Jaguar I-Pace eTrophy - SUV-Markenpokal im Rahmen der Formel E

Mit dem Beginn der zweiten Formel-E-Generation zur Saison 2018/19 bekam die Formel E ihre erste Rahmenserie: die Jaguar I-Pace eTrophy. Der Markenpokal des britischen Automobilherstellers Jaguar befindet sich demnach in seiner zweiten Saison und ist die weltweit erste Tourenwagenserie, ihre Rennen mit rein elektrischen Auto austrägt. Vorgestellt wurde die Serie erstmals im September 2017 auf der IAA in Frankfurt durch Formel-E-Gründer Alejandro Agag und Gerd Mäuser, Vorsitzender bei Jaguar Racing.

Die Autos

Die Rennfahrzeuge der Jaguar I-Pace eTrophy basieren auf der Straßenversion des Jaguar I-Pace, der 2018 als erstes elektrisches Fahrzeug des britischen Herstellers auf den Markt kam. So sind beispielsweise der Inverter und die 90 kWh starke Batterie dem Straßenwagen entnommen.

Der Antriebsstrang und das Chassis wurden für den Rennsport modifiziert: Der Elektromotor verfügt im Rennmodus über 294 kW (400 PS) Leistung und knapp 700 Nm Drehmoment. Damit beschleunigt das Auto in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im Qualifying wird die Leistung auf 325 kW (442 PS) erhöht. Um den Sicherheitsstandards der FIA zu entsprechen, wurde die Fahrerkabine mit einem Überrollkäfig ausgestattet. Reifen bezieht der Markenpokal einheitlich von Michelin. Die Räder messen 22 Zoll im Durchmesser.

Änderungen vor der Saison 2019/20

Neu ist in der zweiten Saison des Markenpokals der aus der Formel E bekannte Attack-Mode. Damit können Fahrer mehrmals im Rennen für eine von der Rennleitung festgelegte Zeit zusätzliche Leistung freischalten, die das Überholen vereinfachen soll. Wie oft der Attack-Mode innerhalb eines Rennens eigesetzt werden darf bzw. muss, gab Jaguar bisher nicht bekannt.

Um den Attack-Mode zu nutzen, muss der Fahrer zunächst das System per Knopfdruck "scharf" stellen und dann die Aktivierungszone ("Attack-Zone") abseits der Ideallinie vollständig überfahren. Im Attack-Mode erhöht sich die Leistung der Fahrzeuge um 20 Prozent. Das entspricht einer Maximalleistung von 325 kW (442 PS) und ist damit sogar mehr als die Leistung im Qualifying-Modus.

Die technischen Fakten im Überblick

 

Maximale Leistung (Quali-Modus)

325 kW (442 PS)

Leistung im Rennmodus

294 kW (400 PS)

Max. Drehmoment

696 Nm

Höchstgeschwindigkeit

194 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h

4,5 s

Batterie-Kapazität

90 kWh (Lithium-Ionen)

Leergewicht

1.965 kg

Gewicht Batterie

610 kg

Motor

2 Elektromotoren (1 pro Achse)

Bremsen

Scheibenbremsen (AP Racing)

ABS

ja (Bosch Motorsport ABS)

Reifen

Michelin Pilot Super Sport (265/35 R 22)

Räder

22 Zoll

Antrieb

Allrad-Antrieb

Getriebe

Einstufengetriebe

Aufhängung

Einzelradaufhängung (hinten & vorn)

Maße (Länge/Breite/Höhe)

4.855 mm/2.145 mm/1.525 mm

 

Der Rennkalender der Jaguar I-Pace eTrophy

Genau wie in der Debütsaison wird die Jaguar I-Pace eTrophy in ihrem zweiten Meisterschaftsjahr insgesamt zehn Rennen austragen. Durch die "Double-Header" in Diriyya und London nimmt die Rahmenserie nur noch an acht Rennwochenenden der Formel E teil.

Ausgelassen werden die Rennen in Santiago de Chile, Marrakesch, Seoul und Jakarta. Durch die Absage des Formel-E-Rennens in Hongkong aufgrund der politischen Situation musste auch die Jaguar I-Pace eTrophy ihren Lauf in der chinesischen Sonderverwaltungszone streichen. Dafür rückte Sanya in den Kalender und stellt nun den vierten Saisonlauf dar.

 

Das Rennformat

Zusätzlich zum regulären Formel-E-Programm finden drei Sessions der Jaguar I-Pace eTrophy an einem Rennwochenende statt. Dabei handelt es sich um ein Freies Training, ein Qualifying und ein 25-minütiges Rennen. Die Zeiten der Sessions richten sich nach dem Formel-E-Zeitplan und finden zwischen den Sessions der Hauptserie statt.

Punktevergabe

Die Fahrer der Jaguar I-Pace eTrophy werden in zwei Klassen unterteilt: Profis (Pro) und Semi-Profis (Pro-Am). Die Punkte werden jedoch in beiden Klassen gleich vergeben. Für einen Sieg erhält ein Fahrer in der Jaguar I-Pace eTrophy 20 Meisterschaftspunkte. Der Zweitplatzierte bekommt 15 Zähler, und der Dritte elf. Platz 4 ist acht Punkte wert, Rang 5 sechs Zähler, und danach geht es schrittweise nach unten.

Die Jaguar I-Pace eTrophy im Live-Stream

Wie in der vergangenen Saison können Fans sowohl das Rennen als auch das Qualifying des Markenpokals bei ran.de im Live-Stream verfolgen. Zusätzlich bietet Jaguar Racing einen Live-Stream auf Facebook an.

Fahrer & Teams der Jaguar I-Pace eTrophy

Bislang wurden für die Saison 2019/20 knapp zehn Fahrer bestätigt. Das Meisterteam aus Brasilien, Jaguar Brasil Racing, wird in derselben Konstellation wie im vergangenen Jahr an den Start gehen, also mit Caca Bueno und dem Meister der Debütsaison, Sergio Jimenez. Auch Simon Evans kehrte mit dem Team Asia New Zealand für das zweite Jahr der Serie zurück.

Das deutsche "ran racing Jaguar eTrophy Team Germany" geht in Saison 2 mit neuer Pilotin an den Start: Alice Powell ersetzt Celia Martin als Stammfahrerin des Teams. Powell machte mit einem fünften Platz im Jaguar-VIP-Car beim Diriyya-Rennen 2018 auf sich aufmerksam.

Die Teams aus Saudi-Arabien und China haben in der ersten Saison den Titel in der Am-Kategorie unter sich ausgemacht. Saudi Racing setzt 2019/20 mit Fahad Algosaibai und Mashhur Bad Hejaila gleich zwei neue Fahrer ein. Jaguar China Racing hielt einerseits an Yaqi Zhang fest. Teamkollege des Chinesen wurde der 33-jährige Sun Chao.

Weitere Fahrer und Teams sollen in Kürze bekanntgegeben werden, heißt es von Seiten Jaguar. Das Starterfeld war bereits in der ersten Saison eines der Probleme der Jaguar I-Pace eTrophy. Die Elektroserie startete die Saison 2018/19 mit zwölf Autos und kündigte mehrfach an, das Fahrerfeld im Laufe der Saison auf 20 Fahrer aufzustocken. Dennoch blieb es bei zwölf Fahrern. Im Juli 2019 ließ die Serie abermals verlauten, die zweite Saison mit 17 Fahrern zu eröffnen. Auch dieses Ziel sollte sie verfehlen.

Einführung in die Jaguar I-Pace eTrophy

Rückblick: So verlief die Debütsaison 2018/19

Gleich beim ersten Rennen der Jaguar I-Pace eTrophy in Diriyya musste das Qualifying wegen Regens ausfallen. Die Startaufstellung bildete daher das Ergebnis des Freien Trainings, in dem sich Simon Evans ganz vorn platzieren konnte. Der Neuseeländer sicherste sich schließlich den ersten Sieg der eTrophy-Geschichte vor Sergio Jimenez.

Beim zweiten Rennen in Mexiko startete der ehemalige Formel-E-Fahrer Salvador Duran im Jaguar-VIP-Car und drehte bereits in der Anfangsphase des Rennens infolge eines Überholmanövers sich selbst sowie den Brasilianer Caca Bueno. Simon Evans war ebenfalls in den Unfall verwickelt. Keiner der Beteiligten konnte das Rennen beenden. Katherine Legge und Bryan Sellers fuhren einen Doppelsieg für Rahal Letterman Lanigan Racing ein.

Beim darauffolgenden Rennen in Hongkong fuhren die beiden Piloten von Rahal Letterman Lanigan Racing in umgekehrter Reihenfolge als Erster und Zweite ins Ziel. Sergio Jimenez quetschte sich in der letzten Kurve mit einem fragwürdigen Manöver an Simon Evans vorbei und sicherte sich den dritten Platz. Yaqi Zhang platzierte sich als bester Fahrer der Am-Kategorie auf einem starken fünften Platz.

Caca Bueno, der bis dahin mit zwei Ausfällen einen größeren Rückstand auf den Gesamtführenden hatte, konnte sich mit einem Sieg in Sanya in der Gesamtführung nach vorne arbeiten.

Beim Regenrennen in Rom sicherte sich Sergio Jimenez einen Start/Ziel-Sieg und bezwang dabei Bryan Sellers. Zum Ende des Rennens setzte so starker Regen ein, dass Bandar Alesayi und Yaqi Zhang die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren. Katherine Legge kam bei den Bedingungen am besten klar, konnte aber den Drittplatzierten Evans nicht mehr überholen.

In Paris verbuchte Bryan Sellers einen zweiten Sieg auf sein Konto. Caca Bueno hinter ihm verlor kurz nach der Rennhalbzeit die Kontrolle über sein Auto und crashte in die TecPro-Barriere. Diese konnte nicht mehr rechtzeitig repariert werden, sodass das Rennen abgebrochen werden musste. Celia Martin sicherte sich bei ihrem Heimrennen als Zweite ihre erste Podiumsplatzierung in der Pro/Am-Kategorie.

Caca Bueno und Sergio Jimenez holten in Monaco einen Doppelsieg für Jaguar Brasil Racing. In der Startphase versuchte Stefan Rzadzinski im TWR Techeetah, Bryan Sellers zu überholen. Die Fahrzeuge berührten sich, und die Aufhängung an Rzadzinskis Auto brach. Er konnte das Fahrzeug nicht mehr kontrollieren und schob auch Katherine Legge in die Barrieren. Rzadzinski selbst nahm das Rennen nach Unterbrechung wieder auf.

Adam Carroll ersetzte zum Rennen in Berlin Stefan Rzadzinski im TWR Techeetah. Caca Bueno sicherte sich den Sieg vor Teamkollege Sergio Jimenez, der somit als Meisterschaftsführender nach New York fuhr. Katherine Legge kollidierte in der zweiten Runde mit Bandar Alesayi. Der Saudi geriet auch mit seinem Teamkollegen aneinander, sodass Celia Martin die Führung in der Pro/Am-Kategorie einnahm. Sie verteidigte diese bis zum Schluss, musste sich jedoch Yaqi Zhang geschlagen gegeben.

Sergio Jimenez fuhr in New York seinen zweiten Sieg der Saison ein und sicherte sich somit den ersten Fahrertitel der Jaguar I-Pace eTrophy. Bryan Sellers, sein erster Verfolger, konnte nach einem Crash im Qualifying nicht zum Rennen antreten, da das Auto nicht rechtzeitig repariert werden konnte. Ziyi Zhang in Diensten von Jaguar China Racing und VIP-Starter Mike Hacking lösten nach etwa 15 Minuten eine Gelbphase aus, die bis zum Rennende andauerte. Bandar Alesayi sicherte sich den Sieg in der Pro/Am-Kategorie und den Meistertitel der Halbprofis. Jimenez holte sich am nächsten Tag auch noch den zweiten Sieg in New York. TWR Techeetah war in New York gar nicht mehr an den Start gegangen.

Die Jaguar I-Pace eTrophy erntete in ihrer Debütsaison viel Kritik, weil auf der Strecke wenig passierte. In den gleich schnellen elektrischen SUVs war es sehr schwierig zu überholen. Auf den engen Stadtkursen der Formel E führten zudem viele Überholversuche zu Unfällen und anschließenden Full-Course-Yellow-, Safety-Car-Phasen oder roten Flaggen. Um mehr Überholmanöver und Rennaction zu ermöglichen, reagierte die Serie mit der Einführung des Attack-Modes für Saison 2.

Die finale Fahrerwertung der Saison 2018/19 (Pro-Klasse)

 

Platz      Punkte     Fahrer     Team      
1 149 Sergio JImenez Jaguar Brasil Racing
2 121 Caca Bueno Jaguar Brasil Racing
3 107 Bryan Sellers Rahal Letterman Lanigan Racing     
4 106 Simon Evans Team Asia New Zealand
5 86 Katherine Legge Rahal Letterman Lanigan Racing
6 43 Stefan Rzadzinski      TWR Techeetah
7 6 Adam Carroll TWR Techeetah

 

Die finale Fahrerwertung der Saison 2018/19 (Pro/Am-Klasse)

 

Platz      Punkte     Fahrer     Team      
1 155 Bandar Alesayi Saudi Racing
2 136 Yaqi Zhang Jaguar China Racing
3 117 Ahmed Bin-Khanen      Saudi Racing
4 77 Celia Martin Viessmann eTrophy Team Germany    
5 36 Ziyi Zhang Jaguar China Racing
6 11 Qi Lin Jaguar China Racing
7 11 Tao Wang Jaguar China Racing