im ZDF zu verfolgen. Für die Trainingssessions bietet die Formel E wie immer einen kostenlosen Stream auf ihrem offiziellen YouTube-Kanal an, den wir auf e-Formel.de einbinden. Wie zuletzt in Marrakesch wird das Qualifying jedoch erneut nicht im deutschen Fernsehen zu verfolgen sein. Die Qualifikation wird demnach hierzulande einzig und allein im kostenpflichtigen Eurosport Player ausgestrahlt.

All denen, die das Qualifying dennoch verfolgen wollen, legen wir daher unseren kostenlosen e-Formel.de Live-Ticker ans Herz, in dem wir wie immer sämtliche Sessions des Tages in Echtzeit für dich begleiten. Auch über unseren hauseigenen WhatsApp-Newsletter verpasst du nichts aus Santiago.

Wetter

Nach Rennen in Saudi-Arabien und Marokko bekommt die Formel E in Santiago endlich ihr erstes Hitze-Rennen der Saison. Meteorologen erwarten für den Rennsamstag Spitzentemperaturen von bis zu 34 bis 36 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von rund 25 Prozent. Hinzu kommen Windböen von 23 km/h, die Staub auf die Strecke wehen könnten.

Bereits zum Start in das 1. Freie Training ist mit rund 20 Grad Celsius zu rechnen. Für die neuen McLaren-Batterien könnte der Santiago E-Prix somit zum ersten echten Härtetest werden.

(Fun)-Facts

  • Die Formel E umrundet in Santiago die "Movistar-Arena", eine Mehrzweckhalle für Konzerte und Sportveranstaltungen. Auf dem Gelände um das Stadion findet jährlich das Lollapalooza-Chile-Musikfestival statt.
  • Die Audi-Flaute macht sich in den Statistiken bemerkt: In dieser Saison starteten die Ingolstädter zum ersten Mal in der Geschichte des Teams bei zwei aufeinanderfolgenden Rennen mit keinem Fahrzeug in den Top 10.
  • Santiago liegt in einem Tal, was im Winter zu starker Luftverschmutzung und Smog führt. Die Luftqualität hat sich seit Beginn des Jahrzehnts stark verschlechtert und liegt auch im Sommer weit über den gesundheitlich unbedenklichen Grenzwerten.
  • Der Ojos del Salado an der argentinisch-chilenischen Grenze ist nicht nur die größte Erhebung des Landes, sondern zeitgleich der höchste aktive Vulkan der Welt. Auf 6.390 Metern Höhe befindet sich zudem der mutmaßlich höchstgelegene Kratersee der Erde.
  • Um den Kurs in Santiago mit Empanadas, dem Nationalgericht Chiles, einmal zu umrunden, müsste man mindestens 23.480 der mit Zwiebeln, Hackfleisch, Ei, Oliven, Rosinen und Kräutern gefüllten Teigtaschen aneinanderreihen.

Tobis Prognose

Nach dem Vorbild des Santiago-Rennens 2018 heißt es für DS Techeetah schon beim dritten Rennen: "Alles oder nichts." Jean-Eric Vergne und Andre Lotterer haben, und darauf will ich mich zumindest zu diesem Zeitpunkt in der Saison festlegen, das beste Auto im ganzen Feld. Nach drei von vier möglichen Top-5-Resultaten wird es nun Zeit für die französisch-chinesische Kooperation, sich endlich auch auf die oberste Stufe des Podiums zu stellen.

Selbstverständlich heißt die Zuschreibung der Favoritenrolle an DS aber noch lange nicht, dass wir in Chile Teams wie Audi, Virgin oder BMW außer Acht lassen sollten. Und dann wäre da noch Jerome d'Ambrosio im Mahindra, der nach seinem Rennsieg in Marrakesch immerhin die Fahrerwertung der Formel E anführt. Gerade im Qualifying hat auf der unbekannten Strecke jeder Fahrer - und das meine ich so: jeder Fahrer - die Chance auf die Pole-Position. Im Rennen könnte DS wohl aber die Oberhand haben.

Dennoch lasse ich mich gern eines Besseren belehren. Ich hätte durchaus nichts gegen ein Comeback von Nissan e.dams oder Jaguar Racing einzuwenden. Tendenziell sind jedoch die Schwarz-Goldenen am besten aufgestellt. Freuen wir uns auf ein packendes Rennwochenende in Santiago!

Reminder: e-Formel.de bietet auch in der Saison 2018/19 ein Tippspiel zur Formel E an. Wer bei unserer kostenlosen Community-Tippspiel-Runde mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, seine Tipps abzugeben oder sich gegebenenfalls neu anzumelden.

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