Formel E

Rene Rast über Teamkollege, DTM & Formel-E-Comeback: "Wie ein Sprung ins kalte Wasser"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Der amtierende DTM-Meister Rene Rast wird auch im nächsten Jahr für Audi in der Formel E starten. Der 34-Jährige kam zuletzt beim Berlin E-Prix als Ersatzfahrer zum Einsatz, nachdem die Ingolstädter ihren Stammfahrer Daniel Abt in der Race-at-Home-Affäre vor die Tür gesetzt hatten. Im Interview berichtet Rast über seine ersten Erfahrungen in der Elektroserie, die Unterschiede zur DTM, eingeschränkte Sicht im Cockpit und seinen Teamkollegen Lucas di Grassi.

Unverhofft kommt oft, heißt es - insbesondere im Motorsport. Ähnlich wie bei seinem ersten Gaststart in der Formel E 2016 tauchte Rene Rast auch beim Berlin E-Prix 2020 über einen unerwarteten Umstand auf den offiziellen Nennlisten der FIA auf. Zuvor hatte Audi den bisherigen Formel-E-Stammfahrer und Publikumsliebling Daniel Abt gefeuert, nachdem dieser bei einem virtuellen Rennen der "Race at Home Challenge" für den Einsatz eines Profi-Simracers disqualifiziert worden war.

Hinter den Kulissen wurde Rast schon vor dem Gaming-Skandal als möglicher Abt-Ersatzmann gehandelt. Dass sein erster Einsatz für das Herstellerteam aber bereits in der laufenden - wenn auch von der Corona-Pandemie stark zerrütteten - Formel-E-Saison 2019/20 kommen würde, hätten wohl nur die wenigsten Experten vorhergesagt. "Es ging sehr schnell von 0 auf 100. Ich musste alle Systeme und das Auto kennenlernen, und dann kamen noch die DTM-Rennen im August hinzu", reflektiert Rast in einem Interview für die offizielle Formel-E-Webseite. "Das war verrückt!"

Reifenmanagement "am Anfang eher ein Ratespiel"

Die Elektroserie beendete ihre abgelaufene Saison mit einem "Motorsport-Marathon" auf dem ehemaligen Flughafen in Berlin-Tempelhof, wo innerhalb von neun Tagen die letzten sechs Läufe ausgetragen wurden. Die hohe Frequenz der Rennen half Rast bei der Eingewöhnung. "Der größte Unterschied zwischen dem, was ich gewohnt bin, und dem Gen2-Wagen ist die Art und Weise, in der die Leistung abgegeben wird. Und die eingeschränkte Sicht mit dem Halo und den Radverkleidungen. Das verändert den Blick durch die Kurve, weil der Scheitelpunkt verdeckt ist. Das macht es nicht einfach."

"Das Wichtigste für mich war aber das Verständnis der Reifen", berichtet Rast. Tatsächlich ist die Formel-E-Strecke in Tempelhof für ihren rauen Beton-Untergrund und den damit verbundenen hohen Reifenverschleiß bei Fahrern und Teams seit Jahren berüchtigt. "Das macht einen großen Unterschied, und man muss verstehen, wie man die Reifen vor einer Runde im Qualifying behandeln muss. Das bestimmt, wie du an einem Rennwochenende abschneidest. Ich habe erst in den letzten zwei Rennen so wirklich verstanden, wie ich sie bearbeiten muss. Vorher war das eher ein Ratespiel."

Rast weiter: "Als nächstes gab es dann das Energiemanagement. Man muss zwischen dem Qualifying und Rennen seinen Fahrstil anpassen, unterschiedliche Linien fahren. Das war kompliziert, aber ich hatte in Tempelhof Zeit zu lernen. Das war ein Prozess. In den ersten zwei, drei Rennen war das aber ein bisschen so wie ein Sprung ins kalte Wasser."

Lucas di Grassi als Teamkollege: "Besser geht es kaum!"

Beim Berlin E-Prix erreichte Rene Rast bei drei von sechs Rennen die Punkteränge, also einen Platz unter den Top 10. Im vorletzten Rennen feierte er als Dritter sogar sein erstes Podium in der Formel E. Die Saison schloss der Deutsche auf Gesamtplatz 15 ab - vor allen Mahindra-, Dragon- und Nio-Piloten sowie Felipe Massa (Venturi) und Neel Jani (Porsche). Sein Teamkollege Lucas di Grassi erreichte für Audi ein weiteres Podiumsergebnis in der Hauptstadt und beendete die Saison als Gesamtsechster.

"Einen so erfahrenen Teamkollegen wie Lucas zu haben, ist sehr wertvoll", plaudert Rast. "Wann auch immer ich eine Frage hatte, hat er mir geholfen. Er ist der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Rennserie, besser geht es in Sachen Teamkollegen kaum!"

Trotz seiner ersten Rennerfahrungen mit Audi stellt Rast noch keine hohen Erwartungen an die Formel-E-Saison 2021: "Die Rennen in Berlin haben definitiv meinen Appetit angeregt, ich freue mich also sehr auf meine erste ganze Saison in der Formel E", berichtet er. "Das ist ein aufregendes neues Kapitel in meiner Karriere, das wird spannend." Das erste Rennen der neuen Saison startet am 16. Januar 2021 in Santiago. Zuvor finden ab dem 28. November die offiziellen Vorsaison-Testfahrten der Formel E in Valencia statt.

Foto: Audi Motorsport Communications/DPPI

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 8 plus 2.