Extreme E

Extreme E ist eine neue Rennserie für vollelektrische SUVs. Sie wird ihre Rennen in den extremsten Regionen der Erde auf Offroad-Strecken austragen und planmäßig im Januar 2021 in ihre erste Saison starten. Das Ziel von Extreme E ist es, mithilfe von packenden Rennen vor beeindruckenden Kulissen die bereits heute sichtbaren Folgen des Klimawandels an konkreten Beispielen zu veranschaulichen. Extreme E wird in Zusammenarbeit mit der Formel E durchgeführt und bedient sich vieler bewährter Mechanismen der Monoposto-Kategorie.

Erste Details zu Extreme E gaben die beiden Initiatoren des Projektes, Formel-E-Gründer Alejandro Agag und McLaren-Sportdirektor Gil de Ferran, im Rahmen einer großen Launch-Veranstaltung am 31. Januar 2019 in London bekannt.

Per Schiff zu den Rennorten

Um die entlegenen Rennorte mitsamt Autos, Equipment und Personal zu erreichen, haben sich die Macher hinter Extreme E eine bemerkenswerte Lösung ausgedacht: Das ehemalige Königliche Postschiff St. Helena wird als schwimmendes Fahrerlager dienen. An Bord des knapp 7.000 Tonnen schweren Postschiffs, das früher die Insel St. Helena im Südatlantik belieferte, werden sich künftig etwa die Kommandostände der Teams, die Schlafzimmer der Fahrer und Gästebereiche befinden. Dafür unterzieht Extreme E das Schiff einer umfassenden Renovierung und Modernisierung mit "Green-Emission"-Technologien.

Die gesamte Ausrüstung wird demnach auf dem Seeweg transportiert. Extreme E verpflichtet sich dabei zur Klimaneutralität. Bis zu sieben Knoten soll das Schiff St. Helena allein mithilfe eines gigantischen Windsegels erreichen. Dies soll den Kraftstoffverbrauch um rund 50 Prozent senken. Zusätzlich leistet Extreme E an allen Rennorten gemeinsam mit entsprechenden Umwelt-Initiativen einen Beitrag zur Sanierung und Wiederherstellung beschädigter Ökosysteme, die bereits vom Klimawandel betroffen sind. Der renommierte britische Entdecker und Umweltschützer David de Rothschild leitet die Mission als "Chief Explorer".

Rennorte

In der Debütsaison 2021 werden insgesamt fünf Rennveranstaltungen stattfinden, die jeweils vier Tage lang dauern sollen. Rennorte von Extreme E sind die Arktis (Problem: schmelzende Eiskappen), der Himalaya (schwindende Gletscher), die Sahara (Wüstenbildung), der Amazonas-Regenwald (Abholzung) und eine Insel im Indischen Ozean (Plastikmüll und steigende Meeresspiegel).

Die Technik der Extreme E

Nach dem Vorbild der Formel E stellt Extreme E allen zwölf teilnehmenden Teams Einheitschassis inklusive einer Einheitsbatterie zur Verfügung, um die Kosten möglichst gering zu halten. Das Basis-Fahrzeug wird von Spark Racing Technology aufgebaut. Die Firma stellt demnach den Stahlrohrrahmen, die Aufhängung und Stoßdämpfer, die Bremse, die Lenkung und die Crash-Struktur samt Überrollbügel. Der Akkumulator kommt ebenfalls wie in der Formel E aus dem Hause McLaren Applied Technologies. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um die aktuelle Formel-E-Batterie, sondern um eine Neuentwicklung für Extreme E.

In den Geländefahrzeugen sollen jeweils zwei Elektromotoren zum Einsatz kommen, die den Spezifikationen und Leistungswerten der Formel E entsprechen. Extreme E wird demnach gut doppelt so viel Power haben wie die aktuelle "Königsklasse" des elektrischen Motorsports. Die Maximalleistung des finalen Fahrzeugs soll zwischen 400 und 500 kW (544 bis 680 PS) liegen.

Eigenentwicklung am Antriebsstrang

Den Antriebsstrang dürfen die Hersteller - wie in der Formel E - selbst entwickeln. Dazu zählen bei Extreme E allerdings nur der Elektromotor sowie der Inverter. Teilnehmende Teams haben drei Möglichkeiten beim Antrieb: Treten sie nicht mit einer Eigenentwicklung an, können sie entweder als Kundenteam Antriebe der Konkurrenz zu einem gedeckelten Fixpreis beziehen, oder sie nutzen eine Art Standardpaket, das Extreme E selbst zur Verfügung stellen wird. Damit sich die Hersteller und Teams auch optisch von der Konkurrenz abheben, dürfen sie zudem die Außenverkleidung ihres Autos, die Scheinwerfer und die vorderen und hinteren Stoßfänger selbst gestalten.

Entwicklungszeitplan

Der erste Prototypen-Test soll im Juli 2019 erfolgen, bevor rund drei Monate später im Juli die Serienproduktion der Chassis beginnt. Im März 2020 sollen die Teams ihre Autos sowie die zugehörigen Batterien erhalten. Für den Sommer 2020 sieht Extreme E kollektive Testfahrten aller Teilnehmer vor, wie sich auch in der Formel E üblich sind. Anschließend (August 2020) ist ein erstes Testrennen geplant, dessen Austragungsort noch offen ist. Im September 2020 werden die Autos verschifft. Dann kann die Reise zum ersten Rennen im Januar 2021 beginnen.

Einführung zu Extreme E

Rennformat & TV-Übertragung

Die Teilnehmer von Extreme E treten in einem traditionellen Turnierformat in zwei Gruppen mit jeweils sechs Teams gegeneinander an. Die Top 4 der Gruppenphase ziehen jeweils in die K.o.-Runde ein, in der Kopf-an-Kopf-Rennen mit je zwei Autos angesetzt sind. Der Gewinner qualifiziert sich für die nächste Runde, bis er ausfällt oder das Finale erreicht. Die Offroad-Etappen sollen zwischen sechs und zehn Kilometer lang sein. Um die Natur nicht zu unnötig zu beeinträchtigen müssen die Fahrer eine Reihe von virtuellen Toren durchfahren (voraussichtlich fünf oder sechs pro Strecke).

Extreme E ist nicht als Live-Event geplant, das Fans in Echtzeit verfolgen können - unter anderem aufgrund der fehlenden Infrastruktur am Rennort. Stattdessen produziert der Oscar-prämierte Filmemacher Fisher Stevens als Künstlerischer Leiter von Extreme E eine Seriendokumentation von den Rennen. Insgesamt zehn Episoden sollen 2021 bei den Rennveranstaltungen entstehen. Eine Ausstrahlung ist erst Ende des Jahres geplant, wenn die Saison bereits beendet ist. Alle Teilnehmer müssen Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen, dass sie die Rennergebnisse zwischenzeitlich geheim halten.

Partner von Extreme E

Extreme E ist ein vollständig durchfinanziertes Projekt. Unterstützung erhält die Serie unter anderem von Gründungspartner Continental, der gleichzeitig als offizieller Reifenlieferant auftritt. CBMM unterstützt Extreme E zudem als "Niob-Lieferant" und ermöglicht damit die Integration fortschrittlicher Niob-Produkte in das Chassis der rein elektrischen SUVs.